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Bedroht die japanische Zinserhöhung die Yen-finanzierten Bitcoin-Positionen?
CoinDesk hält die Sorge für übertrieben: Der Zinsabstand zu den USA bleibt nach der Erhöhung auf 1,25 Prozent groß, andere Beobachter widersprechen dennoch.
Phil4 Min. Lesezeit

Die Bank of Japan hält den unbesicherten Tagesgeldsatz künftig bei rund 1,25 Prozent. Der Rat der Notenbank beschloss das am 18. September 2026 mit sieben zu zwei Stimmen, nachzulesen in der Mitteilung der Bank of Japan zur Geldmarktsteuerung. Der Wert ist eine Zielgröße für den Geldmarkt und gilt für den Zeitraum bis zur nächsten geldpolitischen Sitzung. Für deine Position zählt daran weniger der Zinsschritt selbst als der Abstand zu den amerikanischen Zinsen.
Zur anderen Seite dieses Abstands: CoinDesk beziffert die Zielspanne der Federal Reserve nach einem Schritt um 25 Basispunkte Anfang der Woche auf 3,75 bis 4,00 Prozent, das Handelsblatt datiert diesen Schritt auf Mittwoch. Beide Angaben stammen aus diesen Berichten, nicht aus einer Mitteilung der Fed.
Daran hängt die Frage, die Anleger seit Längerem umtreibt: Beobachter fürchten, eine Auflösung der in Yen finanzierten Positionen könnte die Märkte insgesamt nach unten ziehen. CoinDesk hält diese Befürchtung für überzogen, weil die japanischen Zinsen auch nach dem Schritt weit unter den amerikanischen lägen und der Renditeabstand groß bleibe.
Was der Bitcoin-Kurs am Entscheidungstag zeigt
CoinDesk nennt für die Zeit nach der Zinsentscheidung einen in US-Dollar notierten Bitcoin-Preis von 77.400 US-Dollar, ausgehend von einem nächtlichen Tief bei 76.200 US-Dollar, gestützt auf eigene Daten. Die Angabe bezieht sich auf den Zeitpunkt der Berichterstattung.

Die öffentlichen Marktdaten der Börse Kraken stützen die Größenordnung: Für den 18. September 2026 stehen dort ein Hoch von 77.596,40 US-Dollar, ein Tief von 76.231,00 US-Dollar und ein zuletzt gehandelter Kurs von 77.442,20 US-Dollar (Stand: 18. September 2026, 05:23 UTC). Der Handelstag lief zu diesem Zeitpunkt noch, der Wert ist damit ein Zwischenstand.
Die Abfolge von Beschluss und Kursanstieg belegt die Bewegung, nicht ihre Ursache. Wie weit Kapitalfluss und Kurs auseinanderlaufen können, zeigt der Rückblick auf 462,7 Millionen US-Dollar Abfluss aus Bitcoin-ETFs in vier Handelstagen.
Ab dem 24. September 2026 gilt der neue Zielwert
Wirksam wird die neue Richtlinie für die Geldmarktsteuerung am 24. September 2026. Zwischen Beschluss und Geltung liegen also noch einige Tage.
Wie groß der Schritt ausfällt, steht in den Berichten: Das Handelsblatt schreibt, der Schlüsselsatz steige von einem Prozent auf 1,25 Prozent, CoinDesk und CNBC sprechen von einem Schritt um 25 Basispunkte auf dieses Niveau. Die Mitteilung selbst nennt allein den neuen Zielwert.
Für CNBC ist das der höchste Stand seit 1995, CoinDesk spricht vom höchsten Niveau seit 31 Jahren. Beide Einordnungen meinen denselben Zeitraum und stammen aus diesen zwei Redaktionen.
Warum erhöht wird, obwohl die Gesamtrate bei 1,9 Prozent liegt
Die Notenbank begründet den Schritt mit einem Risiko: Die zugrunde liegende Verbraucherpreisinflation könnte über das Preisstabilitätsziel von zwei Prozent hinaus nach oben abweichen. Deshalb hält sie es für angemessen, den Grad der geldpolitischen Lockerung anzupassen.
Erreicht ist dieses Ziel zum Zeitpunkt des Beschlusses noch nicht. CNBC beziffert die Gesamtinflationsrate für August 2026 auf 1,9 Prozent und damit knapp unter der Marke von zwei Prozent.
Den Beschluss trägt deshalb der Blick nach vorn. Für die zweite Hälfte des Fiskaljahres 2026 erwartet die Notenbank, dass der Verbraucherpreisindex ohne frische Lebensmittel deutlich über zwei Prozent steigt. Im weiteren Verlauf des Projektionszeitraums rechnet sie wieder mit einem Rückgang auf rund zwei Prozent.
Zwei Gegenstimmen und ein Widerspruch zum Preisausblick
Gegen den Beschluss stimmten Asada Toichiro und Sato Ayano. Asada verwies auf den zuletzt unter zwei Prozent liegenden Anstieg des Verbraucherpreisindex ohne frische Lebensmittel und auf eine möglicherweise nicht starke Wirtschaftslage. Sato argumentierte, Wirtschafts- und Preisentwicklung hätten sich nicht wesentlich beschleunigt.
Ein zweiter Konflikt läuft in die Gegenrichtung. Takata Hajime und Tamura Naoki trugen den Zinsschritt mit, widersprachen aber der Beschreibung des Preisausblicks: Sie sahen die zugrunde liegende Inflation bereits auf dem Niveau des Preisstabilitätsziels.
Was für dich folgt: der nächste Termin am 30. Oktober
Die Notenbank kündigt in der Mitteilung an, den Leitzins weiter anzuheben und den Grad der geldpolitischen Lockerung anzupassen. Ob und wann ein weiterer Schritt folgt, macht sie ausdrücklich von der Entwicklung von Wirtschaft, Preisen und Finanzbedingungen abhängig. Wie höhere Zinsen auf die Finanzierungsseite großer Bitcoin-Halter wirken, kannst du am Fall Strategy und den 139,3 Millionen US-Dollar für eigene STRC-Aktien nachlesen.
Der nächste Prüfpunkt steht im Kalender der Notenbank: Die nächste geldpolitische Sitzung ist für den 29. und 30. Oktober 2026 angesetzt, dort kann sich der Zinsabstand erneut verschieben. Offen bleibt, wie groß die über den Yen finanzierten Positionen tatsächlich sind; die Kurswerte vom Entscheidungstag stehen erst nach Handelsschluss endgültig fest.
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Quellen
- Bank of Japan, Change in the Guideline for Money Market Operations, 18. September 2026 (PDF) · Bank of Japan
- Bank of Japan, Monetary Policy Meetings (Sitzungskalender 2026 und 2027) · Bank of Japan
- CoinDesk, Bank of Japan raises interest rates by 25 basis points. Bitcoin tops $77,000 · CoinDesk
- Handelsblatt, Japans Notenbank erhöht Leitzins auf höchsten Stand seit 31 Jahren · Handelsblatt
- CNBC, Bank of Japan raises interest rates to 31-year high, flags concerns over inflation · CNBC
- Kraken, öffentliche Marktdaten-Schnittstelle, Tageskerzen XBT/USD · Kraken



