Analyse · Kryptowährungen
Raiffeisen und Bitpanda: 18 Millionen mögliche Kunden, aber noch kein Starttermin
In Österreich kaufst du über Mein ELBA schon heute bei Bitpanda, für die RBI-Netzwerkbanken in Zentral- und Osteuropa fehlt laut Bitpanda ein bestätigter Termin.
Phil6 Min. Lesezeit

Wer bei der Raiffeisenlandesbank (RLB) NÖ-Wien oder bei Raiffeisen Salzburg Kunde ist, kauft Kryptowerte schon heute über die App Mein ELBA; gehandelt wird bei Bitpanda, bei der RLB NÖ-Wien liegen die Coins auch dort. Am 23. September 2026 hat Bitpanda in einem Bitpanda-Blogbeitrag einen Rahmen mit der Raiffeisen Bank International (RBI) vorgestellt und den möglichen Kundenstamm der RBI-Netzwerkbanken in Zentral- und Osteuropa auf bis zu rund 18 Millionen Menschen beziffert, ohne Stichtag und ohne Aufteilung nach Ländern. Für diese Banken fehlt ein bestätigter Starttermin.
Die 18 Millionen beschreiben also eine Reichweite, den Start entscheidet jede Bank für sich. Laut Bitpanda legt jede Netzwerkbank Angebot und Einführung nach den Markt- und Regulierungsanforderungen ihres Landes selbst fest, statt dass ein Produkt gleichzeitig in der ganzen Region startet. Für dich zählt deshalb vor allem, bei welcher Bank du Kunde bist und wer deine Coins verwahrt.
In Österreich kannst du schon heute über Mein ELBA kaufen
Die RLB NÖ-Wien bietet seit Januar 2024 über Mein ELBA Zugang zu Kryptowährungen über Bitpanda an, angekündigt in einer Presseaussendung der RLB NÖ-Wien vom 25. Januar 2024. Die Produktseite der RLB NÖ-Wien führt das Angebot mit Stand Juli 2026 weiter. Vorgestellt hat es damals Michael Höllerer als Generaldirektor der Bank, den Cointelegraph, Bitcoin Magazine und Blockhead heute als RBI-Chef bezeichnen, und die RLB NÖ-Wien nannte sich dabei selbst das erste traditionelle Kreditinstitut in der EU mit Zugang zu Kryptowährungen über Bitpanda.

Seit August 2026 bietet auch Raiffeisen Salzburg den Kryptohandel von Bitpanda in Mein ELBA an, wie die Bank in einer Mitteilung vom 21. September 2026 schreibt. Auch dort vermittelt die Bank den Zugang, gehandelt wird über Bitpanda.
Nach Angaben von Raiffeisen Salzburg stehen dir über die App mehr als 650 Kryptocoins und -tokens von Bitpanda offen.
Für den Zugang bei der RLB NÖ-Wien brauchst du mit Stand Juli 2026 ein Konto bei der Raiffeisenbank, einen Mein-ELBA-Zugang, einen gültigen Lichtbildausweis, ein Mindestalter von 18 Jahren und einen Wohnsitz in Österreich. Lebst du in Deutschland, ist das die entscheidende Bedingung: Das Angebot ist an einen Wohnsitz in Österreich gebunden. Bist du bei einer anderen österreichischen Raiffeisenbank, prüfst du am einfachsten in deiner Mein-ELBA-App, ob der Bitpanda-Zugang dort freigeschaltet ist.
Deine Coins liegen bei Bitpanda, die Bank vermittelt nur den Zugang
Wer über Mein ELBA der RLB NÖ-Wien kauft, wird Kunde von Bitpanda. Käufe und Verkäufe laufen laut Produktseite mit Stand Juli 2026 ausschließlich mit Bitpanda und innerhalb der Bitpanda-Struktur, dort werden die Kryptowerte auch gehalten.
Die Bank ist dabei Zugangsvermittler: Sie öffnet dir den Weg aus ihrer App, ist an den Kryptowerte-Dienstleistungen nicht beteiligt und haftet nicht für Leistungen von Bitpanda. Erbracht werden die Dienstleistungen von der Bitpanda GmbH in Wien, einem von der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA zugelassenen Anbieter. So ist das österreichische Angebot mit Stand Juli 2026 aufgebaut.
Die Zulassung stützt sich auf die MiCAR, die EU-Verordnung 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte. Nach ihrem Art. 63 hat die FMA der Bitpanda GmbH per Bescheid der FMA vom 9. April 2025 die Zulassung als Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen erteilt; sie umfasst unter anderem die Verwahrung und Verwaltung von Kryptowerten für Kunden. Damit ist geklärt, welche Aufsicht für deine Coins zuständig ist; über die Sicherheit deiner Anlage sagt die Zulassung nichts.
Auch die Bank verdient an dem Modell: Für ihre Zugangsdienste erhält die RLB NÖ-Wien ein Entgelt von Bitpanda. Wie sich die Verwahrfrage bei einer anderen Großbank stellt, liest du im Beitrag zur Frage, ob die Deutsche Bank bald Bitcoin für Privatkunden verwahrt. Was eine fehlende Zulassung für Kunden bedeutet, zeigt der Fall Binance ohne MiCA-Lizenz.
Die Gebühren prüfst du vor dem Kauf: Für den Handel mit digitalen Assets über Bitpanda in Mein ELBA fallen Gebühren an, die Produktseite zeigt sie erst vor jedem Trade an. Den Werbesatz „ohne extra Spesen“ auf derselben Seite liest du als Werbeaussage mit ungeklärtem Bezug; maßgeblich ist die Gebühr, die dir vor dem Trade angezeigt wird.
Bitpanda liefert die Technik, jede Netzwerkbank entscheidet selbst
Die Arbeitsteilung beschreibt Bitpanda so: Bitpanda Enterprise liefert im Rahmen der Partnerschaft die Infrastruktur für digitale Vermögenswerte. Die Netzwerkbanken, also die Banken der RBI-Gruppe in Zentral- und Osteuropa, können darauf eigene Kryptoangebote aufbauen.
RBI-Chef Michael Höllerer wird von Cointelegraph, Bitcoin Magazine und Blockhead mit der Aussage zitiert, die Bank sehe in ihren Märkten wachsende Nachfrage nach Kryptowerten und bediene sie mit einem starken, seriösen Partner. Das ist die Begründung der Bank für den Schritt, formuliert als Einschätzung.
Außerhalb Österreichs gibt es einen Plan, aber noch keinen bestätigten Termin
Der Bitpanda-Beitrag vom 23. September 2026 bleibt beim großen Bild: Er spricht von Österreich, von Zentral- und Osteuropa und von der EU, einzelne Länder, Kryptowerte und Starttermine nennt er nicht.
Konkreter wurde ein RBI-Sprecher gegenüber Cointelegraph: Die Pläne sähen vor, dass die breitere Einführung im ersten Halbjahr 2027 in Albanien, Tschechien und der Slowakei beginnt. Cointelegraph berichtet damit einen Plan, keine Zusage. Blockhead schrieb dagegen am 24. September, keines der beiden Unternehmen habe gesagt, welche Märkte zuerst kommen, welche Kryptowerte verfügbar sein werden oder wann Kunden Zugang erhalten.
Abgleichen lässt sich der Plan mit dem MiCA-Interimsregister der ESMA, der EU-Wertpapieraufsicht. Dort ist die Bitpanda GmbH mit einer Länderliste für ihre Kryptowerte-Dienstleistungen geführt, zuletzt aktualisiert am 18. April 2025; sie enthält unter anderem Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Polen, Rumänien, Kroatien, Slowenien und Bulgarien. Tschechien und die Slowakei stehen also darauf, Albanien fehlt; auf welcher Rechtsgrundlage ein Start dort erfolgen soll, ist offen.
Blockhead ordnet ein, dass mehrere RBI-Märkte, darunter Serbien und die Ukraine, außerhalb der EU und ihres MiCA-Regimes liegen und jede Tochterbank dort eigene lokale Regeln klären muss.
Die Größe des Netzes kennst du bisher aus Berichten: Blockhead schreibt der Mitteilung Tochterbanken der RBI in 11 Märkten in Zentral- und Osteuropa zu, Bitcoin Magazine nennt ebenfalls 11 Länder der Region. Gezählt sind Märkte mit Tochterbanken. Ob die russische Einheit der RBI vom Rahmen erfasst ist, lässt die Mitteilung nach Blockheads Darstellung offen.
Große Reichweite auf dem Papier, gemessen wird am ersten Start
Bitpanda hält es für möglich, dass daraus eine der bisher breitesten gruppenweiten Krypto-Einführungen einer traditionellen europäischen Bankengruppe wird. Das ist die Einschätzung einer beteiligten Partei, ohne Vergleichsmaßstab. Dagegen steht Bitpandas eigener Beitrag: Er beschreibt eine Infrastruktur, die Banken nutzen können, wenn die Zeit für ihren Markt reif ist, und bei den Netzwerkbanken hat die Einführung noch nicht begonnen.
Unterm Strich: Bitpanda liefert nach eigener Darstellung den RBI-Netzwerkbanken die Technik für eigene Kryptoangebote und beziffert deren möglichen Kundenstamm auf bis zu rund 18 Millionen Menschen. Wer bei der RLB NÖ-Wien oder bei Raiffeisen Salzburg Kunde ist, kauft über Mein ELBA schon heute, gehandelt wird bei Bitpanda. In den übrigen Märkten entscheidet die eigene Bank, ob und wann es losgeht.
Woran du erkennst, ob aus der Reichweite Kunden werden: an der ersten Netzwerkbank, die Land, Starttermin, Bedingungen, Dienstleister und Auswahl an Kryptowerten veröffentlicht. Land, Termin und Kryptowerte sind genau die Angaben, die der Bitpanda-Beitrag vom 23. September noch offenlässt. Stand: 24. September 2026.
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Quellen
- From Austria to CEE: RBI and Bitpanda Enterprise create a framework to scale digital asset access · Bitpanda
- Granting of Authorisation: Bitpanda GmbH · Finanzmarktaufsicht Österreich (FMA)
- Interim MiCA Register: Crypto-asset service providers (CASPS.csv) · ESMA
- RLB NÖ-Wien ermöglicht Veranlagung in Kryptowährungen und digitale Assets bei Bitpanda · Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG (OTS)
- Bitpanda über die Mein ELBA-App · Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien
- Einfacher Zugang zum Kryptohandel · Raiffeisenverband Salzburg (OTS)
- Raiffeisen to offer crypto trading across 11 European markets via Bitpanda · Cointelegraph
- Raiffeisen Bank International to Roll Out Bitcoin Services Across Europe in Expanded Bitpanda Deal · Bitcoin Magazine
- Raiffeisen Bank International to Offer Crypto to 18 Million CEE Customers Through Bitpanda · Blockhead



