Stablecoins sind längst kein Spekulationsinstrument mehr. Eine neue Studie des Zahlungsdienstleisters BVNK zeigt: 39% der Befragten erhalten ihr Einkommen bereits in Stablecoins. 27% nutzen sie täglich für Zahlungen. Das ist keine Randerscheinung mehr.
Das Wichtigste in Kürze:
- 39% der 4.658 befragten Krypto-Nutzer erhalten Einkommen in Stablecoins
- 27% nutzen Stablecoins aktiv für alltägliche Zahlungen
- Adoption am stärksten in Schwellenländern mit instabilen Landeswährungen
- MiCA-Regulierung könnte Stablecoin-Zahlungen in Europa ab 2026 beschleunigen
Was der BVNK-Report zeigt
BVNK ist ein auf B2B-Zahlungen spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in London. Für ihren Report befragten sie 4.658 Krypto-Nutzer aus verschiedenen Ländern und Einkommensgruppen. Es ist eine der umfangreichsten Umfragen zur realen Stablecoin-Nutzung, die bislang veröffentlicht wurde.
Das zentrale Ergebnis: Stablecoins haben die Spekulations-Phase hinter sich gelassen. Sie werden als Zahlungsmittel genutzt, als Gehaltsersatz, als Ersparnisschutz. Das verändert, wie wir Krypto-Adoption messen müssen.
Einkommen und Gehalt in Stablecoins
39% der Befragten gaben an, Einkommen in Stablecoins zu erhalten. Das umfasst Freelancer-Honorare, Remote-Gehälter und Zahlungen auf internationaler Ebene. Besonders Plattformen wie Remote.com und Deel ermöglichen es Arbeitgebern, Gehälter direkt in USDC auszuzahlen.
Für global tätige Unternehmen ist das attraktiv: Überweisungen in USDT oder USDC kosten einen Bruchteil einer klassischen SWIFT-Überweisung. Sie kommen in Sekunden an, nicht in drei bis fünf Werktagen. Währungskonversionsgebühren entfallen weitgehend.
Alltägliche Zahlungen nehmen zu
27% der Befragten nutzen Stablecoins bereits für Alltagszahlungen. Das reicht von Miete über Online-Einkäufe bis zu Restaurants in Ländern wie Argentinien, Türkei oder Nigeria. In diesen Märkten ist die Infrastruktur bereits vorhanden: Händler akzeptieren USDT per QR-Code, Wallets funktionieren wie Bankkonten.
In entwickelten Märkten wie Deutschland ist das noch nicht der Fall. Hier sind Stablecoin-Zahlungen eher im B2B-Bereich verbreitet, selten im Alltag. Das wird sich laut BVNK in den nächsten drei Jahren ändern.
Was sind Stablecoins? Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert an eine Fiatwährung gekoppelt ist, meistens den US-Dollar. USDT (Tether) und USDC (Circle) sind die größten mit zusammen über 150 Mrd. USD Marktkapitalisierung. Im Gegensatz zu Bitcoin oder Ethereum schwankt ihr Kurs kaum.
Warum Schwellenländer voranschreiten
Die Adoption ist nicht gleichmäßig verteilt. Länder mit stabiler Währung wie Deutschland, Schweiz oder Österreich hinken deutlich hinterher. In Schwellenländern sieht das fundamental anders aus, weil der Leidensdruck ein anderer ist.
In Argentinien lag die Inflation 2024 bei über 200%. Wer dort Ersparnisse in Argentinischen Pesos hält, verliert täglich an Kaufkraft. Stablecoins sind für diese Menschen kein Tech-Experiment. Sie sind schlicht die stabilere Alternative zum Girokonto.
Dollar-Zugang ohne US-Bankkonto
In Ländern ohne einfachen Zugang zu Hartwährungen bieten Stablecoins Dollar-Denomination ohne US-Bankkonto. Das ist für Millionen Menschen der erste praktische Zugang zu einer inflationsresistenten Währung.
Nigeria, Venezuela, Türkei und die Ukraine zählen laut Chainalysis zu den Ländern mit der weltweit höchsten Stablecoin-Adoption gemessen am BIP. Das deckt sich direkt mit den BVNK-Daten und zeigt: Adoption folgt immer dem wirtschaftlichen Schmerz.
Remittances als unterschätzter Treiber
Ein weiterer Faktor sind internationale Geldüberweisungen. Migranten, die Geld in ihre Heimatländer schicken, zahlen über klassische Dienste wie Western Union bis zu 10% Gebühren. Per Stablecoin kostet die gleiche Transaktion wenige Cents.
In Ländern wie den Philippinen, Mexiko oder El Salvador macht das einen erheblichen Unterschied für Millionen Haushalte. Das Volumen der Remittance-Zahlungen über Stablecoins hat sich laut On-Chain-Daten von Chainalysis seit 2022 mehr als vervierfacht.
"Stablecoins lösen ein echtes Problem für Menschen ohne verlässlichen Zugang zum traditionellen Finanzsystem. Das ist keine Spekulation mehr, das ist Infrastruktur."
Stablecoins kaufen und sicher verwahren: Welche Börse hat die besten Konditionen?
Zum Börsen-Vergleich 2026Was das für Europa bedeutet
Europa hinkt hinterher, aber nicht ohne Grund. Der Euro ist stabil, Bankkonten sind erreichbar, und SEPA-Überweisungen funktionieren verlässlich. Der wirtschaftliche Druck, der in Argentinien oder Nigeria Adoption treibt, fehlt hier schlicht.
Trotzdem gibt es Bereiche, wo Stablecoins auch in Europa einen konkreten Vorteil bieten. Internationale Freelancer-Zahlungen, grenzüberschreitende B2B-Transaktionen und die wachsende Remote-Work-Wirtschaft sind Bereiche mit realem Bedarf. Wer als Entwickler für ein US-Unternehmen arbeitet, profitiert von Dollar-basierten Stablecoin-Gehältern.
MiCA als potenzieller Katalysator
Mit MiCA (Markets in Crypto-Assets) hat die EU erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto-Assets, inklusive Stablecoins. Emittenten wie Circle haben bereits MiCA-Lizenzen beantragt. Das ist entscheidend: Compliance-scheue Unternehmen brauchen regulatorische Klarheit, bevor sie Stablecoin-Zahlungen einführen.
Ab 2026 könnten Stablecoin-Zahlungen in Europa regulatorisch vollständig abgesichert sein. Für Unternehmen, die bislang aus rechtlichen Gründen zögerten, könnte das der entscheidende Schub sein. Der BVNK-Report sieht Europa als den Markt mit dem größten ungenutzten Potenzial.
Steuerpflicht beachten: Wer in Deutschland Stablecoins als Einkommen erhält, muss diese versteuern. Krypto Steuern Deutschland gelten auch für Stablecoin-Zahlungen, unabhängig vom stabilen Kurs. Mit CoinTracking (10% Rabatt über CryptoTuts) alle Transaktionen automatisch erfassen und das Krypto-Steuer-Reporting vereinfachen.
Vorteile von Stablecoin-Zahlungen
- Sofortige internationale Überweisungen ohne SWIFT-Gebühren
- Inflationsschutz in Ländern mit schwacher Währung
- Bankkontolose Teilhabe am Dollar-Wirtschaftsraum
- Transparente, unveränderbare Transaktionshistorie
- Remittances zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten
Risiken & Nachteile
- Steuerpflicht bei Zufluss, auch bei stabilem Kurs
- Emittentenrisiko (Tether-Reserve-Kontroversen seit Jahren ungelöst)
- Keine EU-Einlagensicherung wie bei Bankkonten
- Wechselkursrisiko beim Umtausch in Euro
- Technisches Risiko: falsche Wallet-Adresse bedeutet Totalverlust
Worauf du jetzt achten solltest
- Einkommen sofort dokumentieren: Jede Stablecoin-Zahlung ist in Deutschland steuerpflichtig. Datum und Euro-Gegenwert beim Zufluss festhalten. Tools wie CoinTracking automatisieren das komplett.
- Emittenten-Risiko einschätzen: USDC gilt als transparenter als USDT. Für größere Beträge lohnt die Diversifikation auf mehrere Stablecoins.
- MiCA-Entwicklung verfolgen: Welche Stablecoins in der EU eine Lizenz erhalten, entscheidet sich 2026. Nicht-lizenzierte Stablecoins könnten für Unternehmen problematisch werden.
- Sichere Verwahrung wählen: Größere Stablecoin-Bestände gehören in eine Hardware Wallet, nicht dauerhaft auf Exchange-Konten.
- Regulierte EU-Börse nutzen: Für den Umtausch in Euro brauchst du eine lizenzierte Plattform. Der Börsen-Vergleich 2026 zeigt die günstigsten Optionen.
Häufige Fragen zu Stablecoin-Zahlungen
Sind Stablecoin-Gehälter in Deutschland legal?
Ja, Gehaltszahlungen in Stablecoins sind in Deutschland legal. Der Arbeitgeber muss den Euro-Gegenwert für Lohnsteuer und Sozialversicherung berechnen. Für Freelancer gilt: Stablecoin-Einnahmen sind als sonstige Einkünfte nach §22 EStG zu versteuern, unabhängig davon, dass der Wert stabil bleibt.
Was ist der Unterschied zwischen USDT und USDC?
Beide sind Dollar-gebundene Stablecoins, unterscheiden sich aber beim Emittenten und der Transparenz. USDC wird von Circle ausgegeben und veröffentlicht monatliche Reserve-Audits. USDT (Tether) ist der größte Stablecoin nach Marktkapitalisierung, steht aber seit Jahren wegen undurchsichtiger Reserven in der Kritik.
Warum werden Stablecoins in Schwellenländern stärker genutzt?
In Ländern mit hoher Inflation wie Argentinien (über 200% in 2024) verlieren lokale Währungen schnell an Kaufkraft. Stablecoins bieten Dollar-Stabilität ohne US-Bankkonto und sind für Millionen Menschen der einzige praktische Zugang zu einer harten Währung. Auch Remittance-Zahlungen werden zunehmend über Stablecoins abgewickelt, weil die Gebühren deutlich niedriger sind.
Muss ich Stablecoin-Zahlungen in der Steuererklärung angeben?
Ja. Krypto Steuern Deutschland gelten auch für Stablecoin-Einkommen, unabhängig vom stabilen Kurs. Die Einnahmen zählen als sonstige Einkünfte nach §22 EStG. Die 1.000-Euro-Freigrenze gilt nur für Veräußerungsgewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften, nicht für regelmäßige Einkommenszuflüsse.
Quelle: Cointelegraph / BVNK Report





