Was ist Finst? Die Börse im Überblick
Finst ist eine Krypto-Börse aus Amsterdam, aufgebaut von zwei früheren DEGIRO-Managern: Julien Vallet und Marcel Putina. Man merkt der Plattform an, wo die Gründer herkommen. Es gibt eine einzige Handelsgebühr, keine Staffelung nach Volumen und keine Trennung zwischen einer einfachen und einer günstigeren Profi-Oberfläche, wie sie bei Kraken oder Coinbase über die tatsächlichen Kosten entscheidet.
Seit dem 24. Juli 2025 hält Finst B.V. eine eigene MiCA-Zulassung der niederländischen Finanzaufsicht AFM unter der Registernummer 41000015 und darf damit über das EU-Passporting in allen Mitgliedstaaten anbieten. In Deutschland ist die Plattform bisher wenig bekannt, was für die Bewertung eine Rolle spielt: Es gibt schlicht noch keine breite Erfahrungsbasis.
Finst Gebühren 2026: die vollständige Rechnung
Der Handel kostet pauschal 0,15 Prozent. Auf Kauf, Verkauf, Tausch und Sparplan, unabhängig vom Volumen, ohne Aufschlag im Kurs. Ein Kauf über 500 Euro kostet damit 75 Cent. Zum Vergleich: Bei unserem Testsieger Bitvavo sind es 1,30 Euro, bei Bison rund 6,25 Euro.
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Handel (Kauf, Verkauf, Tausch) | 0,15 %, kein Spread |
| SEPA-Einzahlung | Kostenlos |
| SEPA Instant, iDEAL, Bancontact | Kostenlos |
| Euro-Auszahlung | Kostenlos |
| Krypto-Einzahlung | Kostenlos |
| Krypto-Auszahlung | Netzwerkgebühr plus 2,50 € |
| Krypto-Körbe (Bundles) | 0,1 % pro Monat auf den Wert |
| Staking | 25 bis 45 % Abzug von den Erträgen |
| Kontoführung, Inaktivität, Verwahrung | Keine |
Die letzten drei Zeilen sind der Grund, warum wir die Formulierung „keine versteckten Kosten“ nicht ungeprüft übernehmen. Sie stehen im offiziellen Gebührenverzeichnis, tauchen aber in keiner der uns bekannten deutschen Besprechungen auf.
Die Auszahlung ist der wichtigste Punkt. Wer seine Coins auf ein eigenes Wallet holt, zahlt zusätzlich zur Netzwerkgebühr 2,50 Euro pro Vorgang. Bei Bitvavo und Bison ist derselbe Transfer kostenlos. Bei einem Kauf über 500 Euro spart man gegenüber Bitvavo 55 Cent, eine einzige Auszahlung kostet 2,50 Euro. Wer regelmäßig ins Self-Custody überträgt, hat den Vorsprung nach dem ersten Transfer verloren.
Beim Staking behält Finst zwischen 25 und 45 Prozent der Erträge ein. Die auf der Seite angezeigte Rendite ist bereits der Nettosatz, der Abzug steht nur im Gebührenverzeichnis. Das ist bei anderen Anbietern ähnlich, nur selten so klar beziffert.
Die Krypto-Körbe kosten 0,1 Prozent pro Monat auf ihren Wert, also rund 1,2 Prozent im Jahr. Für ein Produkt, dessen Kern die niedrige Gebühr ist, ist das ein hoher Satz. Wer die enthaltenen Coins einzeln kauft, zahlt einmalig 0,15 Prozent und danach nichts mehr.
Wie sicher ist Finst?
Die formale Absicherung liegt auf dem Niveau der etablierten Anbieter im Vergleich, in einem Punkt darüber.
- Eigene MiCA-Zulassung der AFM seit dem 24.07.2025, Registernummer 41000015. Bestätigt über die Whitelist der französischen AMF, die zugelassene Anbieter mit EU-Passporting führt. Das ist eine Zulassung, keine bloße Registrierung nach altem Recht.
- Euro-Guthaben bei der bunq, einer regulierten niederländischen Bank, und damit unter der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Kraken hält dieselbe Sicherheitsnote in unserem Vergleich, arbeitet aber mit Partnerbanken in Großbritannien und Luxemburg ohne gesetzliche Sicherung.
- Verwahrung über Fireblocks mit Multi-Party Computation, also verteilten Schlüsselanteilen statt eines einzelnen privaten Schlüssels. Versichert mit 30 Millionen US-Dollar.
- Reserve-Nachweise werden über AuditNow veröffentlicht.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung ist von Beginn an aktiv, die Identitätsprüfung läuft über Fourthline oder Veriff.
Für die Coins selbst greift keine Einlagensicherung. Das ist bei jedem Anbieter so und kein Nachteil von Finst, sondern der Grund, warum größere Bestände auf ein eigenes Wallet gehören.
Was fehlt, ist Zeit. Finst ist seit 2023 am Markt, es gab bisher keinen bekannten Sicherheitsvorfall, aber eben auch nur wenige Jahre, in denen einer hätte auftreten können. Wer eine lange, nachweisbare Historie als eigenes Kriterium behandelt, findet sie hier nicht.
Coins und Auswahl
Finst listet nach eigenen Angaben über 400 Kryptowährungen, handelbar gegen Euro und USDC. Der Handel läuft über rund 115.000 Paare, Krypto-zu-Krypto-Tausch inklusive. Damit liegt Finst im Feld der breit aufgestellten Anbieter, hinter Bitpanda und etwa gleichauf mit Kraken.
Ein Hinweis zur Zahl: Auf einigen Unterseiten von Finst steht noch „340+“. Wir führen die Angabe von der Gebühren- und Startseite, weisen die Abweichung aber aus, statt sie zu glätten.
Staking bei Finst
Staking ist für mehr als 15 Coins möglich, ohne Mindestbetrag und ohne Lock-up. Die Erträge werden wöchentlich gutgeschrieben, ein Ausstieg ist jederzeit möglich. Das ist komfortabler als bei Anbietern mit festen Bindungsfristen.
Die Rechnung dahinter sollte man kennen: Finst behält 25 bis 45 Prozent der vom Netzwerk ausgeschütteten Erträge ein. Was in der App steht, ist der Betrag nach Abzug. Die Zahl ist also ehrlich, nur der Weg dorthin steht nicht daneben.
Steuerlich sind Staking-Erträge in Deutschland als sonstige Einkünfte zu behandeln. Ab 2026 werden Krypto-Daten über CARF und DAC8 automatisch an die Finanzämter gemeldet, auch von EU-Börsen. Ein Krypto-Steuertool nimmt die Dokumentation ab.
App und Bedienung
Die Oberfläche ist bewusst schlank: Kaufen, Verkaufen, Sparplan, Portfolio. Dazu kommen Kursalarme, Watchlists und eine Auswertung der eigenen Wertentwicklung, die deutlich detaillierter ist, als man es bei Einsteiger-Apps sonst findet. Das ist die DEGIRO-Handschrift.
Was fehlt, fehlt bewusst: kein Profi-Modus, kein Orderbuch, keine Limit-Orders, keine Derivate. Wer aktiv handelt, ist hier falsch.
Bei den Nutzerbewertungen wird es unübersichtlich. Auf Trustpilot steht Finst bei 4,0 von 5 aus 15.638 Bewertungen, ein solider Wert aus einer belastbaren Stichprobe. Die beiden App-Stores widersprechen sich dagegen deutlich: 4,2 von 5 im App Store aus 125 Bewertungen, 2,5 von 5 bei Google Play aus 275 Rezensionen. Dieselbe App, 1,7 Punkte Unterschied. Nach Stimmen gewichtet ergibt das eine 3,0, und weil Android zwei Drittel der Bewertungen stellt, zieht die schwächere Note. Wiederkehrend sind Berichte über zähe Verifizierung und schwer erreichbaren Support, wie sie bei jungen Plattformen im Wachstum häufig vorkommen.
Finst im Vergleich
| Kriterium | Finst | Bitvavo | Kraken | Bison |
|---|---|---|---|---|
| Kosten pro 500 € Kauf | 0,75 € | 1,30 € | 2,05 € | 6,25 € |
| Handelsgebühr | 0,15 % flat | 0,15–0,25 % | 0,25–0,40 % | ~1,25 % Spanne |
| Krypto-Auszahlung | Netzgebühr + 2,50 € | Kostenlos | ~0,84 € | Kostenlos |
| Coins | 400+ | 430+ | 400+ | ~30 |
| MiCA-Lizenz | AFM (NL) | AFM (NL) | CBI (IE) | BaFin (DE) |
| Euro-Guthaben | bunq, bis 100.000 € | Sutor Bank (DE) | Partnerbanken UK/LU | Solaris (DE) |
| Profi-Modus | Nein | Ja | Ja | Nein |
| Kreditkarte / PayPal | Nein | PayPal | Kreditkarte | Nein |
| Unsere Note | 8,3 / 10 | 8,7 / 10 | 8,1 / 10 | 7,4 / 10 |
Fazit des Vergleichs: Finst gewinnt die Kostenzeile deutlich und verliert bei Auszahlung, Zahlungswegen und Funktionsumfang. Der vollständige Vergleich mit allen Kriterien steht im Krypto-Börsen-Vergleich 2026.
Vor- und Nachteile von Finst
Vorteile
- 0,15 Prozent auf jeden Handel, ohne Aufschlag im Kurs und ohne Volumenstaffel
- Günstigster Kaufpreis im Vergleich: 75 Cent auf 500 Euro
- Eigene MiCA-Zulassung der AFM seit Juli 2025, EU-weit gültig
- Euro-Guthaben bei der bunq mit gesetzlicher Einlagensicherung bis 100.000 Euro
- Verwahrung über Fireblocks, versichert mit 30 Millionen US-Dollar
- Ein- und Auszahlung in Euro kostenlos, kein Mindestbetrag pro Order
- Staking ohne Lock-up, wöchentliche Gutschrift
- Sparplan ab 10 Euro, im Web wie in der App
Nachteile
- Krypto-Auszahlung kostet 2,50 Euro zusätzlich zur Netzwerkgebühr
- Staking-Erträge werden um 25 bis 45 Prozent gekürzt
- Krypto-Körbe kosten 1,2 Prozent im Jahr
- Keine Kreditkarte, kein PayPal, nur Überweisung und iDEAL
- Kein Profi-Modus, keine Limit-Orders, keine Derivate
- Seit 2023 am Markt und in Deutschland kaum bekannt
- Google-Play-Bewertung von nur 2,5 von 5 aus 275 Rezensionen
Für wen eignet sich Finst?
- Kostenbewusste Käufer, die wenige Male im Jahr kaufen und die Coins auf der Plattform liegen lassen. Hier ist Finst konkurrenzlos günstig.
- Sparplan-Nutzer, weil die 0,15 Prozent auch für automatische Käufe gelten und sich der Unterschied über die Jahre summiert.
- Anleger mit Regulierungsanspruch, die eine eigene Zulassung und gesetzliche Einlagensicherung für das Euro-Guthaben wollen.
Weniger geeignet für alle, die regelmäßig auf ein Hardware-Wallet übertragen, weil die 2,50 Euro pro Auszahlung den Preisvorteil aufzehren; für aktive Trader, weil Limit-Orders und Orderbuch fehlen; und für alle, die per Kreditkarte oder PayPal einzahlen wollen.
Konto bei Finst eröffnen
- Registrieren mit E-Mail und Passwort auf finst.com
- Verifizieren über Fourthline oder Veriff, per Ausweis und Video
- Einzahlen per SEPA, SEPA Instant, iDEAL oder Bancontact, jeweils kostenlos
- Kaufen, ohne Mindestbetrag pro Order
- Optional Sparplan einrichten oder Coins ins Staking geben
Nutzerberichte nennen für die Verifizierung teils deutlich mehr Zeit als die üblichen 15 Minuten. Wer zu einem bestimmten Kurs kaufen will, sollte das Konto vorher einrichten.
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