Paradigm sammelt 1,5 Milliarden US-Dollar für einen neuen Fonds und expandiert damit strategisch von reinen Krypto-Investments in Künstliche Intelligenz und Robotik. Das renommierte Venture-Capital-Unternehmen signalisiert damit eine fundamentale Verschiebung in der Tech-Investmentszene – und durchbricht als einer der wenigen großen Player die Durststrecke des VC-Marktes 2024.
Das Wichtigste in Kürze:
- 1,5 Milliarden US-Dollar Fondsgröße laut Wall Street Journal
- Expansion von Krypto auf KI und Robotik (Frontier Tech)
- Paradigm-Co-Founder Matt Huang: KI-Entwicklungen „zu interessant zum Ignorieren"
- Signal für institutionelles Vertrauen trotz rückläufiger VC-Märkte 2024
- Runde war nach Branchenkreisen überzeichnet (oversubscribed)
Der 1,5-Milliarden-Fonds im Detail
Der Wall Street Journal zufolge hat Paradigm den Abschluss eines neuen Mega-Fonds bekannt gegeben – eine der größten Kapitalbeschaffungen im Technologiebereich seit dem Beginn der Zinswende. Das kalifornische Unternehmen, bisher bekannt für Early-Stage-Investments in Ethereum (ETH)-Ökosysteme und DeFi-Protokolle, erweitert sein Mandat erstmals systematisch auf angrenzende Technologiefelder. Die Platzierung gelang trotz eines generellen Rückgangs von Risikokapital im Jahr 2024, was auf starkes institutionelles Vertrauen in das Management-Team schließen lässt.
Das frische Kapital fließt nicht nur in reine Blockchain-Startups. Stattdessen positioniert sich der Fonds bewusst an der Schnittstelle zwischen dezentraler Infrastruktur und autonomen Systemen. Die Investitionsschwerpunkte umfassen maschinelles Lernen, Robotik-Hardware, KI-Infrastruktur sowie sogenannte „Agentic Economies" – Ökosysteme, in denen autonome Software-Agenten eigenständig wirtschaftliche Entscheidungen treffen und Transaktionen ausführen. Brancheninsider rechnen mit einer Deployments-Phase von drei bis vier Jahren, wobei Ticketgrößen von Seed-Investments im niedrigen einstelligen Millionenbereich bis zu Growth-Runden von über 100 Millionen Dollar reichen sollen.
„Die Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz sind zu interessant, um sie zu ignorieren. KI und Krypto werden zahlreiche Überschneidungspunkte aufweisen."
— Matt Huang, Co-Founder Paradigm
Strategische Pivot statt reiner Diversifikation
Die Expansion markiert keinen Bruch mit der Krypto-DNA des Unternehmens, sondern vielmehr eine evolutionäre Anpassung an die technologische Realität. Während reine Krypto-Fonds 2024 zunehmend Schwierigkeiten hatten, frisches Kapital bei institutionellen LPs (Limited Partners) zu akquirieren, gelang Paradigm die Überzeugung von Endowment-Fonds und Family Offices durch die Breiterstellung des Mandats. Vielmehr deutet die Strategie auf eine konvergente Zukunft hin, in der Bitcoin (BTC)-Netzwerke und Smart-Contract-Plattformen als Vertrauensinfrastruktur für KI-Agenten dienen.
Der Fokus auf Frontier Tech signalisiert, dass führende Kapitalgeber die Isolation der Krypto-Branche überwinden wollen. Statt als separates Silo zu agieren, positioniert sich die Branche nun als integraler Bestandteil einer breiteren technologischen Transformation. Diese Entwicklung unterscheidet sich fundamental von reinen Trend-Investments: Paradigm investierte zuletzt bereits in Startups, die beide Welten verbinden, etwa im Bereich dezentraler Compute-Ressourcen für KI-Training oder verifizierbarer Onchain-Daten für Machine-Learning-Modelle. Die Konkurrenz zu Andreessen Horowitz' eigenem KI-Fokus und Haun Ventures' repositioniertem Mandat verschärft sich dadurch merklich.
Warum das wichtig ist
Die Fondsgröße von 1,5 Milliarden Dollar sendet ein starkes Signal an den gesamten Venture-Capital-Markt. Während viele reine Crypto-VCs 2024 mit Kapitalbeschaffung kämpften und etablierte Tech-Fonds ihre Krypto-Exposure reduzierten, gelang Paradigm die Platzierung eines der größten Tech-Fonds des Jahres. Laut Daten von PitchBook sank das globale VC-Fundraising im dritten Quartal 2024 um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In diesem Umfeld fungiert Paradigms Erfolg als Vertrauensanker für das gesamte Ökosystem.
Marktkontext: Paradigms vorheriger Fonds von 2021 umfasste 2,5 Milliarden Dollar und gilt als einer der erfolgreichsten Krypto-Investmentsfonds überhaupt. Beteiligungen umfassen unter anderem Uniswap, OpenSea und StarkWare. Das „Trockenpulver" (Dry Powder) aus der vorherigen Runde ist weitgehend investiert, weshalb die neue Kapitalzufuhr für die weitere Strategie essenziell war.
Diese Kapitalzufuhr unterscheidet sich qualitativ von spekulativen Bullenmarkt-Investments der Vergangenheit. Sie repräsentiert strategisches, langfristiges Kapital, das auf eine Reife der Branche setzt – nicht auf kurzfristige Token-Spekulation. Für Retail-Investoren, die über Krypto-Börsen im Vergleich ihre ersten Schritte planen, bedeutet dies erhöhte institutionelle Validierung des Sektors. Die Tatsache, dass pensionierte Kapitalgeber und Universitätsendowments nun indirekt über Paradigm in KI-Krypto-Hybride investieren, normalisiert die Assetklasse nachhaltig.
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Paradigms strategische Neuausrichtung basiert auf einer fundamentalen These: Künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie sind komplementär, nicht konkurrierend. KI-Agenten benötigen dezentrale Infrastrukturen für vertrauenslose Werttransfers, autonome Entscheidungsfindung und die Verifikation von Trainingsdaten. Gleichzeitig profitiert die Krypto-Infrastruktur von KI-gestützter Optimierung: Smart Contracts werden durch formale Verifikation intelligenter, Sicherheitsaudits durch automatisierte Code-Analyse effizienter, Nutzerinterfaces durch Large Language Models intuitiver.
Diese wechselseitige Abhängigkeit schafft neue Investitionsmöglichkeiten jenseits reiner Spekulation. Besonders im Bereich Decentralized Physical Infrastructure Networks (DePIN) zeichnet sich eine neue Kategorie ab: KI-Trainingscluster, die auf dezentralen GPU-Marktplätzen laufen, autonome Roboter, die über Blockchain-Netzwerke Micropayments für Energie oder Wartung abwickeln, und Agenten-Ökonomien, die ohne menschliche Intervention funktionieren. Paradigm positioniert sich hier als Infrastruktur-Investor für die nächste Evolutionsstufe des Internets – oft als „Agentic Web" oder „Autonome Ökonomie" bezeichnet.
Risikohinweis: Frontier-Tech-Investments bergen höhere technologische und regulatorische Risiken als etablierte Kryptowährungen. Die Komplexität der Schnittstellen zwischen KI und Blockchain erschwert Due-Diligence-Prozesse erheblich. Zudem konvergieren hier zwei hochreglementierte Bereiche: Die EU AI Act und MiCA-Regulierung schaffen Compliance-Lücken, die erst juristisch geklärt werden müssen. Hardware-Abhängigkeiten bei Robotik-Investments führen zusätzliche geopolitische Risiken (Chip-Exportkontrollen) ein.
Implikationen für das Ökosystem
Der Fondszugang wird wahrscheinlich eine Welle von KI-Krypto-Hybridprojekten auslösen. Gründer werden gezielt Businessmodelle entwickeln, die beide Technologiestacks integrieren, um Paradigms Kapital zu erschließen. Dies könnte die nächste Generation von Krypto-Anwendungen maßgeblich prägen – weg von reinen Finanzprotokollen hin zu autonomen Wirtschaftseinheiten. Die Talent-Migration wird sich verstärken: KI-Experten aus traditionellen Tech-Giganten werden vermehrt in Krypto-Startups wechseln, angezogen durch das frische Kapital und die Möglichkeit, an beiden Fronten gleichzeitig zu arbeiten.
Für bestehende Protokolle bedeutet dies einen Druck zur Adaptation. Layer-1- und Layer-2-Netzwerke müssen ihre Infrastruktur für KI-Agenten optimieren – etwa durch spezielle Transaktionsformen, Gas-Abstraktion oder verifizierbare Compute-Proofs. Wer hier nicht mitzieht, riskiert, bei der nächsten Finanzierungsrunde gegen KI-native Konkurrenten zu verlieren.
Worauf du jetzt achten solltest
Für Investoren eröffnet Paradigms Strategiewechsel neue Analyse-Raster. Die Bewertung von Krypto-Projekten muss zunehmend deren KI-Integrationsfähigkeit berücksichtigen – nicht als Marketing-Gag, sondern als fundamentalen Architekturvorteil.
- Infrastruktur-Layer bevorzugen: Protokolle, die als Vertrauensanker für autonome Agenten dienen können, gewinnen strategische Relevanz. Das betrifft insbesondere Oracle-Netzwerke, die verifizierbare Real-World-Daten für KI-Modelle bereitstellen, sowie Layer-1-Chains mit hohem Durchsatz für Machine-to-Machine-Payments.
- Compute-Ressourcen im Blick behalten: Dezentrale GPU-Marktplätze und KI-Trainingsnetzwerke profitieren direkt vom Kapitalzufluss in den Sektor. Tokens, die Compute-Leistung repräsentieren oder Koordinationsmechanismen für KI-Agenten bereitstellen, könnten von Paradigms Investments indirekt profitieren.
- Regulatorische Entwicklungen tracken: Die Kombination aus KI und Krypto zieht verstärkte Aufmerksamkeit von Aufsichtsbehörden auf sich. Besonders die Verifikation von KI-Trainingsdaten auf der Blockchain und die Haftungsfrage autonomer Agenten werden regulatorische Bruchlinien werden.
- Team-Qualifikation prüfen: Zukünftige erfolgreiche Projekte benötigen sowohl Krypto-Native als auch KI-Experten im Core-Team. Whitepapers sollten konkrete Use-Cases für den Einsatz von Large Language Models oder autonomen Agenten aufzeigen, nicht nur buzzword-artige Erwähnungen.
- Valuations-Metriken anpassen: KI-Krypto-Hybride werden voraussichtlich höhere Bewertungen (FDV) erzielen als reine DeFi-Protokolle, da sie größere TAMs (Total Addressable Markets) adressieren. Investoren sollten bei Token-Generation-Events prüfen, ob die Fundamentaldaten diese Prämie rechtfertigen.
- Hardware-Wallet-Sicherheit: Bei steigenden Investments in physische Robotik-Projekte und der zunehmenden Tokenisierung realer Assets (RWA) steigt die Bedeutung sicherer Hardware-Wallets für die Verwahrung komplexer Token-Standards.
Häufige Fragen zu Paradigms KI-Expansion
Was ist Paradigm?
Paradigm ist ein 2018 gegründeter Venture-Capital-Investor mit Sitz in San Francisco, der sich auf Krypto- und Blockchain-Technologien spezialisiert hat. Das Unternehmen gilt als einer der einflussreichsten institutionellen Investoren im Krypto-Space mit Beteiligungen an führenden Protokollen wie Uniswap, OpenSea und StarkWare. Gegründet wurde das Unternehmen von Fred Ehrsam (Mitbegründer Coinbase) und Matt Huang (ehemals Sequoia Capital).
Warum investiert Paradigm in KI und Robotik?
Laut Co-Founder Matt Huang sind KI-Entwicklungen „zu interessant zum Ignorieren". Paradigm geht davon aus, dass Künstliche Intelligenz und Krypto-Technologie starke Überschneidungen aufweisen werden. KI-Agenten benötigen dezentrale Infrastrukturen für autonome Transaktionen, während Blockchain-Netzwerke von KI-gestützter Optimierung profitieren. Die Investitionen konzentrieren sich auf sogenannte „Frontier Tech" – Technologien am Rande des Machbaren, die die nächste Generation digitaler Infrastruktur definieren werden.
Was bedeutet der Fonds für private Krypto-Investoren?
Der 1,5-Milliarden-Dollar-Fonds signalisiert institutionelles Vertrauen in die Langfristigkeit des Sektors. Für private Investoren bedeutet dies, dass zunehmend Kapital in KI-Krypto-Hybridprojekte fließen wird. Beim Investment sollte verstärkt auf die KI-Integrationsfähigkeit von Protokollen geachtet werden – etwa ob Projekte Infrastruktur für autonome Agenten bereitstellen oder dezentrale Compute-Ressourcen vermarkten. Langfristig könnte dies zu einer Aufwertung von Infrastruktur-Tokens gegenüber reinen Spekulations-Assets führen.
Wie unterscheidet sich der neue Fonds vom Paradigm-Fonds 2021?
Während der 2,5-Milliarden-Dollar-Fonds von 2021 noch rein auf Krypto- und Blockchain-Technologie fokussiert war, erweitert der neue 1,5-Milliarden-Dollar-Fonds das Mandat systematisch auf Künstliche Intelligenz und Robotik. Die Fondsgröße ist kleiner als die Vorgängerrunde, was jedoch dem allgemeinen Rückgang am VC-Markt geschuldet ist. Qualitativ hat sich der Fokus von reinen Finanzanwendungen (DeFi) hin zu physischen Infrastrukturen und autonomen Systemen verschoben.





