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Notfall-Guide

Krypto geerbt: Zugang, Steuern & Recht

Jemand hat dir Kryptowährungen hinterlassen? Hier erfährst du, wie du die Coins findest, Zugang erhältst und steuerlich alles richtig machst.

Schritt 1: Geerbte Krypto-Bestände finden

Kryptowährungen sind nicht immer offensichtlich. Prüfe systematisch diese Quellen:

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    E-Mail-Postfach durchsuchen

    Suche nach Registrierungs- und Verifizierungs-Mails von Börsen wie Bitvavo, Kraken, Coinbase, Binance, Bitpanda.

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    Bankauszuege prüfen

    Suche nach Überweisungen an Krypto-Börsen oder Payment-Provider (z.B. SEPA an Bitvavo B.V.).

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    Geräte untersuchen

    Prüfe Computer und Smartphone auf Wallet-Apps (MetaMask, Electrum, Ledger Live), Browser-Bookmarks und Passwort-Manager.

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    Physische Unterlagen suchen

    Seed Phrases auf Papier, Stahlplatten oder in Tresoren. Hardware-Wallets (kleine USB-ähnliche Geräte) in Schubladen oder Safes.

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    Steuererklärungen prüfen

    Anlage SO (Sonstige Einkünfte) in früheren Steuererklärungen kann Hinweise auf Krypto-Gewinne enthalten.

Schritt 2: Zugang zu den Coins erhalten

Coins auf einer Börse: Kontaktiere den Support der Börse mit folgenden Dokumenten: Erbschein (vom Nachlassgericht), beglaubigte Sterbeurkunde und deinem Personalausweis. Die Börse überträgt das Konto oder zahlt die Coins aus. Rechne mit 2-8 Wochen Bearbeitungszeit.

Hardware-Wallet mit Seed Phrase: Wenn du die Seed Phrase hast, richte ein neues Wallet ein und stelle die Coins wieder her. Du brauchst keinen Erbschein dafür — die Blockchain kennt keine Eigentuemer, nur Keys.

Hardware-Wallet ohne Seed Phrase: Wenn das Gerät noch funktioniert und du die PIN kennst (oder findest), kannst du die Coins transferieren. Ohne PIN und ohne Seed Phrase ist der Zugang in der Regel verloren.

Wichtig

Versuche nicht, dich mit den Zugangsdaten des Verstorbenen in dessen Exchange-Konto einzuloggen. Das kann das Konto sperren und den legalen Übertragungsprozess verzoegern.

Schritt 3: Steuerliche Behandlung

Erbschaftsteuer: Geerbte Kryptowährungen unterliegen der Erbschaftsteuer. Der Wert wird zum Todestag berechnet. Es gelten die ueblichen Freibeträge (Ehepartner: 500.000 EUR, Kinder: 400.000 EUR, Enkel: 200.000 EUR, sonstige: 20.000 EUR).

Haltefrist: Du übernimmst die Haltefrist des Erblassers. Hat der Verstorbene die Coins länger als 1 Jahr gehalten, ist ein Verkauf für dich einkommensteuerfrei. War die Haltefrist kürzer, läuft sie für dich weiter.

Einkommensteuer bei Verkauf: Verkaufst du die geerbten Coins innerhalb der Haltefrist, gilt der Anschaffungspreis des Erblassers als dein Einstandskurs. Gewinne über der 1.000-EUR-Freigrenze sind steuerpflichtig.

Warnung

Die steuerliche Behandlung von geerbten Kryptowährungen ist komplex. Konsultiere unbedingt einen auf Krypto und Erbrecht spezialisierten Steuerberater, bevor du größere Beträge verkaufst.

Schritt 4: Geerbte Coins verkaufen

  • Börse wählen: Nutze eine regulierte Börse wie Bitvavo oder Kraken für den Verkauf.
  • Stufenweise verkaufen: Verkaufe nicht alles auf einmal. Große Verkaufsorders können den Preis drücken (Slippage). Verteile den Verkauf über mehrere Tage.
  • Dokumentation: Halte alle Transaktionen für die Steuererklärung fest. Ein Steuertool wie CoinTracking hilft dabei.
  • Nicht überstürzen: Informiere dich über den aktuellen Markt, bevor du verkaufst. Bei einem Bärenmarkt kann Abwarten sinnvoll sein — vorausgesetzt, die Haltefrist ist gewahrt.

Rechtliche Besonderheiten

Erbengemeinschaft: Gibt es mehrere Erben, müssen alle der Veräußerung zustimmen. Klaere die Aufteilung frühzeitig — idealerweise mit einem Anwalt für Erbrecht.

Erbschein: Für den Zugang zu Exchange-Konten brauchst du in der Regel einen Erbschein. Diesen beantragst du beim zuständigen Nachlassgericht. Die Bearbeitungszeit betraegt 4-12 Wochen.

Testament: Liegt ein Testament vor, das Krypto-Bestände erwähnt, vereinfacht das den Prozess erheblich. Tipp für die eigene Vorsorge: Krypto-Bestände im Testament erwaehnen und Zugangs-Informationen (Seed Phrase, Exchange-Konten) sicher hinterlegen.

Geerbte Coins steuerlich dokumentieren

CoinTracking berechnet Haltefristen, Anschaffungskosten und Gewinne automatisch — auch für geerbte Bestände.

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Häufige Fragen: Krypto geerbt

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Erben von Kryptowährungen

Muss ich auf geerbte Kryptowährungen Erbschaftsteuer zahlen?
Ja, geerbte Kryptowährungen unterliegen der Erbschaftsteuer. Der Wert wird zum Todeszeitpunkt des Erblassers berechnet. Es gelten die ueblichen Freibeträge: 500.000 EUR für Ehepartner, 400.000 EUR für Kinder, 200.000 EUR für Enkel, 20.000 EUR für sonstige Erben. Liegt der Wert der geerbten Kryptowährungen unterhalb des Freibetrags, fällt keine Erbschaftsteuer an.
Uebernehme ich die Haltefrist des Verstorbenen?
Ja. Du übernimmst die Haltefrist des Erblassers (sog. Fußstapfentheorie, § 11d EStDV). Wenn der Verstorbene die Coins länger als ein Jahr gehalten hat, kannst du sie steuerfrei veräußern. Lag die Haltefrist unter einem Jahr, läuft sie für dich weiter. Dokumentiere das Kaufdatum des Erblassers sorgfältig.
Wie finde ich heraus, ob der Verstorbene Krypto besass?
Prüfe: 1) E-Mail-Postfach nach Registrierungs-Mails von Börsen (Bitvavo, Kraken, Coinbase etc.), 2) Bankauszuege nach Überweisungen an Krypto-Börsen, 3) Computer/Smartphone nach Wallet-Apps oder Browser-Bookmarks, 4) physische Unterlagen nach Seed-Phrase-Backups oder Hardware-Wallets, 5) Steuererklärungen nach Anlage SO (Sonstige Einkünfte).
Was passiert mit Krypto auf einer Börse, wenn der Inhaber stirbt?
Die meisten Börsen haben einen Prozess für Sterbefälle. Du brauchst in der Regel: den Erbschein (vom Nachlassgericht), eine beglaubigte Sterbeurkunde und einen Identitätsnachweis des Erben. Der Support der Börse leitet dann die Übertragung ein. Der Prozess dauert typischerweise 2-8 Wochen. Wichtig: Versuche nicht, dich mit den Zugangsdaten des Verstorbenen einzuloggen — das kann das Konto sperren.

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