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Ratgeber · Krypto Steuern

Margin Trading und Futures: die 20.000-Euro-Grenze ist weg

Die Regel, um die sich bei Krypto-Derivaten jahrelang alles drehte, gibt es seit dem Jahressteuergesetz 2024 nicht mehr. Was an ihre Stelle tritt, wo die Grenze zwischen § 23 und § 20 EStG verläuft und was beim Handel auf ausländischen Börsen an dir hängen bleibt.

Phil · CryptoTuts Gründer5 Fragen beantwortetAlle Steuer-Themen →
Derivate
§ 20 EStG
20.000-Grenze
gestrichen
Haltefrist
gibt es nicht

Wo die Grenze verläuft

Die wichtigste Frage bei gehebeltem Handel ist nicht der Hebel, sondern was du eigentlich hältst. Hältst du den Coin, gilt § 23 EStG mit Jahresfrist und Freigrenze. Hältst du einen Kontrakt auf den Coin, gilt § 20 EStG, und dort ist vieles anders.

  • § 23 EStG

    Spot mit Margin

    Wer geliehenes Kapital nutzt, um echte Coins zu kaufen, bleibt beim privaten Veräußerungsgeschäft. Jahresfrist und Freigrenze gelten, die Leihzinsen sind Werbungskosten.

  • § 20 EStG

    Futures und Perpetuals

    Hier hältst du keinen Coin, sondern einen Kontrakt. Das sind Termingeschäfte: Abgeltungsteuer statt persönlichem Satz, und keine Jahresfrist, nach der etwas steuerfrei würde.

  • § 20 EStG

    CFDs und Optionen

    Ebenfalls Termingeschäfte. Bei EU-Brokern wird teils schon einbehalten, bei Krypto-Börsen im Ausland nie. Was dort läuft, erklärst du selbst.

Der Unterschied ist größer, als der gemeinsame Bildschirm vermuten lässt. Beim Spot-Handel kann Geduld die Steuer auf null bringen; bei Derivaten gibt es diesen Hebel nicht, dort ist jeder Gewinn steuerpflichtig, egal wie lange die Position offen war. Wie ein Swap auf der Spot-Seite behandelt wird, steht auf der Swap-Seite.

Was sich bei der Verlustverrechnung geändert hat

Von 2021 bis einschließlich 2023 galt für Termingeschäfte ein eigener Verrechnungskreis mit einer Obergrenze von 20.000 Euro im Jahr. Das führte zu Ergebnissen, die kaum jemand nachvollziehen konnte: Wer 50.000 Euro Gewinn und 80.000 Euro Verlust realisiert hatte, versteuerte 30.000 Euro Gewinn, obwohl unterm Strich ein Minus stand.

  • Weg

    Die 20.000-Euro-Grenze

    Das Jahressteuergesetz 2024 hat § 20 Abs. 6 S. 5 und 6 EStG gestrichen. Der gesonderte Verrechnungskreis für Termingeschäfte und die Betragsgrenze gibt es nicht mehr.

  • Neu möglich

    Gegen alle Kapitalerträge

    Verluste aus Derivaten mindern jetzt auch Zinsen und Dividenden, nicht mehr nur Gewinne aus Termingeschäften. Vorgetragene Altverluste profitieren davon mit.

  • Bleibt

    Der Topf endet bei § 20

    Gegen Gehalt oder gegen Gewinne aus dem Spot-Handel nach § 23 EStG lässt sich weiterhin nichts verrechnen. Die Schranke des § 20 Abs. 6 S. 1 EStG steht unverändert.

Was das praktisch bedeutet: Vorgetragene Verluste aus Termingeschäften sitzen nicht mehr in ihrem eigenen Topf fest. Sie mindern jetzt auch Zinsen und Dividenden. Wer aus den Jahren mit der Grenze noch einen festgestellten Verlustvortrag mit sich herumträgt, sollte prüfen, was davon jetzt nutzbar ist.

Geblieben ist die allgemeine Schranke: Verluste aus Kapitalvermögen wirken nur gegen Einkünfte aus Kapitalvermögen. Ein Derivateverlust senkt weder die Steuer auf dein Gehalt noch einen Gewinn aus dem Verkauf von Bitcoin nach § 23 EStG. Die beiden Töpfe bleiben getrennt, auch wenn dieselbe Börse beides anbietet.

Steuersatz, Pauschbetrag und der fehlende Einbehalt

Gewinne aus Termingeschäften unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, zusammen rund 26,4 Prozent. Kommt Kirchensteuer dazu, mindert eine eigene Formel den Steuersatz, weil die Kirchensteuer dabei bereits als Sonderausgabe berücksichtigt wird; die schlichte Addition der Prozentsätze überzeichnet die Belastung.

Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro je Person, 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung, gilt auch hier. Er ist allerdings nur einmal da: Wer bereits Zinsen und Dividenden in dieser Größenordnung bezieht, hat ihn für die Derivate schon verbraucht.

Der Einbehalt fehlt fast immer. Eine deutsche Bank führt die Kapitalertragsteuer ab. Eine Krypto-Börse im Ausland tut das nicht. Damit ist nichts erledigt, sondern alles offen: Du erklärst die Erträge selbst über die Anlage KAP. Welche Anlage wofür zuständig ist, steht auf der Seite zur Steuererklärung.

Liquidation, Funding Rates und die Margin-Modi

Liquidation: Steuerlich ist sie eine gewöhnliche Schließung der Position, nur nicht von dir ausgelöst. Der Verlust ergibt sich aus Einstiegs- und Liquidationspreis und ist ein Verlust aus einem Termingeschäft wie jeder andere. Sichere den Nachweis der Börse zeitnah, denn genau diese Ereignisse fehlen später am ehesten in den Exporten.

Funding Rates: Bei Perpetuals wird alle paar Stunden zwischen Long- und Short-Seite ausgeglichen. Diese Zahlungen sind kein eigener Einkunftstyp, sondern Teil des Ergebnisses deines Termingeschäfts: Erhaltene erhöhen es, gezahlte mindern es. Achte darauf, dass dein Tool sie so zuordnet und nicht als sonstige Einkünfte führt, sonst landen sie im falschen Topf.

Cross oder Isolated: Auf die Besteuerung wirkt sich die Wahl nicht aus, auf die Nachvollziehbarkeit sehr wohl. Bei Isolated Margin ist jede Position ein abgegrenzter Vorgang. Bei Cross Margin hängen mehrere Positionen an demselben Guthaben, und die Zuordnung einzelner Verluste wird entsprechend mühsam.

Dokumentation bei hoher Frequenz

  • Je Trade

    Beide Enden der Position

    Eröffnung und Schließung mit Zeitpunkt und Preis, Richtung, Größe, Gebühren und Funding. Eine Liquidation ist dabei nur eine Schließung, die du nicht selbst ausgelöst hast.

  • Währung

    Alles läuft in USD

    Derivate sind in der Regel in USD oder USDT denominiert. Jedes Ergebnis ist zum Kurs des Schließungszeitpunkts in Euro umzurechnen, nicht zum Jahresmittel.

  • Zeitdruck

    Börsen archivieren nicht ewig

    Manche Handelshistorien reichen nur ein bis zwei Jahre zurück. Wer monatlich exportiert, hat die Daten; wer im Juli anfängt, hat sie unter Umständen nicht mehr.

Bei dreistelligen Trade-Zahlen im Monat entscheidet die Automatisierung darüber, ob am Ende gerechnet oder geschätzt wird. Wichtig ist dabei die saubere Trennung: Spot-Vorgänge gehören nach § 23 EStG in die Anlage SO, Derivate nach § 20 EStG in die Anlage KAP. Ein Tool, das beides in einen Topf wirft, produziert eine Zahl, die in keinem Formular richtig ist.

Und die Grenze zur Gewerblichkeit: Bei hauptberuflichem Handel, eigener Infrastruktur, Bots und Fremdkapital kann das Finanzamt gewerbliche Einkünfte annehmen. Dann gelten Anlage G und Gewerbesteuer, und die Systematik des § 20 EStG greift nicht mehr. Die Kriterien sind dieselben wie beim Mining und stehen auf der Mining-Seite.

FAQ

Häufige Fragen

Die häufigsten Fragen zum Thema, kurz beantwortet.

Gilt die 20.000-Euro-Grenze bei Termingeschäften noch?
Nein. § 20 Abs. 6 S. 5 und 6 EStG sind durch das Jahressteuergesetz 2024 gestrichen worden, anzuwenden auf alle offenen Fälle. Der gesonderte Verrechnungskreis für Termingeschäfte und die Betragsgrenze sind damit entfallen. Verluste aus Derivaten mindern seither alle Einkünfte aus Kapitalvermögen.
Kann ich Derivateverluste gegen Bitcoin-Gewinne verrechnen?
Nein. Verluste aus Kapitalvermögen wirken nur gegen Einkünfte aus Kapitalvermögen. Ein Gewinn aus dem Verkauf echter Coins ist ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG und liegt in einem anderen Topf. Daran hat die Streichung der 20.000-Euro-Grenze nichts geändert.
Wie werden Krypto-Futures und Perpetuals besteuert?
Als Termingeschäfte und damit als Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 EStG, mit Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag. Eine Haltefrist, nach der Gewinne steuerfrei würden, gibt es dort nicht. Auf ausländischen Börsen wird nichts einbehalten, du erklärst die Erträge selbst über die Anlage KAP.
Wie wird eine Liquidation steuerlich behandelt?
Wie eine reguläre Schließung der Position, nur mit Verlust. Der Verlust ergibt sich aus Einstiegs- und Liquidationspreis und ist ein Verlust aus einem Termingeschäft. Seit der Streichung der 20.000-Euro-Grenze ist er mit allen Kapitalerträgen verrechenbar.
Muss ich Funding Rates separat versteuern?
Nein. Sie sind Teil des Ergebnisses deines Termingeschäfts: erhaltene erhöhen den Gewinn, gezahlte mindern ihn. Eine separate Erfassung als sonstige Einkünfte wäre falsch. Achte darauf, dass dein Steuertool sie dem Derivat zuordnet und nicht als eigenen Ertrag führt.

Über den Autor

Phil, Gründer & Chefredakteur bei CryptoTuts

PhilGründer & Chefredakteur · seit 2017

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Phil ist Gründer von CryptoTuts.de und beschäftigt sich seit 2017 intensiv mit Bitcoin, XRP und der Technik dahinter. Er teilt sein Wissen, um Einsteigern und Fortgeschrittenen fundierte und praxisnahe Inhalte zu bieten: unabhängig, transparent und ohne leere Versprechen.

  • 8+ Jahre Krypto-Erfahrung
  • 200+ Artikel verfasst
  • Investiert in BTC und XRP seit 2017