Zum Inhalt springen

Ratgeber · Krypto Steuern

Krypto-Swaps versteuern: der Verkauf ohne Euro

Ein Swap fühlt sich an wie Umschichten, steuerlich ist er ein Verkauf. Wer nur die Euro-Auszahlungen betrachtet, übersieht damit die Mehrzahl seiner steuerpflichtigen Vorgänge. Wie gerechnet wird, was mit den Fristen passiert und wo es tatsächlich unklar ist.

Phil · CryptoTuts Gründer5 Fragen beantwortetAlle Steuer-Themen →
Rechtsgrundlage
§ 23 EStG
Erhaltene Coins
neue Jahresfrist
Stablecoin-Swap
zählt mit

Warum ein Tausch ein Verkauf ist

§ 23 EStG erfasst die Veräußerung eines Wirtschaftsguts, nicht die Auszahlung in Euro. Wer BTC gegen ETH tauscht, gibt das eine Wirtschaftsgut hin und erhält ein anderes. Damit liegt eine Veräußerung vor, und zugleich eine Anschaffung.

  • Klar

    Coin gegen Coin

    BTC gegen ETH, auf einer zentralen Börse oder auf einer DEX. Die Dezentralität ändert nichts: Es ist eine Veräußerung des einen und eine Anschaffung des anderen.

  • Auch klar

    Coin gegen Stablecoin

    Der Tausch in USDT oder USDC fühlt sich an wie Parken, ist aber derselbe Vorgang. Wer nur auf Euro-Auszahlungen schaut, übersieht hier den größten Teil seiner Verkäufe.

  • Ebenfalls

    Bezahlen mit Krypto

    Wer mit Coins eine Ware oder eine Dienstleistung bezahlt, gibt sie hin und veräußert sie damit. Auch das ist ein Verkauf zum Kurs dieses Moments.

Der Stablecoin-Fall ist der, der am häufigsten untergeht. Wer bei fallenden Kursen in USDT geht und später zurücktauscht, hat zwei Veräußerungen ausgelöst, ohne je eine Bank gesehen zu haben. Dass der Gegenwert stabil ist, ändert daran nichts.

So wird gerechnet

Der Veräußerungspreis ist der Euro-Gegenwert im Zeitpunkt des Tauschs, die Anschaffungskosten sind das, was die abgegebenen Coins ursprünglich gekostet haben. Die Differenz ist Gewinn oder Verlust.

Beispiel: Du hast einen Bitcoin für 30.000 Euro gekauft. Drei Monate später tauschst du ihn gegen 15 ETH, während Bitcoin bei 45.000 Euro steht. Du realisierst 15.000 Euro Gewinn, steuerpflichtig, weil die Jahresfrist nicht abgelaufen war. Die 15 ETH tragen ab jetzt Anschaffungskosten von 45.000 Euro, also 3.000 Euro je ETH.

Gebühren gehören dazu: Handels- und Gasgebühren mindern den Erlös oder erhöhen die Anschaffungskosten, je nachdem, welcher Seite des Vorgangs sie zuzuordnen sind. Maßgeblich ist der Kurs im Zeitpunkt der Ausführung, nicht der erwartete: Weicht der tatsächliche Kurs durch Slippage ab, zählt der tatsächliche.

Das funktioniert auch andersherum. Ein Tausch im Minus realisiert einen Verlust, der Gewinne aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften desselben Jahres mindert. Wie das wirkt, steht auf der Seite zur Verlustverrechnung.

Was mit den Haltefristen passiert

  • Abgegeben

    Frist endet hier

    War sie abgelaufen, ist der Gewinn steuerfrei, unabhängig von der Höhe. War sie es nicht, wird der Gewinn realisiert, obwohl kein Euro geflossen ist.

  • Erhalten

    Frist beginnt bei null

    Die eingetauschten Coins sind neu angeschafft. Ihr Anschaffungswert ist der Kurs im Tauschzeitpunkt, und ihre Jahresfrist läuft ab diesem Tag.

  • Vorher prüfen

    Ein Blick spart die Steuer

    Liegt der Kauf der abzugebenden Coins bereits über ein Jahr zurück, kostet der Swap nichts. Fehlen wenige Wochen, ist Warten die günstigste Entscheidung des Jahres.

Bleibt der Gewinn aus allen privaten Veräußerungsgeschäften des Jahres unter der Freigrenze, fällt trotz Steuerpflicht keine Steuer an. Steuerfrei ist er allerdings nur, solange er weniger als 1.000 Euro beträgt; bei genau diesem Betrag ist bereits alles zu versteuern. Details auf der Seite zu steuerfreien Verkäufen.

Welche Coins du überhaupt getauscht hast

Wer mehrfach gekauft hat, besitzt Coins mit unterschiedlichem Alter und unterschiedlichen Kosten. Welche davon in den Swap gehen, entscheidet die Verbrauchsfolge. Für die Haltefrist ist FIFO maßgeblich: die zuerst gekauften gelten als zuerst abgegeben.

Zwei Punkte werden dabei regelmäßig übersehen. Erstens betrachtet die Verwaltung das walletbezogen und je Handelsbezeichnung, nicht über alle Bestände hinweg. Zweitens ist für die Wertermittlung die Durchschnittsmethode vorgesehen, während FIFO dort nur vereinfachend unterstellt werden darf. Was das im Ergebnis ausmacht, rechnet die Seite zur Steuererklärung an einem Beispiel durch.

Was nicht in dieselbe Aufzählung gehört

Ein DEX-Trade ist eindeutig. Drei andere Vorgänge werden gern in derselben Liste geführt, obwohl sie es nicht sind:

Wrapping von ETH zu WETH ist nicht geregelt. Die vorsichtige Lesart behandelt es als Tausch, die wirtschaftliche als technische Umhüllung ohne Veräußerung.

Bridge-Transfers hängen davon ab, ob am Ende derselbe Token auf einer anderen Kette liegt oder ein davon verschiedenes Wrapped Asset.

Pool-Einzahlungen gegen LP-Token betreffen Liquidity Mining, und genau das klammert das BMF-Schreiben ausdrücklich aus.

Alle drei sind auf der DeFi-Seite ausführlich behandelt. Wichtig ist hier nur: Sie gehören nicht in dieselbe Zeile wie ein Coin-gegen-Coin-Tausch, und wer sie so behandelt, verwechselt eine vertretbare Auslegung mit einer Regel.

Was du festhalten musst

Je Swap: Zeitpunkt, beide Seiten mit Menge und Euro-Gegenwert, die Gebühren und die Plattform oder den Transaktions-Hash. Bei DEX-Trades gibt es keinen Kontoauszug, den du später anfordern könntest; was nicht aus der Kette rekonstruiert wird, fehlt.

Praktisch heißt das, die Wallet-Adressen samt Kette vollständig zu führen und die Auswertung nicht erst im Juli zu beginnen. Wie das Ergebnis ins Formular kommt, steht auf der Seite zur Anlage SO.

FAQ

Häufige Fragen

Die häufigsten Fragen zum Thema, kurz beantwortet.

Ist ein Tausch von BTC in ETH steuerpflichtig?
Ja. Steuerlich ist das eine Veräußerung der Bitcoin und eine Anschaffung der Ether. Liegt der Kauf der Bitcoin weniger als ein Jahr zurück, ist der Gewinn steuerpflichtig, sofern der Gesamtgewinn des Jahres aus privaten Veräußerungsgeschäften die Freigrenze erreicht.
Muss ich einen Tausch in Stablecoins versteuern?
Ja. Ein Tausch in USDT oder USDC ist dieselbe Veräußerung wie ein Tausch in einen anderen Coin. Dass der Gegenwert stabil ist, ändert nichts daran. Wer bei fallenden Kursen in Stablecoins geht und später zurücktauscht, hat zwei steuerlich relevante Vorgänge ausgelöst.
Was passiert mit der Haltefrist beim Swap?
Für die abgegebenen Coins endet sie: War die Jahresfrist abgelaufen, ist der Gewinn steuerfrei, sonst steuerpflichtig. Für die erhaltenen Coins beginnt eine neue Jahresfrist ab dem Tauschtag, mit dem Kurs dieses Tages als Anschaffungswert.
Sind DEX-Swaps anders zu behandeln als Trades auf einer Börse?
Steuerlich nicht. Der Unterschied liegt allein in der Dokumentation: Eine zentrale Börse liefert einen Export, bei einer DEX musst du die Vorgänge aus der Blockchain rekonstruieren, samt Gasgebühren und tatsächlichem Ausführungskurs.
Ist Wrapping von ETH zu WETH ein steuerpflichtiger Tausch?
Das ist nicht geklärt. Die vorsichtige Auslegung behandelt es als Tausch, die wirtschaftliche als bloße technische Umhüllung ohne Veräußerung. Entscheidend ist, dass du dich für eine Behandlung entscheidest, sie begründest und nicht zwischen Ein- und Ausstieg wechselst.

Über den Autor

Phil, Gründer & Chefredakteur bei CryptoTuts

PhilGründer & Chefredakteur · seit 2017

BitcoinXRPXRP LedgerKrypto-SteuernBörsen-VergleicheOn-Chain-Analyse

Phil ist Gründer von CryptoTuts.de und beschäftigt sich seit 2017 intensiv mit Bitcoin, XRP und der Technik dahinter. Er teilt sein Wissen, um Einsteigern und Fortgeschrittenen fundierte und praxisnahe Inhalte zu bieten: unabhängig, transparent und ohne leere Versprechen.

  • 8+ Jahre Krypto-Erfahrung
  • 200+ Artikel verfasst
  • Investiert in BTC und XRP seit 2017