Beim klassischen Staking sperrst du deine Coins – oft für Wochen oder Monate. Liquid Staking löst dieses Problem: Du stakest, bekommst aber einen liquiden Token zurück, den du jederzeit handeln oder in DeFi nutzen kannst.
Das bekannteste Beispiel: Lido. Du stakest Ethereum und erhältst stETH (Staked ETH). Dieser Token repräsentiert deine gestakten ETH plus aufgelaufene Staking-Rewards. Du kannst stETH verkaufen, als Sicherheit hinterlegen oder in DeFi-Protokollen nutzen – während deine ursprünglichen ETH weiter Rewards generieren.
Wie funktioniert Liquid Staking technisch?
Liquid-Staking-Protokolle bündeln die Coins vieler Nutzer. Lido sammelt ETH von Tausenden Nutzern und betreibt damit Validatoren. Die Staking-Rewards werden an alle Nutzer anteilig ausgeschüttet.
Dafür erhältst du einen Liquid-Staking-Token (LST). Dieser ist meist 1:1 zum gestakten Asset gepegged, aber handelbar. Bei Lido: 1 ETH = 1 stETH. Der Wert von stETH steigt durch Staking-Rewards leicht über 1 ETH (oder der Token wird rebased, sodass du mehr stETH erhältst).
Info: Liquid Staking unterscheidet sich von Staking-Pools. Bei einem Pool teilst du nur Rewards. Bei Liquid Staking bekommst du einen handelbaren Token, der zusätzliche Utility hat – z.B. als Collateral in DeFi-Protokollen wie Aave oder MakerDAO.
Hauptvorteile von Liquid Staking
Liquidität: Deine Coins sind nicht gesperrt. Du kannst den LST jederzeit auf einer DEX verkaufen, wenn du Cash brauchst – ohne die Staking-Position aufzulösen.
DeFi-Kompatibilität: Du nutzt stETH als Sicherheit für einen Kredit auf Aave. Oder du stellst stETH-ETH-Liquidität auf Uniswap bereit und verdienst zusätzliche Gebühren. So stackst du mehrere Yield-Quellen.
Niedrigere Einstiegshürden: Für Solo-Staking auf Ethereum brauchst du 32 ETH (~110.000 USD bei 3.400 USD/ETH). Mit Lido stakest du ab 0,01 ETH – Demokratisierung des Stakings.
Die größten Liquid-Staking-Protokolle
Lido dominiert mit über 30% aller gestakten ETH (28 Milliarden USD TVL). Rocket Pool ist dezentraler, aber kleiner (3 Milliarden USD). Frax und Coinbase bieten ebenfalls Liquid Staking an.
Auch für andere Chains gibt es Liquid Staking: Marinade für Solana, Acala für Polkadot, pStake für Cosmos. Das Prinzip ist überall gleich: Stake + bekomme liquiden Token.
Vorteile
Nachteile
- Smart-Contract-Risiko: Bugs könnten zu Verlusten führen
- De-Peg-Risiko: stETH kann temporär unter 1 ETH fallen (siehe 2022-Crash)
- Zentralisierungsrisiko: Lido kontrolliert 30%+ der ETH-Validatoren
- Protokoll-Gebühren: Lido nimmt 10% der Staking-Rewards als Gebühr
- Regulatorisches Risiko: Könnte als Securities-Offering eingestuft werden
Risiken beim Liquid Staking
Das größte Risiko: De-Pegging. Im Juni 2022 fiel stETH auf 0,93 ETH – Nutzer verloren 7% Wert. Grund war Panik: Viele wollten gleichzeitig verkaufen, die Liquidität reichte nicht.
Smart-Contract-Bugs sind ein weiteres Risiko. Wenn Lidos Smart Contracts gehackt werden, könnten 28 Milliarden USD verloren gehen. Audits minimieren das Risiko, eliminieren es aber nicht.
Zentralisierung ist ein oft übersehenes Problem. Wenn Lido 51% aller ETH-Validatoren kontrolliert, könnte das Protokoll theoretisch das Netzwerk manipulieren. Die Ethereum-Community diskutiert daher Selbstlimits für Liquid-Staking-Anbieter.
Wichtig: Liquid Staking ist nicht risikofrei. Investiere nur, was du verstehst und langfristig halten kannst. Im Worst Case verlierst du durch Hacks, De-Pegging oder Slashing einen Teil deiner gestakten Coins. Diversifikation über mehrere Protokolle senkt das Risiko.
Wie startest du mit Liquid Staking?
Am einfachsten: Ethereum kaufen auf einer Börse, in eine Wallet (MetaMask) senden, auf Lido.fi verbinden und ETH gegen stETH tauschen. Fertig – du verdienst Staking-Rewards (ca. 3-4% APY) und kannst stETH weiter nutzen.
Für fortgeschrittene Nutzer: Nutze stETH in DeFi. Hinterlege es auf Aave als Collateral, nimm einen Stablecoin-Kredit auf, investiere den Kredit weiter – so hebst du deine Rendite. Aber Vorsicht: Leverage erhöht auch das Risiko.
Mehr zum Thema passives Einkommen mit Krypto findest du in unserem Krypto-Wissen-Bereich.
