Das Wichtigste in Kürze:
- Bundesbank-Präsident Joachim Nagel warnt vor einer "Dollarisierung" des europäischen Finanzsystems durch US-Dollar-Stablecoins.
- Er fordert die Entwicklung und Förderung von Euro-gestützten Stablecoins, um die Währungssouveränität Europas zu sichern.
- Ein Wholesale CBDC (digitaler Euro für Banken) soll parallel die Effizienz im Finanzsystem steigern und die Rolle des Euro stärken.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel schlägt Alarm: Er fordert eine europäische Offensive bei Stablecoins, um die wachsende Dominanz von US-Dollar-basierten Digitalwährungen abzuwehren und die globale Rolle des Euro im digitalen Zeitalter zu sichern.
Nagels Appell: Europas Antwort auf die Krypto-Dollarisierung
In einer Rede machte Joachim Nagel, Mitglied des EZB-Rats und Präsident der Deutschen Bundesbank, seine Position unmissverständlich klar. Der europäische Krypto-Markt dürfe nicht von ausländischen Währungen dominiert werden.
Diese Entwicklung bezeichnete er als eine potenzielle „Dollarisierung“ des Finanzsystems, die Europas monetäre Souveränität untergraben könnte.
Die Dominanz von Dollar-Stablecoins als Risiko
Derzeit wird der globale Stablecoin-Markt, mit einer Kapitalisierung von über 160 Milliarden US-Dollar, fast vollständig von an den US-Dollar gekoppelten Token wie Tether (USDT) und USD Coin (USDC) beherrscht. Ihr Marktanteil liegt bei über 90%.
Nagel argumentiert, dass diese Dominanz ein strategisches Risiko für Europa darstellt. Wenn Transaktionen und Finanzdienstleistungen im Krypto-Sektor primär in Dollar-Äquivalenten abgewickelt werden, verliert der Euro an Relevanz und die europäische Wirtschaft an Kontrolle.
Ein digitaler Euro in Form eines Wholesale CBDC und privat emittierte, aber robust regulierte Euro-Stablecoins könnten die internationale Rolle unserer Währung stärken.
Zwei-Säulen-Strategie für einen starken digitalen Euro
Nagels Lösungsansatz basiert auf zwei Säulen. Einerseits befürwortet er einen Wholesale CBDC, einen digitalen Euro, der ausschließlich für Transaktionen zwischen Geschäftsbanken und der Zentralbank genutzt wird.
Andererseits appelliert er an den Privatsektor, auf Basis der neuen MiCA-Regulierung sichere und liquide Euro-Stablecoins zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Diese sollen die Lücke für den alltäglichen Gebrauch und den Handel an Krypto-Börsen füllen.
Warum das wichtig ist
Nagels Vorstoß kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Mit dem Inkrafttreten der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) hat die EU den weltweit ersten umfassenden Regulierungsrahmen für Krypto-Assets geschaffen.
Dies gibt europäischen Unternehmen eine einzigartige Rechtssicherheit, um konforme Finanzprodukte wie Euro-Stablecoins zu entwickeln. Die Initiative der Bundesbank ist somit ein klarer Aufruf, diese Chance jetzt zu nutzen, bevor die US-Konkurrenz ihre Vormachtstellung zementiert.
Gut zu wissen: Die MiCA-Regulierung tritt in Phasen in Kraft. Die Regeln für Stablecoins (E-Money-Token) gelten bereits ab dem 30. Juni 2024, was den Vorstoß der Bundesbank besonders aktuell macht.
Währenddessen ist die Regulierung in den USA weiterhin fragmentiert, was Europa einen strategischen Vorteil verschafft. Die Frage ist, ob die europäischen Akteure schnell genug sind, um diesen Vorteil in Markanteile umzumünzen.
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Zum Krypto-Börsen-Vergleich 2026Einordnung: Geopolitischer Weckruf für Europa
Die Forderung der Bundesbank ist weit mehr als eine technische Debatte über digitale Währungen. Es ist ein geopolitischer Weckruf, der die Währungssouveränität Europas im 21. Jahrhundert sichern soll.
Die Kontrolle über die auf der Blockchain abgewickelten Finanzströme ist eine strategische Machtfrage. Wer die dominierenden Stablecoins stellt, kontrolliert die Schienen, auf denen ein Großteil der zukünftigen digitalen Wirtschaft laufen wird. Derzeit führen diese Schienen fast ausschließlich nach Washington.
Achtung: Trotz des regulatorischen Vorteils durch MiCA stehen Euro-Stablecoins vor einer großen Herausforderung. Sie müssen die enormen Netzwerkeffekte und die tiefe Liquidität von USDT und USDC überwinden, die in tausenden Handelspaaren wie Bitcoin (BTC)/USDT fest verankert sind.
Die Initiative zielt darauf ab, ein Gegengewicht zu schaffen und sicherzustellen, dass der Euro auch im Zeitalter von Ethereum (ETH) und dezentralen Finanzen (DeFi) eine globale Leitwährung bleibt. Die sichere Verwahrung solcher digitalen Assets in einem eigenen Wallet wird dabei für Nutzer immer wichtiger, wie unser Hardware Wallet Vergleich zeigt.
Worauf du jetzt achten solltest
Die Entwicklungen rund um den digitalen Euro und Stablecoins sind für Anleger und Nutzer von großer Bedeutung. Hier sind die wichtigsten Punkte, die du im Auge behalten solltest:
- Neue Euro-Stablecoin-Projekte: Achte auf Ankündigungen von Banken und Fintechs, die unter MiCA-Lizenz neue Euro-Stablecoins auf den Markt bringen. Bekannte Projekte wie EURC von Circle könnten an Bedeutung gewinnen.
- Integration bei Krypto-Börsen: Beobachte, ob große Handelsplattformen beginnen, verstärkt Handelspaare mit Euro-Stablecoins (z.B. BTC/EURC) anzubieten und zu bewerben. Dies ist ein entscheidender Faktor für die Adoption.
- Liquiditätsentwicklung: Verfolge das Handelsvolumen und die Marktkapitalisierung der neuen Euro-Token. Nur mit ausreichender Liquidität können sie eine echte Alternative zu Dollar-Coins werden.
- Fortschritte beim Wholesale CBDC: Die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zum digitalen Euro für Banken werden die Infrastruktur des gesamten Finanzsystems beeinflussen.
Diese Initiative könnte den europäischen Krypto-Markt nachhaltig verändern und dem Euro eine zentrale Rolle in der digitalen Ökonomie sichern. (Quelle)
Häufige Fragen zu Euro-Stablecoins
Was ist eine "Dollarisierung" im Krypto-Kontext?
Dollarisierung bedeutet, dass ein Großteil der Transaktionen und Ersparnisse in einer fremden Währung, hier dem US-Dollar über Stablecoins wie USDT oder USDC, stattfindet. Dies schwächt die heimische Währung und die Kontrolle der nationalen Zentralbank über die Geldpolitik.
Warum gibt es bisher so wenige erfolgreiche Euro-Stablecoins?
Bisher fehlte ein klarer, einheitlicher Rechtsrahmen wie MiCA, was die Entwicklung erschwerte. Zudem haben USD-Stablecoins durch ihre frühe Etablierung starke Netzwerkeffekte und eine hohe Liquidität aufgebaut, was den Wettbewerb für neue Euro-Token sehr schwierig macht.
Was ist der Unterschied zwischen einem Retail- und einem Wholesale-CBDC?
Ein Retail-CBDC wäre ein digitaler Euro für die breite Öffentlichkeit, also für Privatpersonen und Unternehmen. Ein Wholesale-CBDC, wie von der Bundesbank favorisiert, ist ein digitaler Euro, der nur für Transaktionen zwischen Geschäftsbanken und der Zentralbank verwendet wird, um das Interbanken-Zahlungssystem effizienter zu gestalten.





