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Ratgeber · Sicherheit

DeFi-Sicherheit: Risiken erkennen und Vermögen schützen

In DeFi gibt es keinen Support, keine Rückbuchung und keine Versicherung. Welche fünf Angriffsarten es gibt, warum alte Token-Freigaben das unterschätzteste Risiko sind, und woran du ein Protokoll vor dem ersten Einsatz prüfst.

Phil · CryptoTuts Gründer5 Fragen beantwortetAlle Sicherheits-Themen →
Rückbuchung
gibt es nicht
Größtes Alltagsrisiko
alte Approvals
Wichtigste Gewohnheit
Signatur lesen

Was in DeFi anders ist

Dezentrale Finanzanwendungen kommen ohne Mittelsmann aus, und genau das ist zugleich das Risiko: Es gibt keinen Kundensupport, keine Rückbuchung und keine Einlagensicherung. Eine bestätigte Transaktion ist endgültig, auch wenn sie auf einem Irrtum beruhte.

  • Ronin Bridge, 625 Mio. Dollar

    Fünf von neun Validator-Schlüsseln übernommen, danach ließen sich Auszahlungen frei unterschreiben. Der Abfluss fiel erst nach sechs Tagen auf.

  • Wormhole, 320 Mio. Dollar

    Eine Lücke in der Signaturprüfung der Brücke erlaubte es, Guthaben aus dem Nichts zu erzeugen. Der Betreiber glich den Schaden aus eigenen Mitteln aus.

  • Euler Finance, 197 Mio. Dollar

    Ein Fehler in einer Kreditfunktion, ausgenutzt über Flash Loans. Ungewöhnlicher Ausgang: Der Angreifer gab das Geld nach Verhandlungen zurück.

Seit 2020 wurden auf diesem Weg über sechs Milliarden US-Dollar erbeutet. Das heißt nicht, dass DeFi unbenutzbar wäre, aber es heißt, dass die Sorgfalt bei dir liegt und nicht bei einem Anbieter.

Die fünf Angriffsarten

Praktisch jeder größere Verlust fällt in eine dieser fünf Kategorien. Die ersten drei treffen dich direkt, die letzten beiden treffen das Protokoll, in dem dein Geld liegt.

  • Drainer

    Die Signatur, die alles freigibt

    Eine perfekte Kopie einer bekannten Anwendung bittet nicht um eine Überweisung, sondern um eine Unterschrift. Die gibt dem Angreifer Zugriff auf sämtliche Token der Wallet.

  • Rug Pull

    Das Team zieht die Liquidität ab

    Anonyme Entwickler, kein oder nur ein Selbst-Audit, über zwanzig Prozent der Token beim Team, Renditeversprechen im dreistelligen Bereich. Allein 2021 gingen so 2,8 Milliarden Dollar verloren.

  • Contract-Bug

    Code mit Fehlern, unveränderlich

    Reentrancy wie beim DAO-Hack 2016, fehlende Rechteprüfungen, Rechenfehler bei Token-Beträgen. Ist der Vertrag nicht aktualisierbar, bleibt der Fehler für immer drin.

  • Bridge

    Zwei Ketten, doppelte Angriffsfläche

    Brücken verwalten Guthaben auf zwei Netzen mit unterschiedlichen Sicherheitsmodellen gleichzeitig. Die drei größten DeFi-Verluste überhaupt waren Brücken-Exploits.

  • Oracle

    Der manipulierte Preis

    Ein Flash Loan verschiebt kurzzeitig den Kurs auf einer kleinen Börse, das Protokoll rechnet mit diesem Preis und verleiht zu viel. Alles innerhalb einer einzigen Transaktion.

Token-Freigaben, das unterschätzte Risiko

Jedes Mal, wenn du auf einer dezentralen Börse tauschst oder Geld in ein Protokoll gibst, erteilst du eine Token-Freigabe, also die Erlaubnis, diese Token zu bewegen. Viele Anwendungen fragen dabei standardmäßig eine unbegrenzte Freigabe ab.

Diese Erlaubnis bleibt bestehen. Wird das Protokoll später kompromittiert oder war es von Anfang an bösartig, lässt sich deine Wallet darüber leeren, auch Monate nach der letzten Nutzung. Das ist der häufigste Weg, auf dem ein Wallet ohne einen neuen Fehler des Besitzers geleert wird.

  1. Wallet mit revoke.cash verbinden

    Die Seite liest die bestehenden Freigaben deiner Adresse aus. Verbinden allein bewegt nichts und kostet nichts.

    AchtungURL von Hand eintippen oder aus einem Lesezeichen öffnen. Gefälschte Revoke-Seiten sind eine eigene Masche und genau darauf ausgelegt, dass du hier unvorsichtig bist.

  2. Freigaben nach Risiko sortieren

    Unbegrenzte Freigaben stehen oben. Sieh besonders auf Protokolle, die du seit Monaten nicht mehr genutzt hast, und auf solche, die es nicht mehr gibt.

  3. Gezielt widerrufen

    Jeder Widerruf ist eine eigene Transaktion und kostet Netzwerkgebühr. Fang bei den unbegrenzten Freigaben mit den höchsten Beträgen an.

  4. Als Gewohnheit etablieren

    Nach jeder längeren DeFi-Sitzung durchgehen, mindestens aber einmal im Quartal. Freigaben sammeln sich unbemerkt an, weil sie nie ablaufen.

Ein Protokoll prüfen, bevor du es nutzt

Ein Audit bedeutet nicht „sicher“. Es bedeutet, dass unabhängige Prüfer den Code angesehen und Befunde dokumentiert haben. Interessant ist, was danach mit diesen Befunden passiert ist.

  • Befunde

    Wurden sie behoben?

    Interessant sind die kritischen und hohen Befunde und ihr Status. Ein Audit mit offenen kritischen Punkten ist ein Warnsignal, kein Gütesiegel.

  • Umfang

    Was wurde überhaupt geprüft?

    Oft deckt ein Audit nur einen Teil des Codes ab. Steht der geprüfte Umfang nicht im Bericht, ist der Bericht wenig wert.

  • Datum

    Wie alt ist der Stand?

    Nach jedem größeren Update ist ein altes Audit nur noch begrenzt aussagekräftig. Älter als sechs Monate bei aktiver Entwicklung heißt: erneut prüfen lassen.

  • Anzahl

    Zwei Prüfer sind besser als einer

    Protokolle mit mehreren unabhängigen Audits und einem laufenden Bug-Bounty-Programm nehmen das Thema erkennbar ernst.

Zehn Regeln für den Alltag

  • Hardware-Wallet verwenden

    Jede Signatur wird am Gerät angezeigt und muss dort bestätigt werden. Das allein fängt die meisten Drainer ab.

  • Eigene Wallet für DeFi

    Getrennt von den Beständen, die du nur hältst. Was passiert, bleibt dann auf einen kleinen Teil begrenzt.

  • Klein anfangen

    Ein neues Protokoll bekommt zuerst einen Betrag, dessen Verlust dich nicht stört. Erst nach Wochen mehr.

  • Freigaben widerrufen

    Nach jeder Sitzung oder mindestens quartalsweise. Der wirksamste Handgriff im ganzen Guide.

  • Nur Lesezeichen öffnen

    Keine Links aus Suchanzeigen, Direktnachrichten oder Discord. Die Adresse einmal prüfen, dann speichern.

  • Signatur lesen

    Vor dem Bestätigen prüfen, was autorisiert wird. Steht dort eine unbegrenzte Freigabe, obwohl du tauschen wolltest, brich ab.

  • Transaktion simulieren

    Erweiterungen wie Pocket Universe oder Tenderly zeigen vorab, was eine Signatur bewirken würde.

  • Bei bewährten Protokollen bleiben

    Lange Laufzeit, hoher gebundener Betrag, mehrere Audits. Neue Protokolle zahlen höhere Renditen, weil das Risiko höher ist.

  • Native Brücken bevorzugen

    Die offizielle Brücke eines Netzes statt einer Drittanbieter-Lösung, und größere Beträge auf mehrere Vorgänge verteilen.

  • Renditen misstrauen

    Dreistellige Jahresrenditen sind keine Gelegenheit, sondern eine Risikoangabe. Irgendwer bezahlt sie, und meistens sind das die späten Teilnehmer.

Die erste Regel wiegt alle anderen auf: Ein Hardware-Wallet verlangt für jede Signatur eine Bestätigung am Gerät und zeigt dabei an, was du gerade freigibst. Welche Modelle dafür taugen, steht im Wallet-Vergleich, die Einrichtung im Cold-Wallet-Guide.

FAQ

Häufige Fragen

Die häufigsten Fragen zum Thema, kurz beantwortet.

Wie erkenne ich ein sicheres DeFi-Protokoll?
Sichere Anhaltspunkte sind: mindestens zwei unabhängige Audits mit behobenen kritischen Befunden, ein öffentlich bekanntes Team, ein laufendes Bug-Bounty-Programm, ein hoher gebundener Betrag über längere Zeit und mindestens ein Jahr Betrieb ohne Vorfall. Keiner dieser Punkte allein genügt, und auch alle zusammen sind keine Garantie.
Was mache ich, wenn meine Wallet geleert wurde?
Zuerst alle noch vorhandenen Bestände auf eine neue Wallet mit neuer Seed Phrase übertragen, nicht auf eine Adresse aus derselben Phrase. Danach sämtliche Token-Freigaben der alten Adresse widerrufen, damit ein zweiter Zugriff ins Leere läuft. Die Transaktionen lassen sich über einen Block-Explorer dokumentieren, was für eine Anzeige nötig ist.
Sind DeFi-Versicherungen sinnvoll?
Sie können sinnvoll sein, decken aber nur bestimmte Fälle ab, meist einen Smart-Contract-Fehler des versicherten Protokolls. Rug Pulls, eigene Fehler und Phishing sind in der Regel ausgeschlossen. Die Prämie frisst zudem einen Teil der Rendite, weshalb sich das erst ab größeren Beträgen rechnet.
Was ist ein Token Approval und warum ist das gefährlich?
Eine Token-Freigabe erlaubt einem Smart Contract, deine Token zu bewegen. Sie ist technisch nötig, wird aber oft unbegrenzt und unbefristet erteilt. Wird der Vertrag später kompromittiert, kann er diese Erlaubnis nutzen, ohne dass du noch einmal etwas bestätigst.
Ist DeFi auf Layer 2 sicherer?
Nicht grundsätzlich. Arbitrum oder Optimism senken die Transaktionskosten, ändern aber nichts an Smart-Contract-Fehlern, Rug Pulls oder Drainern. Hinzu kommt das Risiko der Brücke, über die dein Geld dorthin gelangt ist. Niedrigere Gebühren machen allerdings kleine Testbeträge praktikabel, und das ist ein echter Vorteil.

Über den Autor

Phil, Gründer & Chefredakteur bei CryptoTuts

PhilGründer & Chefredakteur · seit 2017

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Phil ist Gründer von CryptoTuts.de und beschäftigt sich seit 2017 intensiv mit Bitcoin, XRP und der Technik dahinter. Er teilt sein Wissen, um Einsteigern und Fortgeschrittenen fundierte und praxisnahe Inhalte zu bieten: unabhängig, transparent und ohne leere Versprechen.

  • 8+ Jahre Krypto-Erfahrung
  • 200+ Artikel verfasst
  • Investiert in BTC und XRP seit 2017