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Analyse · Stablecoins

RLUSD, was ist das? Getrennte Reserven, aber nach Moody's kein direkter Anspruch für Halter

RLUSD gibt laut Ripple die NYDFS-beaufsichtigte Standard Custody aus, nicht Ripple. Trotz getrennter Reserven haben Halter laut Bloomingbit nach Moody's keinen direkten Anspruch darauf.

Phil5 Min. LesezeitAktualisiert 28.10.2026

Illustration: cyanfarbenes Netz mit leuchtendem Ring auf dunklem Grund
Illustration: CryptoTuts

Ripples Dollar-Stablecoin RLUSD muss nach Angaben des Unternehmens zu 100 Prozent gedeckt sein, die Reserven liegen auf getrennten Konten. Nach Moody's hast du als Halter laut Bloomingbit trotzdem keinen direkten Anspruch auf dieses Geld. Emittentin, also die Firma, die die Token ausgibt, ist laut Ripple die vom NYDFS beaufsichtigte Standard Custody & Trust Company und nicht Ripple selbst. Anlass sind Ratings, die Moody's laut Bloomingbit am 27. Oktober bekanntgegeben hat; für dieses Datum beruft sich Bloomingbit auf einen Bericht von The Defiant.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ripple nennt Standard Custody als Emittentin, nach Ripples Angaben vom NYDFS beaufsichtigt. Nach Angaben von Ripple muss RLUSD wegen der NYDFS-Aufsicht zu 100 Prozent gedeckt sein; die Reserven liegen laut Ripple auf getrennten Konten.
  • Einen direkten Anspruch auf die Reserven haben Halter nach Moody's laut Bloomingbit nicht. Laut Bloomingbit können registrierte Institute im Regelbetrieb den Nennwert binnen zwei Geschäftstagen nach Antrag erhalten, wenn sie die Rücknahmebedingungen erfüllen.
  • Das Monatstestat für September 2026 soll bis zum 30. Oktober 2026 vorliegen. Daran erkennst du als Erstes, ob Ripple seine Prüfzusage einhält.

Hinter RLUSD steht eine Treuhandfirma unter New Yorker Aufsicht

Auf der RLUSD-Transparenzseite nennt Ripple die Standard Custody & Trust Company, LLC als Emittentin. Ripple beschreibt die Firma als Limited Purpose Trust Company, also als Treuhandgesellschaft mit eng begrenzter Lizenz. Laut Ripple ist sie vom NYDFS, der Finanzaufsicht des Bundesstaats New York, zugelassen und wird von ihm beaufsichtigt.

Screenshot der Mitteilung von Ripple mit gelb markierter Passage: „Standard Custody, the issuer of RLUSD, is chartered and supervised by NYDFS as a limited purpose trust company“
Screenshot: Ripple, Mitteilung. Gelb markiert ist die Stelle, auf die sich der Artikel stützt. Zur Quelle

Aus dieser Aufsicht leitet Ripple eine feste Regel ab: RLUSD muss zu 100 Prozent mit hochliquiden, kurzlaufenden und transparenten Reserven gedeckt sein. Als Deckung nennt das Unternehmen US-Dollar und andere Zahlungsmitteläquivalente, also sehr kurzfristige, bargeldnahe Anlagen. Die Reserven liegen auf getrennten Konten (Stand: 28. Oktober 2026).

Der Bericht von Bloomingbit nennt Ripple als Herausgeber, Ripples eigene Seite dagegen Standard Custody als Emittentin. Wer fragt, was bei Problemen von Ripple mit seinen RLUSD geschieht, schaut deshalb zuerst auf diese Firma.

Getrennte Reserven, aber kein direkter Anspruch für dich

Getrennte Konten sind der Kern von Ripples Beschreibung der Deckung. Moody's geht laut Bloomingbit ebenfalls von Reserven aus, die vom Eigenvermögen der Emittentin getrennt sind. Einen direkten Eigentumsanspruch der Halter sieht die Agentur trotzdem nicht, also kein Recht, das hinterlegte Geld selbst herauszuverlangen.

Zahlenkarte zu RLUSD auf dunklem Grund: 100 Prozent Pflichtdeckung laut Ripple, zwei Geschäftstage Rücknahme für registrierte Institutionelle laut Bloomingbit, 30 Tage Frist für Monatstestate, S&P-Bewertung seit 12. Dezember 2023 mit USDC 2 und USDT 4.
Die Zahlenkarte stellt Ripples Angaben zu Deckung und Testaten, Bloomingbits Bericht zur Rücknahme und die S&P-Noten von 2023 gegenüber (Quellen: Ripple, Bloomingbit, S&P Global Ratings, Stand: 28. Oktober 2026).

Ein Vergleich macht den Unterschied greifbar. Nimm zwei Halter: ein registriertes Institut und dich mit RLUSD auf einer Börse. Hinter beiden steht dieselbe von Ripple genannte Pflicht zur Deckung von 100 Prozent. Das Institut kann laut Bloomingbit im Regelbetrieb binnen zwei Geschäftstagen nach Antrag den Nennwert erhalten, wenn es die Rücknahmebedingungen erfüllt.

Der Bericht beschreibt diesen Rücknahmeweg ausschließlich für registrierte Institute. Das hinterlegte Geld direkt herausverlangen kann nach Moody's keiner von euch beiden. Getrennte Konten und ein eigener Anspruch auf das Geld sind also zwei verschiedene Dinge, und umso mehr zählt, wie gut die Deckung kontrolliert wird.

Den Großteil der Reservewerte verwahrt laut Bloomingbit BNY. Den institutionellen Rahmen zeigt der Beitrag zur RLUSD-Verwahrung bei Standard Chartered. Mehr zur Zwei-Tage-Frist liest du im Beitrag zum Fed-Vorschlag zur Rücknahme von Stablecoins.

Jeden Monat soll ein Wirtschaftsprüfer die Deckungsangaben bestätigen

Die Angaben zur Deckung soll ein externer Prüfer bestätigen. Nach Ripples Angaben erstellt ein unabhängiger, in den USA zugelassener Wirtschaftsprüfer (CPA) jeden Monat ein Testat zum RLUSD-Umlauf und zur Zusammensetzung der Reserven. Ein Testat bestätigt Angaben des Managements und ist keine vollständige Abschlussprüfung. Bestellt ist die Prüfgesellschaft laut Ripple gemäß der NYDFS-Guidance zu dollargedeckten Stablecoins (vom 8. Juni 2022).

Die Berichte sollen spätestens 30 Tage nach Monatsende vorliegen. Für September 2026 heißt das: Das Testat ist bis zum 30. Oktober 2026 fällig.

Moody's stützt seine Ratings laut Bloomingbit auf drei Punkte:

  • das Verbrennen der Token vor der Auszahlung, also ihre endgültige Entnahme aus dem Umlauf,
  • eine tägliche Reserveprüfung,
  • monatliche unabhängige Testate.

Die monatlichen Testate beschreibt auch Ripple selbst. Die tägliche Prüfung taucht nur in der Aufzählung von Moody's auf.

S&P zeigt seit 2023, wie weit Urteile über Dollar-Stablecoins auseinanderliegen

Ratingagenturen bewerten Stablecoins schon länger. S&P Global Ratings führte am 12. Dezember 2023 eine Stabilitätsbewertung ein, mit einer Skala von 1 für sehr stark bis 5 für schwach.

Zum Start bewertete S&P acht Stablecoins mit Noten zwischen 2 (stark) und 5 (schwach). USDC erhielt eine 2, USDT eine 4, die S&P als eingeschränkt einstuft. Die beiden Dollar-Stablecoins lagen im Dezember 2023 damit zwei Stufen auseinander.

RLUSD war unter den 2023 bewerteten Stablecoins nicht dabei. Die S&P-Noten stammen aus einem anderen Verfahren einer anderen Agentur und zeigen vor allem, wie weit Urteile über Dollar-Stablecoins auseinanderliegen können. Eine Rangfolge mit RLUSD lässt sich daraus nicht bilden.

Woran du erkennst, ob sich die Lage für RLUSD ändert

Der einfachste Prüfschritt ist das Monatstestat auf der Transparenzseite von Ripple. Erscheint es innerhalb von 30 Tagen nach Monatsende, hält Ripple seine eigene Zusage ein.

Die zweite Beobachtungsgröße sind die Bedingungen, unter denen Moody's laut Bloomingbit eine Herabstufung für möglich hält:

  • schlechtere Qualität oder Deckung der Reserven,
  • eine geringere Rücknahmekapazität,
  • ein schwerer Betriebs- oder Cybervorfall.

Umgekehrt könnten nach Moody's stärkere rechtliche Schutzmechanismen eine Heraufstufung stützen. Beides formuliert die Agentur als Bedingung für die Zukunft.

Für XRP-Halter liegt die Verbindung im Netzwerk: Bloomingbit ordnet das Rating RLUSD auf dem XRP Ledger und auf Ethereum zu. Eine belegte Folge für XRP ergibt sich daraus nicht. Wie Ripple aus Sicht von XRP-Haltern dasteht, ordnet der Beitrag OKX und Ripple: was die Runde für XRP-Halter heißt ein; den EU-Rahmen für Stablecoins beschreibt der Beitrag zu ESMA und Stablecoin-Altbeständen.

Laut Bloomingbit gelten die Ratings dem Stablecoin RLUSD; die Originalmitteilung der Agentur liegt nicht vor (Stand: 28. Oktober 2026).

* Werbehinweis: Dieser Artikel enthält eine Partnerbox (Werbung). Bei einer Vermittlung kann CryptoTuts eine Provision erhalten; die Aussagen im Artikel bleiben davon unberührt. Mehr erfahren

Quellen

  1. Bloomingbit: Moody’s Assigns Ripple’s RLUSD A2 Long-Term, P-1 Short-Term Ratings · Bloomingbit
  2. Ripple: RLUSD Transparency Reports · Ripple
  3. S&P Global Ratings: Launches Stablecoin Stability Assessment (12.12.2023) · S&P Global Ratings

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Autor dieses Beitrags

Phil, Gründer & Chefredakteur bei CryptoTuts

Phil

Gründer & Chefredakteur · Krypto seit 2017

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Phil ist Gründer von CryptoTuts und beschäftigt sich seit 2017 mit Bitcoin, Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Er ordnet komplexe Themen verständlich, datenbasiert und ohne leere Versprechen ein.

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