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Analyse · Krypto-Aktien

Coinbase-Aktie: 719 Millionen Dollar Gewinn, überwiegend Buchgewinn

Coinbase meldet 718,7 Mio. US-Dollar Nettogewinn für das dritte Quartal 2026, bereinigt bleiben 77,7 Mio. Die Differenz kommt aus der Bewertung eigener Krypto-Bestände.

Phil7 Min. LesezeitAktualisiert 30.10.2026

Ersatzszene: Ein hoher Stapel durchsichtiger Glasmünzen steht neben einem kleinen Stapel massiver Silbermünzen auf einer Waage. Sie zeigt, dass der Quartalsgewinn von Coinbase überwiegend Buchgewinn ist und der bereinigte Anteil klein bleibt.
Illustration: CryptoTuts, KI-generiert mit OpenAI GPT Image

Der Quartalsgewinn hinter der Coinbase-Aktie ist vor allem ein Buchgewinn. Coinbase meldete am 29. Oktober 2026 für das dritte Quartal 718,7 Mio. US-Dollar Nettogewinn, getragen von 715,0 Mio. US-Dollar Bewertungsgewinnen auf eigene Krypto-Bestände, gerechnet vor Steuern. Ohne diese Gewinne, die Beteiligungserträge und den Steuereffekt bleiben in Coinbases bereinigter Rechnung 77,7 Mio. US-Dollar. Für dich als Aktionär heißt das: Das Ergebnis schwankt mit den Kryptokursen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Coinbase meldet für das dritte Quartal 2026 einen Nettogewinn von 718,7 Mio. US-Dollar, bereinigt sind es 77,7 Mio. US-Dollar.
  • Coinbase rechnet den Hebel selbst vor: 50 Prozent Kursänderung hätten den Wert der Krypto-Bestände zum 30. September um rund 1,1 Mrd. US-Dollar verschoben.
  • Bis zum 25. Oktober 2026 kamen im vierten Quartal rund 165 Mio. US-Dollar Transaktionserlöse zusammen; ob der Handel anzieht, zeigt erst das ganze Quartal.

Von 718,7 Mio. Dollar Gewinn bleiben bereinigt 77,7 Mio.

Der GAAP-Nettogewinn ist der Gewinn nach den US-Bilanzregeln. Im dritten Quartal (Juli bis September 2026) lag er bei 718,7 Mio. US-Dollar, verwässert 2,51 US-Dollar je Aktie. Ein Jahr zuvor waren es 432,6 Mio. US-Dollar, im zweiten Quartal 2026 stand ein Nettoverlust von 359,5 Mio. US-Dollar. Die Zahlen sind ungeprüft und stehen im Quartalsbericht von Coinbase (Form 10-Q).

Zahlenkarte zu Coinbase im dritten Quartal 2026: GAAP-Nettogewinn 718,7 Mio. US-Dollar, Krypto-Bewertungsgewinne 715,0 Mio. US-Dollar, bereinigter Nettogewinn 77,7 Mio. US-Dollar, Transaktionserlöse 43,6 Prozent unter Vorjahr, Neunmonatsverlust 34,9 Mio. US-Dollar.
Coinbase wies im dritten Quartal 2026 718,7 Mio. US-Dollar Nettogewinn aus, bereinigt blieben 77,7 Mio. US-Dollar (Quelle: Mitteilungen von Coinbase vom 29. Oktober 2026, Stand: 30. Oktober 2026).

Der weitaus größte Teil des Vorsteuergewinns kommt aus einem Posten unterhalb des operativen Geschäfts. Auf Krypto-Bestände, die Coinbase als Investition hält, verbuchte das Unternehmen netto 715,0 Mio. US-Dollar Gewinn. Das sind 86,8 Prozent des Ergebnisses vor Steuern von 823,9 Mio. US-Dollar.

Der bereinigte Nettogewinn ist Coinbases eigene Kennzahl (Non-GAAP). Er zieht Krypto-Bewertungsgewinne und Beteiligungsgewinne ab und gleicht den Steuereffekt aus. Im dritten Quartal kam er auf 77,7 Mio. US-Dollar, nach minus 104,9 Mio. im Vorquartal und 420,7 Mio. US-Dollar ein Jahr zuvor. Die Definition legt Coinbase selbst fest, die Zahl gilt also nur im Rahmen dieses Unternehmens.

Die Rechnung kannst du selbst nachvollziehen, die Quartalspräsentation von Coinbase liefert alle Posten: 718,7 Mio. US-Dollar Nettogewinn, minus 715,0 Mio. Krypto-Gewinne, minus 39,2 Mio. Beteiligungsgewinne, plus 113,3 Mio. Steuereffekt. Das ergibt 77,8 Mio. US-Dollar; die 0,1 Mio. Abstand zu Coinbases 77,7 Mio. stammen aus der Rundung. Der Steuereffekt gehört dazu, weil die 715,0 Mio. vor Steuern stehen, der Nettogewinn aber danach.

Das Gegenstück liefert das zweite Quartal 2026. Damals verbuchte Coinbase netto 209,5 Mio. US-Dollar Verluste auf dieselben Bestände, der Nettoverlust lag bei 359,5 Mio. US-Dollar (Quartalspräsentation Q2 2026). Derselbe Posten, der jetzt den Gewinn trägt, hat drei Monate zuvor das Ergebnis belastet.

Eine Bilanzregel bringt Kursgewinne direkt in den Gewinn

Fair Value heißt: Ein Bestand steht zum aktuellen Marktwert in der Bilanz, und jede Wertänderung landet im Nettoergebnis. Das schreibt der US-Bilanzstandard ASU 2023-08 des FASB für Krypto-Assets in seinem Anwendungsbereich vor, gültig für Geschäftsjahre, die nach dem 15. Dezember 2024 beginnen. Ein Bewertungsgewinn steht damit im Gewinn, ohne dass dafür Geld geflossen sein muss.

Wie stark das wirkt, zeigt die Bilanz. Die Krypto-Investmentbestände stiegen von 1.468,4 Mio. US-Dollar am 30. Juni auf 2.224,8 Mio. US-Dollar am 30. September 2026. Von den 756,4 Mio. US-Dollar Anstieg entfallen nach eigener Überleitung 715,0 Mio. auf die Neubewertung und netto rund 42 Mio. auf Käufe abzüglich Abgängen.

Für Aktionäre zählt vor allem der Hebel. Coinbase rechnet im Quartalsbericht vor: Eine Kursänderung von 50 Prozent zum 30. September 2026 hätte den Wert dieser Bestände um rund 1,1 Mrd. US-Dollar verschoben, nach oben wie nach unten. Diese Änderung käme im Ergebnis an. Die Modellrechnung zum Stichtag zeigt die Größenordnung, mit der Kursbewegungen auf den Gewinn durchschlagen.

Coinbase rechnet diese Gewinne aus seinen bereinigten Kennzahlen heraus. Die Begründung: Die Krypto-Investments würden überwiegend langfristig gehalten, regelmäßiger Handel sei nicht geplant, und sie gehörten nicht zur umsatzerzeugenden Tätigkeit. Die Veränderung gegenüber 2025 führt Coinbase vor allem auf die Neubewertung zurück, hauptsächlich bei Bitcoin und Ethereum. Wie sich die 715,0 Mio. US-Dollar auf einzelne Coins verteilen, hat Coinbase nicht aufgeschlüsselt.

Das Handelsgeschäft schrumpft: Transaktionserlöse 43,6 Prozent unter Vorjahr

Transaktionserlöse sind die Gebühren und Erlöse, die Coinbase am Handel seiner Kunden verdient. Im dritten Quartal 2026 lagen sie bei 590,2 Mio. US-Dollar, 43,6 Prozent unter dem Vorjahresquartal mit 1.046,3 Mio. US-Dollar. Zum Vorquartal (599,2 Mio.) weist Coinbase ein Minus von 1 Prozent aus, nachgerechnet sind es rund 1,5 Prozent.

Der Gesamtumsatz kam auf 1.215,6 Mio. US-Dollar, 34,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor (1.868,7 Mio.) und 0,4 Prozent weniger als im Vorquartal (1.220,1 Mio.). Das Geschäft hat sich damit auf dem niedrigen Niveau des Vorquartals eingependelt.

Weniger Nutzer handeln, und sie bewegen weniger Volumen. MTUs, also monatlich handelnde Nutzer im Quartalsdurchschnitt, sanken von 9,3 Mio. ein Jahr zuvor auf 7,4 Mio., ein Minus von 20,4 Prozent; als Hauptgrund nennt Coinbase weniger handelnde Nutzer infolge der Marktlage. Das Krypto-Spotvolumen fiel auf 134,5 Mrd. US-Dollar, nach 146,4 Mrd. im Vorquartal und 294,3 Mrd. ein Jahr zuvor. Zum Vorjahr ist das ein Minus von 54,3 Prozent.

Das Spotvolumen der Privatkunden sank auf 23,4 Mrd. US-Dollar, minus 9,3 Prozent zum Vorquartal und minus 59,2 Prozent zum Vorjahr. Die Transaktionserlöse mit Privatkunden hielten sich mit rund 450 Mio. US-Dollar etwa auf Vorquartalsniveau, was Coinbase dem Wachstum der Prognosemärkte zuschreibt. Institutionelle Kunden handelten 111,1 Mrd. US-Dollar Spotvolumen (minus 7,9 Prozent zum Vorquartal) und brachten 92 Mio. US-Dollar Transaktionserlöse, 8 Prozent weniger.

Coinbase beschreibt das Quartal als schwach für den ganzen Markt. Zum Vorquartal sanken Spotvolumen (minus 6 Prozent) und Derivatevolumen (minus 11 Prozent), die intern gemessene Volatilität fiel um 15 Prozent auf ein Mehrjahrestief. Zugleich lag die Krypto-Marktkapitalisierung zum Quartalsende 37 Prozent höher: Der Marktwert wuchs, der Handel schrumpfte.

Stablecoins tragen inzwischen mehr als die Hälfte der Serviceerlöse

Die stärkste Gegenposition zur Buchgewinn-Lesart liefern Erlöse jenseits des Handels. Abonnement- und Serviceerlöse kamen im dritten Quartal auf 570,2 Mio. US-Dollar, 49,1 Prozent des Nettoumsatzes von 1.160,5 Mio. US-Dollar. Zum Vorquartal sind das 3 Prozent mehr, zum Vorjahresquartal 20 Prozent weniger.

Den größten Teil davon tragen Stablecoins. Die Stablecoin-Erlöse stiegen um 5 Prozent zum Vorquartal auf 307 Mio. US-Dollar, rund 54 Prozent der Abonnement- und Serviceerlöse. Coinbase nennt höhere USDC-Bestände in eigenen Produkten und höhere Zinsen als Gründe. Damit hängt dieser Posten am Zinsniveau.

Im laufenden Geschäft bleiben 61,7 Mio. Dollar, ein Teil davon aus Sonderposten

Das Betriebsergebnis ist der Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Zinsen, Finanzanlagen und Steuern. Es drehte im dritten Quartal ins Plus und lag bei 61,7 Mio. US-Dollar, nach minus 113,5 Mio. im Vorquartal und 480,5 Mio. ein Jahr zuvor. Darin stecken 26,1 Mio. Gewinne auf betrieblich genutzte Krypto-Bestände, 4,6 Mio. aus der Auflösung einer Restrukturierungsrückstellung und 18,7 Mio. US-Dollar sonstige betriebliche Erträge. Ein Teil des Plus stammt also aus Sonderposten.

Das bereinigte EBITDA klammert bei Coinbase Zinsen, Steuern, Abschreibungen, aktienbasierte Vergütung und Krypto-Investmentgewinne aus und stieg auf 332,9 Mio. US-Dollar, plus 60,2 Prozent zum Vorquartal und minus 58 Prozent zum Vorjahr. Was davon als Gewinn bleibt, zeigt der bereinigte Nettogewinn von 77,7 Mio. US-Dollar.

Prognosemärkte, auf denen Nutzer auf den Ausgang von Ereignissen setzen, erreichten nach Coinbase-Angabe mehr als 200 Mio. US-Dollar annualisierten Nettoumsatz, also einen aufs Jahr hochgerechneten Quartalswert.

Ein Risiko liegt in der Kundenstruktur: Auf einen im Quartalsbericht nicht benannten Vertragspartner entfielen im dritten Quartal 27 Prozent des Gesamtumsatzes, nach 19 Prozent ein Jahr zuvor.


Ob sich das Geschäft erholt, zeigen zuerst die Transaktionserlöse im vierten Quartal. Bis zum 25. Oktober 2026 beziffert Coinbase sie auf rund 165 Mio. US-Dollar. Coinbase warnt selbst davor, diesen Teilwert aufs ganze Quartal hochzurechnen; aussagekräftig wird erst die Quartalszahl.

Der zweite Blick gilt dem ganzen Jahr. Von Januar bis September 2026 steht trotz des starken dritten Quartals ein GAAP-Nettoverlust von 34,9 Mio. US-Dollar. Die Krypto-Investmentgewinne summieren sich im selben Zeitraum auf netto 23,2 Mio. US-Dollar, weil die Verluste aus dem ersten und zweiten Quartal den Gewinn aus dem dritten weitgehend aufzehren.

Auch die Steuer half. Die effektive Steuerquote lag bei 12,8 Prozent (105,2 von 823,9 Mio. US-Dollar) und damit unter dem US-Regelsatz von 21 Prozent. Gründe sind vor allem die Auflösung einer Wertberichtigung auf Kapitalverluste und ein einmaliger Effekt aus einer abgeschlossenen Betriebsprüfung. Wie groß dieser Einmaleffekt ist, hat Coinbase nicht beziffert; lies die Quote deshalb als Ausnahmewert.

Unterm Strich hat Coinbase im dritten Quartal 718,7 Mio. US-Dollar Gewinn ausgewiesen, bereinigt aber 77,7 Mio. US-Dollar verdient. Den Unterschied macht vor allem die Neubewertung der als Investition gehaltenen Krypto-Bestände; die bereinigte Rechnung zieht zusätzlich die Beteiligungsgewinne ab und gleicht den Steuereffekt aus. Nach Coinbases Rechnung hätte eine hypothetische Kursänderung von 50 Prozent zum 30. September 2026 den Wert dieser Bestände um rund 1,1 Mrd. US-Dollar verändert. Wie gut das Geschäft hinter der Coinbase-Aktie läuft, liest du an Transaktionserlösen, Stablecoin-Erlösen und dem bereinigten Nettogewinn ab.

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Quellen

  1. Q3'26 Earnings Presentation (Form 8-K, Anlage 99.1) · Coinbase Global, Inc. (SEC EDGAR)
  2. Form 10-Q für das Quartal zum 30.09.2026 · Coinbase Global, Inc. (SEC EDGAR)
  3. Q2'26 Earnings Presentation (Form 8-K, Anlage 99.1) · Coinbase Global, Inc. (SEC EDGAR)
  4. Accounting Standards Update 2023-08, Crypto Assets (Subtopic 350-60) · Financial Accounting Standards Board (FASB)

Autor dieses Beitrags

Phil, Gründer & Chefredakteur bei CryptoTuts

Phil

Gründer & Chefredakteur · Krypto seit 2017

Verifiziert

Phil ist Gründer von CryptoTuts und beschäftigt sich seit 2017 mit Bitcoin, Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Er ordnet komplexe Themen verständlich, datenbasiert und ohne leere Versprechen ein.

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