Das Wichtigste in Kürze:
- Das globale Bankenregelwerk Basel III sieht eine extreme Risikogewichtung von 1.250 % für ungesicherte Krypto-Assets wie Bitcoin vor.
- Führungskräfte von Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz protestieren und fordern eine dringende Reform dieser Einstufung.
- Zum Vergleich: Private Equity, eine ebenfalls sehr riskante Anlageklasse, wird nur mit 400 % gewichtet.
- Diese Regelung würde bedeuten, dass Banken für jeden Euro in Bitcoin einen Euro Eigenkapital vorhalten müssten.
Führende Manager der Krypto-Branche schlagen Alarm: Die geplanten Eigenkapitalvorschriften des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS), bekannt als Basel III, könnten die institutionelle Adoption von Bitcoin massiv behindern. Im Zentrum der Kritik steht eine vorgeschlagene Risikogewichtung von 1.250 % für Krypto-Vermögenswerte.
Diese Einstufung macht es für traditionelle Banken wirtschaftlich nahezu unmöglich, Bitcoin (BTC) oder ähnliche Kryptowährungen direkt in ihren Bilanzen zu halten. Die Branche fordert daher eine Neubewertung, die sich stärker an realen Daten orientiert.
Branchenführer fordern dringende Reform der Bankenregeln
Gut zu wissen: Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) legt globale Standards für die Regulierung von Banken fest. Seine Empfehlungen sind zwar nicht rechtlich bindend, werden aber von den nationalen Aufsichtsbehörden wie der BaFin in der Regel in lokales Recht umgesetzt.
Die Kritik entzündet sich an den finalen Konsultationspapieren zu Basel III. Diese sehen vor, Krypto-Assets in zwei Gruppen einzuteilen, wobei Bitcoin und die meisten anderen Kryptowährungen in die restriktivere „Gruppe 2“ fallen.
Was bedeutet die 1.250%-Regel konkret?
Eine Risikogewichtung von 1.250 % ist eine äußerst konservative Maßnahme. Sie bedeutet, dass eine Bank für jeden Euro, den sie in Bitcoin investiert, einen vollen Euro an hartem Kernkapital (Tier-1-Kapital) als Sicherheit hinterlegen muss.
Im Wesentlichen wird der Vermögenswert damit auf null abgeschrieben, was jeglichen Anreiz für Banken eliminiert, solche Positionen aufzubauen. Diese Regelung macht es für regulierte Finanzinstitute unrentabel, Krypto-Dienstleistungen wie den Handel oder die Verwahrung direkt anzubieten.
Die Argumente der Kritiker
In einem offenen Brief argumentieren Führungskräfte, dass diese pauschale Einstufung die tatsächlichen Risiken von Bitcoin überzeichne. Sie fordern eine differenziertere Betrachtung, die auf empirischen Daten zur Volatilität und zu historischen Verlusten basiert.
„Die vorgeschlagene Behandlung von ‚Gruppe 2‘-Krypto-Assets ist nicht durch Daten gestützt und stellt einen erheblichen Rückschritt bei der Regulierung digitaler Vermögenswerte dar“, heißt es in dem Schreiben, das an den BCBS gerichtet ist. (Quelle)
Der Vergleich mit anderen Anlageklassen verdeutlicht die Diskrepanz. Hochriskante Private-Equity-Investments erhalten eine Risikogewichtung von 400 %, also weniger als ein Drittel der für Bitcoin vorgesehenen Last.
Warum das wichtig ist: Eine Bremse für die Krypto-Adaption
Die Basel-III-Regeln sind der globale Goldstandard für die Bankenregulierung. Eine derart prohibitive Einstufung von Bitcoin würde die Integration von Kryptowährungen in das traditionelle Finanzsystem auf Jahre hinaus ausbremsen.
Banken spielen eine zentrale Rolle für die Akzeptanz neuer Anlageklassen. Sie fungieren als Verwahrer, Market Maker und als vertrauenswürdiger Zugangspunkt für Millionen von Kunden, die nicht die technische Expertise für die Eigenverwahrung haben.
Wenn Banken von diesem Markt ausgeschlossen werden, verlagert sich die Aktivität zwangsläufig in weniger regulierte Bereiche. Dies könnte ironischerweise genau die systemischen Risiken erhöhen, die der Basler Ausschuss eigentlich minimieren will. Die Regeln unterscheiden dabei streng zwischen Vermögenswerten wie Bitcoin oder Ethereum (ETH) und zukünftigen, voll regulierten Stablecoins.
Egal wie die Regulierung sich entwickelt, ein lückenloser Nachweis deiner Krypto-Transaktionen ist entscheidend. Mit einem professionellen Steuertool behältst du den Überblick und bist für alle Fälle gerüstet.
CoinTracking jetzt testen (10% Rabatt)Einordnung: Eine regulatorische Schutzmauer statt Risikoanalyse
Die extreme Risikogewichtung von 1.250 % wirkt weniger wie eine datenbasierte Einschätzung und mehr wie eine regulatorische Schutzmauer. Sie soll das traditionelle Bankensystem vor der disruptiven Kraft von dezentralen Vermögenswerten wie Bitcoin abschirmen.
Anstatt einen Rahmen für eine sichere Integration zu schaffen, wird eine faktische Prohibition für Bankbilanzen errichtet. Dies schützt etablierte Geschäftsmodelle, bremst aber Innovation und den Wettbewerb.
Achtung: Diese Regelung betrifft vorerst nur die Bilanzen von Banken. Dein persönlicher Besitz von Kryptowährungen auf einer Börse oder in einem eigenen Wallet ist davon nicht direkt betroffen. Es beeinflusst jedoch massiv, welche Krypto-Dienstleistungen deine Hausbank künftig anbieten kann.
Diese Politik könnte dazu führen, dass Europa und andere Regionen, die sich an Basel III orientieren, im globalen Wettbewerb um die Vorherrschaft im Bereich digitaler Finanzen zurückfallen. Währenddessen könnten agilere Finanzzentren mit einer pragmatischeren Regulierung die Führung übernehmen.
Worauf du jetzt achten solltest
Die Entwicklungen rund um Basel III sind entscheidend für die Zukunft der Krypto-Industrie. Hier sind die wichtigsten Punkte, die du im Auge behalten solltest:
- Finale Umsetzung: Die aktuellen Vorschläge sind noch nicht in Stein gemeißelt. Achte auf die finalen Veröffentlichungen des BCBS und wie nationale Regulierer wie die BaFin diese in deutsches Recht umsetzen werden.
- Lobbyarbeit der Branche: Der Widerstand der Industrie formiert sich. Der Erfolg oder Misserfolg der Lobbyarbeit wird maßgeblich darüber entscheiden, ob die Regeln noch angepasst werden.
- Angebote von Krypto-Börsen: Da Banken gehemmt werden, könnten spezialisierte Anbieter wie die in unserer Krypto-Börsen im Vergleich Übersicht getesteten Plattformen ihre Rolle als primärer Zugangspunkt zum Markt weiter ausbauen.
- Bedeutung der Eigenverwahrung: Wenn Banken als Verwahrer ausfallen, gewinnt die sichere Selbstverwahrung weiter an Bedeutung. Die Nutzung einer Hardware Wallet, wie in unserem Hardware Wallet Vergleich analysiert, wird damit zur wichtigsten Kompetenz für Anleger.
Häufige Fragen zur Basel-III-Regulierung
Was ist die 1.250%-Risikogewichtung von Basel III?
Es ist eine Eigenkapitalvorschrift für Banken. Sie besagt, dass eine Bank für jeden Euro, den sie in einen hochriskanten Vermögenswert wie Bitcoin investiert, einen Euro eigenes Kapital vorhalten muss. Dies macht das Halten solcher Assets wirtschaftlich unrentabel.
Warum ist diese Regel so umstritten?
Kritiker argumentieren, dass die Gewichtung unverhältnismäßig hoch und nicht durch Daten gedeckt ist. Sie ist deutlich höher als bei anderen riskanten Anlagen wie Private Equity (400 %) und wird als absichtliche Barriere gesehen, um Banken vom Krypto-Markt fernzuhalten.
Betrifft mich diese Regel als privater Anleger direkt?
Nein, dein persönlicher Besitz von Kryptowährungen ist nicht direkt betroffen. Indirekt hat es aber große Auswirkungen, da es die Fähigkeit deiner Hausbank einschränkt, dir Krypto-Produkte und -Dienstleistungen anzubieten, was die allgemeine Marktintegration verlangsamt.




