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Ratgeber · Sicherheit

Passwort-Manager für Krypto-Nutzer

Wer bei drei Börsen, zwei Steuertools und einem Portfolio-Tracker angemeldet ist, kann sich sechs starke Passwörter nicht merken. Welcher Manager wofür taugt, wie du ein Master-Passwort baust, das sicher und merkbar ist, und warum 2FA-Codes trotzdem nicht dorthin gehören.

Phil · CryptoTuts Gründer5 Fragen beantwortetAlle Sicherheits-Themen →
Kosten
0 Euro möglich
Einrichtung
eine halbe Stunde
Danach
ein Passwort merken

Warum das bei Krypto besonders zählt

Ein typischer Bestand verteilt sich auf drei bis fünf Börsen, dazu kommen Steuertool, Portfolio-Tracker und je nach Nutzung ein paar DeFi-Anwendungen. Jedes dieser Konten braucht ein eigenes, langes Passwort, und genau das ist ohne Hilfsmittel nicht durchzuhalten.

Die Folge sind die immer gleichen drei Fehler: dasselbe Passwort auf mehreren Börsen, zu kurze Passwörter, alles im Browser gespeichert. Taucht dann eine dieser Adressen in einem Datenleck auf, probieren Angreifer die Kombination automatisiert bei allen bekannten Diensten durch. Bei einem Forum ist das ärgerlich, bei einer Börse ist es der Bestand.

Warum der Browser dafür nicht reicht

Chrome, Firefox und Safari speichern Passwörter mit, und für ein Zeitungs-Abo ist das in Ordnung. Für Konten, hinter denen Geld liegt, fehlen fünf Dinge.

  • Geräte

    An einen Browser gebunden

    Im Chrome gespeicherte Passwörter stehen im Firefox nicht zur Verfügung, und auf dem Handy nur mit demselben Konto. Sobald du zwei Geräte nutzt, fängst du an, Passwörter zu wiederholen.

  • Infostealer

    Ein bekanntes Ziel

    Schadsoftware dieser Art liest Browser-Profile gezielt aus, weil dort so oft etwas zu holen ist. Ein separater Tresor mit eigenem Master-Passwort ist genau deshalb ein anderes Ziel.

  • Notizen

    Kein Platz für den Rest

    Backup-Codes, API-Schlüssel und der Anti-Phishing-Code haben im Browser kein Feld. Sie landen dann in einer Notiz-App, und damit an der falschesten möglichen Stelle.

  • Warnungen

    Kein Hinweis auf Datenlecks

    Dedizierte Manager gleichen deine Adressen mit bekannten Lecks ab und melden, welches Passwort du jetzt ändern solltest. Der Browser sagt dazu nichts.

Drei Manager, drei Situationen

  • Bitwarden

    Für die meisten die richtige Wahl

    Quelloffen und extern geprüft, die kostenlose Version reicht für Privatnutzung. Premium kostet rund zehn Dollar im Jahr und bringt Notfallzugang. Wer will, betreibt es selbst.

  • 1Password

    Wenn die Bedienung zählt

    Die rundeste Oberfläche im Feld und eine gute Leck-Überwachung, dafür ein Abo im Bereich von rund 36 Dollar im Jahr. Kein Selbstbetrieb.

  • KeePassXC

    Wenn nichts in eine Cloud soll

    Quelloffen, kostenlos und komplett offline: Der Tresor ist eine Datei auf deiner Platte. Den Abgleich zwischen Geräten organisierst du selbst, was Aufwand ist und zugleich der Punkt.

Alle drei verschlüsseln lokal, bevor irgendetwas das Gerät verlässt. Der Anbieter sieht deine Einträge also auch dann nicht, wenn er es wollte, und ein Einbruch bei ihm liefert Angreifern nur unlesbare Daten. Das gilt allerdings nur so lange, wie dein Master-Passwort taugt.

Das Master-Passwort nach Diceware

Dieses eine Passwort musst du dir merken, und es schützt alle anderen. Es muss deshalb beides sein: stark und merkbar. Ausgedachte Zeichenfolgen sind das eine nicht, ausgedachte Wörter das andere. Diceware löst das, indem es die Zufälligkeit an Würfel abgibt.

  1. Fünf Mal fünf würfeln

    Einen echten Würfel nehmen und fünf Mal hintereinander werfen. Die fünf Augenzahlen ergeben eine fünfstellige Zahl, etwa 43126. Das wiederholst du, bis du fünf oder sechs Zahlen hast.

    AchtungKein Zufallsgenerator aus dem Netz und nichts Ausgedachtes. Der ganze Sinn des Verfahrens ist, dass der Zufall nachweislich echt ist.

  2. Wörter nachschlagen

    Jede fünfstellige Zahl steht in der Diceware-Wortliste für genau ein Wort. Es gibt deutsche Listen, die Wörter sind kurz und alltäglich.

  3. Die Wörter verbinden

    Fünf oder sechs Wörter hintereinander, durch Bindestriche getrennt, ergeben dein Master-Passwort. Ein zusammenhangloser Satz merkt sich erstaunlich gut, gerade weil er sinnlos ist.

  4. Einmal auf Papier sichern

    Notiere es einmal und lege es dorthin, wo auch dein Seed-Phrase-Backup liegt. Ein vergessenes Master-Passwort bedeutet den Verlust des gesamten Tresors, denn dafür gibt es keine Wiederherstellung.

    AchtungNicht auf demselben Zettel wie die Seed Phrase. Wer den findet, hätte sonst beides auf einmal.

Fünf zufällige Wörter ergeben rund 65 Bit Entropie, sechs Wörter etwa 77. Das ist mit heutiger Technik nicht durchprobierbar, und du musst dir trotzdem nur einen Satz merken. Entscheidend ist, dass die Wörter wirklich gewürfelt sind: Selbst ausgesuchte Wörter folgen Mustern, und genau nach denen wird gesucht.

Gehören 2FA-Codes in den Manager?

Bitwarden Premium und 1Password können auch die zeitbasierten 2FA-Codes erzeugen. Das ist bequem, und es ist der eine Punkt in diesem Guide, bei dem Bequemlichkeit und Sicherheit tatsächlich gegeneinander stehen.

  • Dafür

    Alles an einer Stelle

    Kein Wechsel zwischen Apps, automatisches Ausfüllen, und beim Gerätewechsel ist der zweite Faktor automatisch mit dabei. Für unkritische Konten ein echter Gewinn.

  • Dagegen

    Beide Faktoren, ein Schloss

    Wer den Tresor öffnet, hat Passwort und Code zugleich. Der Sinn von zwei Faktoren ist, dass sie an zwei verschiedenen Dingen hängen, und das ist dann nicht mehr der Fall.

  • Empfehlung

    Bei Börsen trennen

    Für Konten mit Guthaben die Codes in einer eigenen Authenticator-App halten. Deren Wiederherstellungscodes dürfen dann wieder in den Passwort-Manager, das ist der sinnvolle Mittelweg.

Für Börsenkonten würde ich die Codes trennen und in einer eigenen App halten. Wie du die einrichtest, steht im 2FA-Guide, dort findest du auch, wann sich ein Hardware-Key zusätzlich lohnt.

Was in einen Börsen-Eintrag gehört

Ein Passwort-Manager ist mehr als ein Passwortspeicher. Wer je im Ernstfall nach dem Anti-Phishing-Code gesucht hat, weiß warum. Lege für Krypto einen eigenen Ordner an und fülle je Börse diese Felder.

  • Zugang

    Adresse und Passwort

    Idealerweise eine E-Mail-Adresse, die nur für Börsen existiert, und ein vom Manager erzeugtes Passwort mit mindestens 20 Zeichen.

  • Notfall

    2FA-Wiederherstellungscodes

    Ins sichere Notizfeld des Eintrags. Sie sind der Weg zurück ins Konto, wenn das Handy weg ist, und im Manager besser aufgehoben als auf einem losen Zettel.

  • Erkennung

    Anti-Phishing-Code

    Notiere, welches Wort du bei dieser Börse gesetzt hast. Im Verdachtsfall willst du in drei Sekunden nachsehen können, nicht in den Einstellungen suchen.

  • Technik

    API-Schlüssel und ihre Rechte

    Falls du welche vergeben hast: welcher Schlüssel für welches Tool, mit welchem Recht und seit wann. Ohne diese Notiz weiß nach einem Jahr niemand mehr, was man löschen darf.

Eine Sache gehört ausdrücklich nicht hinein: die Seed Phrase deines Wallets. Sie ist der einzige Zugang zu deinen Beständen und darf in keiner digitalen Form existieren, auch nicht in einem verschlüsselten Tresor. Wohin sie stattdessen gehört, steht im Seed-Phrase-Guide.

FAQ

Häufige Fragen

Die häufigsten Fragen zum Thema, kurz beantwortet.

Welcher Passwort-Manager ist der beste für Krypto?
Bitwarden für die meisten: quelloffen, geprüft, in der kostenlosen Version für Privatnutzung ausreichend. KeePassXC, wenn nichts in eine Cloud soll, dafür mit selbst organisiertem Abgleich zwischen Geräten. 1Password, wenn die Bedienung den Aufpreis wert ist. Wichtiger als die Wahl ist, dass du überhaupt einen nutzt.
Ist ein Passwort-Manager sicher genug für Krypto-Börsen?
Ja, wenn das Master-Passwort stark ist und die 2FA-Codes woanders liegen. Die Daten werden auf deinem Gerät verschlüsselt, bevor sie den Rechner verlassen, der Anbieter kann sie also nicht lesen. Das reale Risiko ist ein schwaches Master-Passwort, nicht der Manager selbst.
Was passiert, wenn ich mein Master-Passwort vergesse?
Dann ist der Tresor verloren, denn genau darauf ist die Verschlüsselung ausgelegt. Es gibt keine Wiederherstellung durch den Anbieter. Notiere das Master-Passwort deshalb einmal auf Papier und lege es dorthin, wo auch dein Seed-Phrase-Backup liegt. Manche Anbieter bieten zusätzlich einen Notfallzugang für eine Vertrauensperson.
Kann ein Passwort-Manager gehackt werden?
Der Anbieter kann kompromittiert werden, das ist in der Vergangenheit vorgekommen. Erbeutet werden dabei verschlüsselte Tresore, die ohne das Master-Passwort nutzlos sind. Wer ein starkes Master-Passwort nach Diceware nutzt, ist auch in diesem Fall geschützt. Wer eines mit acht Zeichen nutzt, nicht.
Soll ich meine Seed Phrase im Passwort-Manager speichern?
Nein. Die Seed Phrase darf in keiner digitalen Form existieren, auch nicht verschlüsselt. Ein Passwort schützt ein Konto, das sich zurücksetzen lässt. Die Seed Phrase ist das Wallet selbst, und dafür gibt es keinen Reset. Sie gehört auf Papier oder Metall an einen physischen Ort.

Über den Autor

Phil, Gründer & Chefredakteur bei CryptoTuts

PhilGründer & Chefredakteur · seit 2017

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Phil ist Gründer von CryptoTuts.de und beschäftigt sich seit 2017 intensiv mit Bitcoin, XRP und der Technik dahinter. Er teilt sein Wissen, um Einsteigern und Fortgeschrittenen fundierte und praxisnahe Inhalte zu bieten: unabhängig, transparent und ohne leere Versprechen.

  • 8+ Jahre Krypto-Erfahrung
  • 200+ Artikel verfasst
  • Investiert in BTC und XRP seit 2017