Analyse · Regulierung
CFTC-Konsultation: Betrifft sie auch deinen normalen Coin-Kauf?
Die CFTC will Kryptohandel mit Hebel, Margin oder Finanzierung für Privatkunden regeln. Ein gewöhnlicher Kauf fällt nicht automatisch darunter, Decrypt liest den Text aber weiter.
Phil7 Min. LesezeitAktualisiert 6.10.2026

Die CFTC, die US-Aufsicht für Termin- und Rohstoffmärkte, hat am 5. Oktober 2026 eine Vorab-Konsultation zum Kryptohandel mit Privatkunden gestartet (Mitteilung der CFTC). Sie fragt öffentlich, wie Geschäfte mit Hebel, Margin oder Finanzierung geregelt werden sollen, bevor sie einen Regelentwurf schreibt; im US-Verfahren heißt dieser Schritt ANPRM. Für dich als Halter zählt vor allem, wohin deine Coins nach dem Kauf gehen: Landet ein Coin binnen 28 Tagen in einer externen, nicht verwahrten Wallet, gilt er nach dem Vorschlag von CFTC-Chef Selig in der Regel als geliefert; eine geltende Regel ist das noch nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die CFTC hat am 5. Oktober 2026 eine Vorab-Konsultation zu Regeln für Kryptohandel mit Hebel für Privatkunden gestartet.
- Wer gekaufte Coins binnen 28 Tagen in eine externe, nicht verwahrte Wallet zieht, erfüllt nach dem Vorschlag von CFTC-Chef Selig in der Regel die Lieferausnahme.
- Kommentare sind 60 Tage ab Erscheinen im Federal Register möglich; dieses Datum steht noch aus.
Gemeint ist Handel mit mehr Geld, als du einzahlst
Die Konsultation zielt auf Geschäfte, bei denen du mit mehr Geld handelst, als du einzahlst: gehebelt, auf Margin oder finanziert. Das Geld kann vom Anbieter kommen, von der Gegenpartei oder von jemandem, der mit ihnen abgestimmt handelt. Erfasst ist ein solches Geschäft schon, wenn es nur angeboten wird. Grundlage ist das US-Gesetz über den Warenterminhandel (Commodity Exchange Act, Abschnitt 2(c)(2)(D)).

Wie weit „finanziert“ reicht, deutet die CFTC in einer vorläufigen Auslegung an. Auch Kredite Dritter können darunter fallen, wenn der Anbieter oder die Gegenpartei sie billigt, bewirbt, an ihnen verdient, eine Plattform dafür betreibt oder sonst wesentlich mitwirkt.

Der ANPRM liegt bisher als von der Kommission gebilligte Fassung auf der CFTC-Website vor. Der nächste Schritt ist das Erscheinen im Federal Register, dem US-Amtsblatt; ab diesem Tag läuft die Kommentarfrist. Bis dahin sind am Wortlaut noch technische Korrekturen möglich.
Für dich als Halter heißt das: Die geplanten Regeln richten sich an Hebelgeschäfte, ein gewöhnlicher Kauf fällt nicht automatisch darunter. Ob er betroffen sein kann, hängt an einer Frage, die das Gesetz schon heute stellt: Wurde der Coin wirklich geliefert?
Entscheidend ist, ob dein Coin wirklich bei dir ankommt
Das Gesetz nimmt Verkäufe aus, die binnen 28 Tagen ab Geschäftsdatum zur tatsächlichen Lieferung führen. Die CFTC kann diesen Zeitraum per Regel verlängern. Die Frist steht schon heute im Gesetz und ist keine Haltefrist für dich.
Wie Lieferung bei Krypto aussieht, hatte die CFTC 2020 in einer Leitlinie für Kryptowerte beschrieben, die als Tauschmittel dienen. Zum 10. Dezember 2025 hat sie die Leitlinie zurückgezogen, weil sie sie für wahrscheinlich veraltet hielt. Die 28-Tage-Ausnahme im Gesetz gilt weiter.
Die alte Leitlinie im Federal Register zog die Grenze an der Übertragung: Als Lieferung zählte eine echte Übertragung binnen 28 Tagen, eine bloße Buchung des Anbieters reichte nicht. Das war der Stand von 2020; die neue Linie entsteht gerade.
Daran knüpft Selig an. In seiner Rede vom 5. Oktober 2026 schlug er vor, als Auslegung festzuschreiben: Die Lieferung in eine externe, nicht verwahrte Wallet des Nutzers binnen 28 Tagen erfüllt die Ausnahme in der Regel. Nicht verwahrt heißt, dass nur du den Schlüssel zu dieser Wallet hältst.
Für XRP-Halter kommt eine Einordnung hinzu, die ANPRM und Rede zitieren. Danach nannten CFTC und SEC, die US-Wertpapieraufsicht, im März 2026 in einer gemeinsamen Auslegung unter anderem Bitcoin, Ether, Solana, Stellar, Tezos und XRP als Beispiele für digitale Rohstoffe, also für Waren statt Wertpapiere. Das ist eine Auffassung beider Behörden, älter als die Konsultation und ohne Festlegung durch Gesetz oder Gericht.
Eine weitere Lesart liefert Decrypt. Der ANPRM erinnert daran, dass das Gesetz schon das bloße Angebot gehebelter Geschäfte erfasst, und kündigt eine eigene Erörterung vollständig bezahlter offener Geschäfte an. Decrypt liest das weit: Schon ein Hebelangebot könnte auch voll bezahlte Käufe erfassen, solange die Coins nicht in der eigenen Wallet des Kunden liegen.
Ein Beispiel zeigt, was davon abhängt. Du kaufst XRP bei einer US-Börse, die auch Hebel anbietet, bezahlst voll und lässt die Coins auf dem Börsenkonto liegen. Nach der weiten Lesart könnte selbst dieser Kauf unter die Regeln fallen. Ziehst du die Coins binnen 28 Tagen in eine externe, nicht verwahrte Wallet, wäre die Lieferausnahme nach Seligs Vorschlag in der Regel erfüllt.
Für Börsen mit Hebelangebot plant die CFTC ein eigenes Zulassungsmodell
Selig ordnet die Börsen in Stufen. Wer Privatkunden Kryptohandel mit Hebel, auf Margin oder finanziert anbietet, muss sich bei der CFTC registrieren. Anbieter, die nur solche Geschäfte im Programm haben, sollen wählen können: zwischen der Zulassung als DCM, also als registrierte Terminbörse, und dem geplanten CAM, einer Unterart nur für diese Geschäfte. Börsen mit Futures, Optionen oder Swaps bleiben im bisherigen DCM-Rahmen.
Das CAM ist bislang ein Vorschlag: Die CFTC bittet um Kommentare, wie sie diese Zulassung per Regelsetzung festschreiben kann. Für reine Spot-Börsen wäre sie keine Pflicht.
Zwischen Börse und Kunde soll ein Vermittler stehen. Der ANPRM erwägt, dass alle Geschäfte auf einem CAM über einen FCM laufen, einen zugelassenen Broker für Termingeschäfte. Für die Kundenseite gälten dann die Pflichten des Bank Secrecy Act, des US-Gesetzes gegen Geldwäsche: Prävention, Identitätsprüfung und Verdachtsmeldungen.
Auch der Hebel selbst bekäme Regeln. Ein FCM soll Privatkunden eines CAM Hebel nur unter eigenen Kundenschutzregeln anbieten dürfen, etwa zu Offenlegung, Anfangs- und Erhaltungsmargin und Liquidation. Liquidation heißt: Die Position wird zwangsweise geschlossen, wenn deine Sicherheit nicht mehr reicht.
Für Börsen, die das Vermögen vieler Kunden in Sammelkonten halten, erwägt der CAM-Vorschlag laut Selig eine Pflicht zum Proof of Reserves. Das ist ein Nachweis, dass die Kundenbestände wirklich vorhanden sind.
Hinzu kommt eine Prüfung der Produkte. Ein CAM müsste nachweisen, dass ein gelistetes Geschäft nicht leicht manipulierbar ist, und der ANPRM fragt nach Kriterien dafür. Die Listung prüft also die Manipulierbarkeit; ein Gütesiegel für den Token wäre sie nicht.
Die CFTC geht ohne den Kongress voran, so weit ihre Befugnisse reichen
Der Weg über die Behörde hat eine Vorgeschichte im Kongress. Der Entwurf H.R. 3633, der CLARITY Act, sah laut seiner amtlichen Zusammenfassung vor, dass die CFTC Geschäfte mit digitalen Rohstoffen grundsätzlich reguliert, einschließlich Börsen, Brokern und Händlern.
Laut Decrypt und Cointelegraph scheiterte der Entwurf im September 2026 im US-Senat, wenige Wochen vor dem 5. Oktober. Den Stand davor zeigt Der CLARITY Act hängt fest.
Laut Decrypt schickte die CFTC ihren Rahmen noch im September dem Weißen Haus zur Prüfung.
Selig zeigte sich enttäuscht, dass der Kongress den CLARITY Act nicht bis zum Präsidenten gebracht hat. Er kündigte an, die Marktstruktur mit den bestehenden Befugnissen der CFTC voranzubringen; die Behörde nennt den ANPRM den Beginn neuer Regelsetzungen. Die Grenze zieht Selig selbst: Eine Registrierungspflicht für alle Kryptobörsen kann nur der Kongress anordnen.
Parallel arbeitet die SEC an eigenen Regeln: Der ANPRM verweist auf ihren Vorschlag Regulation Crypto Assets vom August 2026. Die Konsultation der CFTC ist eine eigene Maßnahme, kein gemeinsames Paket beider Behörden.
Eine Unsicherheit betrifft die Kommission selbst: Laut Cointelegraph ist Selig derzeit ihr einziges Mitglied und zugleich Vorsitzender.
Woran du erkennst, ob aus der Konsultation eine Regel wird
Die CFTC hat am 5. Oktober 2026 eine Konsultation zum gehebelten Kryptohandel mit Privatkunden gestartet und noch keine Regel erlassen. Für Coins, die binnen 28 Tagen in einer externen, nicht verwahrten Wallet landen, sieht Seligs Vorschlag in der Regel die Lieferausnahme vor. Registrieren müssen sich laut Selig Anbieter, die Privatkunden Hebel, Margin oder Finanzierung anbieten; Broker-Pflicht und Kundenschutz erwägt die CFTC als Vorgaben für das CAM.
Die erste Beobachtungsgröße ist das Erscheinen im Federal Register. Ab diesem Tag laufen 60 Tage, in denen schriftliche Kommentare eingehen müssen; das Fristende steht erst mit diesem Datum fest.
Die zweite ist ein formeller Regelentwurf. An ihm lässt sich ablesen, ob die weite Lesart von Decrypt trägt. Offen ist bis dahin vor allem, wie die CFTC voll bezahlte Käufe behandelt, die auf dem Börsenkonto liegen bleiben. Stand: 6. Oktober 2026.
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Quellen
- CFTC Seeks Public Comment on Advanced Notice of Proposed Rulemaking Relating to Regulation Crypto Asset Transactions and Regulation Crypto Asset Markets (Pressemitteilung 9307-26) · CFTC
- Decrypt: CFTC-Plan für Kryptobörsen mit Hebelangebot · Decrypt
- Cointelegraph: CFTC schlägt Krypto-Rahmen nach gescheiterter CLARITY-Abstimmung vor · Cointelegraph
- ANPRM Regulation Crypto Asset Transactions und Regulation Crypto Asset Markets (gebilligte Fassung, PDF) · CFTC
- Federal Register 85 FR 37734: Retail Commodity Transactions Involving Certain Digital Assets (Leitlinie 2020) · Federal Register
- Federal Register 90 FR 58149: Withdrawal of Interpretive Guidance (Rücknahme 2025) · Federal Register
- Bill Status H.R. 3633, Digital Asset Market Clarity Act · U.S. Government Publishing Office
- CFTC Pressemitteilung 8139-20: Final Interpretive Guidance on Actual Delivery for Digital Assets · CFTC
- Selig: Remarks at the Fordham Law Blockchain Regulatory Symposium · CFTC
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