Das Wichtigste in Kürze:
- Coinbase, Robinhood und Figure notieren rund 60 Prozent unter ihren Jahreshöchstständen aus 2025
- Bernstein Research empfiehlt trotz erwarteter schwacher Q1-Zahlen den Kauf der abgestraften Werte
- Der Fear & Greed Index signalisiert mit 8 von 100 Punkten extreme Marktängste
Die Aktien führender Krypto-Infrastrukturanbieter haben gegenüber ihren Hochs aus dem Vorjahr rund 60 Prozent an Wert eingebüßt. Das Analysehaus Bernstein interpretiert diese Korrektur bei Coinbase, Robinhood und Figure als überzeichnete Risikoprämie und empfiehlt institutionellen Anlegern den Einstieg.
Bernstein Research zählt seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Analysehäusern an der Wall Street. Die Coverage von Krypto-Infrastrukturanbietern durch dieses traditionsreiche Institut signalisiert eine Reifephase des Sektors, die weit über die Spekulationszyklen der frühen Jahre hinausweist. Die aktuelle Kaufempfehlung für die drei Unternehmen basiert auf fundamentalem Bottom-up-Research, der die Bilanzstärke und Cash-Positionen der Unternehmen gegen die aktuelle Marktstimmung abwägt. Die Analysten argumentieren, dass der Markt zyklische Schwächen mit strukturellen Problemen verwechselt.
Coinbase, Robinhood und Figure mit 60 Prozent im Minus: Bernsteins ungewöhnliche Kaufempfehlung
Die Korrektur an den US-Technologiebörsen hat im ersten Quartal 2026 die Krypto-Sektoraktien besonders hart getroffen. Coinbase, Robinhood und das auf Blockchain spezialisierte Fintech-Unternehmen Figure notieren aktuell etwa 60 Prozent unter ihren Jahreshöchstständen aus dem Jahr 2025. Dieser Wertverlust übertrifft den Rückgang des zugrundeliegenden Bitcoin-Marktes deutlich und deutet auf eine überkorrigierte Risikobewertung hin.
Die gegenwärtige 60-prozentige Korrektur reiht sich ein in die volatilen Bewegungsmuster, die Krypto-Aktien seit ihrer Börsennotierung prägen. Dennoch unterscheidet sich die aktuelle Phase qualitativ von den Crashs 2022 oder den Korrekturen 2018. Während damals fundamentale Kollateralschäden im Ökosystem dominierten – etwa der Zusammenbruch von FTX oder das Terra-Luna-Desaster – handelt es sich bei der aktuellen Abwärtsbewegung primär um eine Bewertungskorrektur im Kontext steigender Kapitalmarktzinsen und geopolitischer Unsicherheiten. Diese Unterscheidung ist zentral für Bernsteins Argumentation: Die operative Substanz der Unternehmen ist intakt, während die Bewertungsmultiples sich der Realität traditioneller Finanzdienstleister annähern.
Laut einer Analyse von Decrypt bewertet Bernstein Research die Lage fundamental anders als der Markt. Die Analysten des renommierten Research-Hauses argumentieren, dass der Absturz regulatorische Unsicherheiten und temporäre Einbrüche bei den Handelsvolumina überproportional einpreist. Während Privatanleger in Panik verkaufen und Stop-Loss-Orders auslösen, sehen institutionelle Strategen eine seltene Einstiegsgelegenheit bei hochqualitativen Infrastrukturanbietern.
Die Bewertungskennzahlen der Unternehmen liegen teils auf dem niedrigsten Stand seit dem letzten Bärenmarkt. Coinbase handelt deutlich unter dem Bewertungsniveau seines Börsengangs, obwohl das Unternehmen seine internationale Präsenz massiv ausgebaut und mit "Base" eine eigene Layer-2-Lösung etabliert hat. Robinhood diversifiziert sein Geschäftsmodell über den US-Markt hinaus und positioniert sich neu als globale Finanz-App.
Marktindikator: Der Crypto Fear & Greed Index notiert aktuell bei 8 von 100 Punkten und signalisiert damit extreme Marktängste. Historisch boten derartige Extreme oft konträre Einstiegschancen für langfristig orientierte Anleger.
Die Diskrepanz zwischen dem operativen Geschäftsverlauf und der Aktienbewertung ist signifikant und wächst täglich. Coinbase verzeichnet zwar rückläufige Spot-Trading-Einnahmen im ersten Quartal, expandiert jedoch aggressiv im Bereich der Verwahrung institutioneller Vermögen und generiert stabile Einnahmen aus Staking-Diensten. Figure Technologies operiert als Infrastrukturanbieter für die Tokenisierung realer Vermögenswerte und nutzt Blockchain-Technologie zur Verbriefung von Hypotheken und Privatkrediten. Dieses Geschäftsfeld ist von der aktuellen Krypto-Volatilität weitgehend entkoppelt, da die zugrunde liegenden Kredite reale Cashflows generieren.
Figure forciert die Tokenisierung von Hypotheken und realen Vermögenswerten, ein Markt mit billionenschwerem Potenzial, der bisher kaum in der Aktienbewertung angekommen ist. Die Tatsache, dass Figure, ein eher unterbewerteter Player im Vergleich zu den Börsenriesen, denselben Bewertungsabschlag erfährt, unterstreicht die breite Verkaufswelle im Sektor. Investoren scheinen Krypto-Exposure pauschal zu reduzieren, ohne zwischen reinen Trading-Plattformen und diversifizierten Blockchain-Infrastrukturanbietern zu differenzieren. Diese ineffiziente Marktreaktion schafft Arbitrage-Möglichkeiten für fundamentale Analysten.
Schwache Quartalszahlen erwartet: Warum Bernstein dennoch auf Erholung setzt
Das erste Quartal 2026 dürfte enttäuschende Zahlen für alle drei Unternehmen liefern. Die aggregierten Trading-Volumina an den großen Krypto-Börsen im Vergleich zum Vorquartal sind um ein Drittel zurückgegangen, was sich unmittelbar in den Transaktionsgebühren niederschlägt. Dieser Rückgang belastet die Gewinnmargen, da die Fixkosten für Compliance und Technologie weiterlaufen.
Coinbase hat im Laufe des vergangenen Jahres seine internationale Präsenz systematisch ausgebaut, während gleichzeitig die Abhängigkeit vom US-Heimatmarkt reduziert wurde. Die Einführung derivativer Produkte in ausgewählten Jurisdiktionen und die Partnerschaften mit lokalen Zahlungsdienstleistern in Lateinamerika und Asien diversifizieren die Umsatzströme. Besonders die Layer-2-Lösung "Base" etabliert sich zunehmend als Infrastrukturstandard für Consumer-Apps.
Robinhood hat zudem mit der Übernahme von Bitstamp und der Integration von AML-konformen EU-Diensten seine geografische Diversifikation vorangetrieben. Die Integration von Bitstamp, einem der ältesten und regulierungstechnisch am strengsten überwachten Krypto-Exchanges Europas, verschafft Robinhood nicht nur technologische Infrastruktur, sondern kritische EU-Lizenzen. Diese regulatorische Arbitrage ermöglicht den Zugang zu Märkten mit 450 Millionen potenziellen Kunden, während die US-Operation unter dem Druck der Securities and Exchange Commission steht.
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Jetzt bei Bitvavo handelnDennoch bleibt Bernstein bei seiner aggressiven Kaufempfehlung. Die Argumentation basiert auf der klaren Unterscheidung zwischen zyklischen Tiefs und strukturellem Wachstum der Branche. Die fundamentale Nutzung von Ethereum-Netzwerken und Layer-2-Protokollen zeigt robuste Entwicklungen, während die institutionelle Adoption durch ETF-Zuflüsse und Corporate Treasury Investments in Bitcoin weiter zunimmt.
Im Vergleich zu traditionellen Neobroker-Aktien oder Finanzdienstleistern weisen die Krypto-Titel aktuell Bewertungsabschläge auf, die an die tiefsten Krisenphasen des Sektors erinnern. Während traditionelle Online-Broker in ähnlichen Marktumfeldern Bewertungsmultiples von dreifachem bis fünffachem Umsatz aufweisen, notieren Coinbase und Robinhood teils unter dem Buchwert ihrer liquiden Vermögenswerte. Diese Dislozierung zwischen Aktienkurs und intrinsischem Wert bildet die rationale Basis für die konträre Kaufempfehlung.
Langfristig gewinnen diese Infrastrukturanbieter an strategischer Bedeutung für das gesamte Ökosystem. Coinbase entwickelt sich vom reinen Exchange zum Full-Service-Infrastrukturprovider für institutionelle Staking-Dienstleistungen und Custody-Lösungen. Robinhood expandiert nach Großbritannien und Europa, baut seine Non-Custodial-Wallet-Sparte aus und integriert Kreditkartenfunktionen. Bernstein argumentiert, dass diese Diversifikation die Abhängigkeit von volatilem Retail-Trading dauerhaft reduziert und wiederkehrende Umsatzströme etabliert.
Zwischen Panik und Chancenkauf: Die Risiken des aktuellen Krypto-Aktien-Dips
Ein Einstieg bei minus 60 Prozent birgt erhebliche Chancen, aber auch substanzielle Fallstricke für das Portfoliorisiko. Die regulatorische Landschaft in den Vereinigten Staaten bleibt das dominante externe Risiko. Die SEC unter dem aktuellen Führungspersonal verfolgt eine aggressive Enforcement-Strategie, die zahlreiche Krypto-Assets als unregistrierte Wertpapiere einstuft. Ein verschärftes Vorgehen der SEC gegen Krypto-Staking-Dienste oder die Einordnung weiterer Token als Wertpapiere könnte die Kerngeschäftsmodelle von Coinbase und Robinhood massiv belasten und millionenschwere Strafen nach sich ziehen.
Risikohinweis: Krypto-Aktien bewegen sich typischerweise mit einer Beta von 1,5 bis 2,0 gegenüber dem zugrundeliegenden Bitcoin-Kurs. Bei einem weiteren Rückgang des Krypto-Marktes unter die aktuellen 57.900 Euro droht den Aktien ein überproportionaler Verlust, der das eingesetzte Kapital gefährden kann.
Anleger sollten zudem die technische Infrastruktur und Sicherheitsarchitektur der Unternehmen kritisch prüfen. Zentrale Börsen bleiben attraktive Angriffsziele für staatliche und private Cyberkriminelle. Der Wallet-Vergleich für Hardware-Lösungen zeigt, dass selbst professionelle Anleger zunehmend auf Eigenverwahrung setzen. Dieser Trend hin zur Selbstverwahrung könnte langfristig die Gebührenströme der zentralisierten Anbieter schmälern, wenn institutionelle Kunden ebenfalls auf Non-Custodial-Lösungen umsteigen.
Zudem droht durch den Aufstieg dezentraler Exchanges und Automated Market Makers eine strukturelle Erosion der Marktanteile zentralisierter Börsen. Die Bedrohung durch dezentrale Handelsplattformen nimmt zwar zu, bleibt jedoch für den institutionellen Massenmarkt begrenzt. Solange regulatorische Compliance, Versicherungsschutz und Kundenservice institutionelle Anleger priorisieren, behalten regulierte zentrale Börsen einen Wettbewerbsvorteil. Wenn Liquidität zunehmend auf DEX-Protokolle wie Uniswap oder Curve migriert, könnten die traditionellen Gebührenmodelle von Coinbase langfristig obsolet werden, selbst wenn die regulatorische Lage sich entspannt.
Unter dem Strich bleibt die Bewertungslücke das zentrale Argument für die Bernstein-Strategie. Die Aktienkurse spiegeln ein Szenario permanenter Stagnation oder regulatorischer Eskalation wider, während die fundamentale Adoption von Blockchain-Technologie in Zahlungsverkehr, Dezentralisierte Finanzen und Tokenisierung voranschreitet. Für risikobewusste Anleger mit einem Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren bietet der aktuelle Abschlag eine seltene Asymmetrie zwischen begrenztem Risiko und potenziellem Return, sofern die Unternehmen ihre strategische Transformation erfolgreich vollziehen.
Häufige Fragen zu Crypto-Aktien
Was genau sind Krypto-Aktien?
Krypto-Aktien sind Börsentitel von Unternehmen, die primär im Krypto-Ökosystem operieren. Dazu zählen zentrale Handelsplattformen wie Coinbase, Fintechs wie Robinhood mit signifikanten Krypto-Umsätzen sowie Blockchain-Infrastrukturanbieter wie Figure. Diese Aktien korrelieren stark mit der Entwicklung von Bitcoin und Ethereum, weisen jedoch eine höhere Volatilität auf als die zugrundeliegenden Assets.
Warum fallen Coinbase und Robinhood stärker als Bitcoin selbst?
Die Aktien bewegen sich mit einem Hebel von bis zu 2:1 zum zugrundeliegenden Kryptomarkt. Zudem belasten regulatorische Unsicherheiten und der Rückgang der Trading-Volumina die Erlösmodelle stärker als den reinen Asset-Preis. Börsengehandelte Unternehmen unterliegen zudem quartalsweise Erwartungsdruck und Compliance-Kosten, die Spot-Kryptowährungen fehlen.
Wie bewertet Bernstein die Zukunft trotz schwacher Q1-Zahlen?
Bernstein argumentiert, dass der Markt zyklische Schwächen mit strukturellen Problemen verwechselt. Die Analysten sehen die 60-prozentige Korrektur als überzeichnete Risikoprämie für temporäre regulatorische und volumenbedingte Faktoren. Langfristig erwartet das Haus eine Erholung getrieben durch institutionelle Adoption und diversifizierte Geschäftsmodelle jenseits des reinen Tradings.
Was unterscheidet Figure von Coinbase und Robinhood?
Figure Technologies fokussiert sich auf die Tokenisierung realer Vermögenswerte wie Hypotheken und Privatkredite, während Coinbase und Robinhood primär Handelsplattformen für Kryptowährungen betreiben. Diese Ausrichtung auf Real-World-Assets macht Figures Geschäftsmodell weniger abhängig von der Krypto-Volatilität, da die zugrunde liegenden Kredite kontinuierliche Cashflows generieren. Gleichzeitig bietet die Tokenisierung ein billionenschweres Wachstumspotenzial im traditionellen Finanzsektor.





