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Vier bis zwölf Jahre Haft nach knapp 16 Millionen Dollar Coinbase-Betrug
Laut Staatsanwaltschaft täuschte ein angeblicher Coinbase-Mitarbeiter etwa 100 Nutzer mit einer Hackerwarnung. So lief die Masche, und so erkennst du den falschen Support-Anruf.
Phil4 Min. Lesezeit

Richter Danny Chun vom Brooklyn Supreme Court hat Ronald Spektor am 23. September 2026 zu vier bis zwölf Jahren Haft verurteilt, wie die Staatsanwaltschaft Brooklyn am selben Tag mitteilte. Nach ihren Angaben hatte der 23-Jährige aus Sheepshead Bay in Brooklyn etwa 100 in den USA ansässige Coinbase-Nutzer um ungefähr 15.944.000 US-Dollar gebracht, also knapp 16 Millionen.
Für dich zählt der Weg, auf dem das Geld verschwand. Ein angeblicher Coinbase-Vertreter warnte die Nutzer vor einem Hacker, und sie übertrugen ihre Kryptowerte daraufhin selbst in eine Wallet, auf die Spektor Zugriff hatte. Die Staatsanwaltschaft beschreibt damit eine Täuschung der Kunden, und gegen genau diesen Ablauf gibt sie konkrete Tipps.
So lief die Masche: angeblicher Support, angeblicher Hacker, neue Wallet
Im Detail lief es so: Der angebliche Vertreter nahm Kontakt auf und warnte, ein Hacker habe es auf das Guthaben abgesehen. Die neue Wallet, in die die Nutzer ihre Kryptowerte daraufhin übertrugen, hielten sie für allein von ihnen kontrolliert. Zugriff darauf hatte Spektor.

Spektor arbeitete dabei mit Helfern: Über Online-Foren warb er weitere Personen als Social Engineers an und prahlte dort mit seinen Taten.
Eine Opferschilderung aus der Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom 19. Dezember 2025 zeigt, wie ein solcher Kontakt ablaufen kann. Ein Mann aus Pennsylvania erhielt im September 2024 mehrere gefälschte Zwei-Faktor-SMS, angeblich von Coinbase und Google. Unmittelbar danach rief ihn ein angeblicher Coinbase-Sicherheitsmitarbeiter an. Er verlor Kryptowerte im Wert von rund 53.150 US-Dollar.
Das ist ein Einzelfall aus dem Anklagestadium. Die Mitteilung zum Urteil nennt größere Schäden: Einige Geschädigte verloren jeweils eine Million US-Dollar oder mehr.
Die Zuordnung zu Spektor stützt die Staatsanwaltschaft auf Transaktionsdaten, Blockchain-Analysen, digitale Forensik und Beweise aus mehreren Durchsuchungen. Seine heimische IP-Adresse war mit mehreren Wallets verknüpft, aus denen Kryptowerte gestohlen wurden.
Das Urteil liegt unter der Forderung der Anklage
Bezirksstaatsanwalt Eric Gonzalez nennt die Tat einen dreisten, lang andauernden Social-Engineering-Betrug, der einem digitalen Raub an fast 100 Opfern gleichkomme:
„Today’s sentencing holds the defendant accountable for a brazen, long-running social engineering scam that amounted to a digital robbery of nearly 100 victims.“
Gemessen an der eigenen Forderung bekam die Anklage weniger. Sie hatte sieben bis 21 Jahre Haft verlangt, verhängt sind vier bis zwölf Jahre. Spektor hatte sich gegen eine zugesagte Strafe schuldig bekannt, über den Widerspruch der Staatsanwaltschaft hinweg.
Am 19. Dezember 2025 war Spektor vor Richter Danny Chun einer Anklage mit 31 Punkten vorgeführt worden (arraigned); damals ging es um Vorwürfe. Am 2. September 2026 bekannte er sich zu allen 31 Punkten schuldig, darunter Geldwäsche, schwerer Diebstahl (grand larceny) und Besitz gestohlenen Eigentums, jeweils ersten Grades. Damit steht seine Schuld fest.
Coinbase äußerte sich im Dezember 2025 in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft: Chefjurist Paul Grewal erklärte, das Unternehmen habe geholfen, Täter und Geschädigte zu identifizieren, Beweise geliefert und die Behörden bei der Rückverfolgung und Rückholung von Geldern unterstützt.
Wohin das Geld floss und was Geschädigte zurückbekommen könnten
Das Geld wusch Spektor in mehreren Schritten: Er tauschte die Werte mehrfach über verschiedene Kryptobörsen und schickte sie an Swapping- und Mixing-Dienste sowie an Krypto-Glücksspielanbieter.
Gebündelt wurden sie an sogenannten Cash-out-Points, wo sie getauscht, verwettet, in Bargeld umgewandelt oder für Geschenkkarten und digitale Vermögenswerte genutzt werden konnten. Große Teile gingen an Glücksspieldienste und verschiedene Online-Shops.
Die Mitteilung zum Urteil nennt zwei Anordnungen. Spektor wurde zu einer Rückerstattung (restitution) von knapp 16 Millionen US-Dollar verpflichtet, außerdem ist die Einziehung von Bargeld, Kryptowerten und persönlichem Eigentum im geschätzten Wert von mehr als einer halben Million US-Dollar angeordnet. Wie viel davon bei den Geschädigten ankommt, ist offen.
Woran du den falschen Support-Anruf erkennst
Die Staatsanwaltschaft gibt zum Urteil eine klare Regel mit: Coinbase und die meisten anderen Unternehmen rufen Kunden nie an und fordern nie dazu auf, Kryptowerte in eine „sichere Wallet“ zu übertragen. Genau diese Aufforderung, Werte in eine neue Wallet zu verschieben, war der Kern der Masche.
Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC bringt es in einem Verbraucherhinweis vom März 2024 auf einen Satz: Wer verlangt, dass du Geld verschiebst, um es zu schützen, ist ein Betrüger. Der Hinweis gilt allgemein für US-Verbraucher und nennt Bank-, Anlage- und Altersvorsorgekonten als Beispiele. Dazu kommen sechs Prüfschritte:
- Nimm dir Zeit: Betrüger setzen auf Dringlichkeit und Druck, also prüf unabhängig, frag andere und beweg Geld nur ohne Eile (Staatsanwaltschaft, September 2026).
- Behandle Anruferkennung, Absendernamen und ähnlich aussehende Domains als fälschbar (Staatsanwaltschaft, September 2026).
- Kontaktiere Coinbase und andere Anbieter nur über den Support in der App (Staatsanwaltschaft, Dezember 2025).
- Nutze Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Sicherheitsschlüssel, wo verfügbar; die Geschädigten in diesem Fall übertrugen ihre Werte allerdings selbst (Staatsanwaltschaft, Dezember 2025).
- Ruf im Zweifel selbst bei Bank oder Broker an, über die Nummer aus deinen eigenen Unterlagen statt über eine Nummer des Anrufers (FTC, März 2024).
- Gib Verifizierungscodes nie weiter; kein seriöser Anrufer fragt danach, auch nicht aus der Betrugsabteilung einer Bank (FTC, März 2024).
Die Linie für dich ist einfach: Verlangt jemand, dass du Kryptowerte zu ihrem Schutz verschiebst, beendest du den Kontakt und meldest dich selbst über die App bei deinem Anbieter. Offen ist, wie der Täter an die Kontaktdaten der Nutzer kam; Stellungnahmen von Spektors Verteidigung oder von Coinbase zum Urteil liegen bisher nicht vor. Weitere Muster und Gegenmittel findest du im Ratgeber zum Phishing-Schutz.
Quellen
- Staatsanwaltschaft Brooklyn: Pressemitteilung zum Urteil gegen Ronald Spektor (23.09.2026) · Brooklyn District Attorney's Office
- Staatsanwaltschaft Brooklyn: Pressemitteilung zur Anklage gegen Ronald Spektor (19.12.2025) · Brooklyn District Attorney's Office
- FTC Consumer Advice: Never move your money to „protect it.“ That's a scam (05.03.2024) · U.S. Federal Trade Commission



