Der an der NYSE notierte Bitcoin-Miner Cango hat Bitcoin im Wert von 305 Millionen USD verkauft, um seine Verschuldung zu reduzieren und in das wachsende Geschäft mit KI-Rechenzentren einzusteigen. Der Schritt zeigt, wie schwierig die Lage für Bitcoin-Miner nach dem Halving 2024 geworden ist.
Das Wichtigste in Kürze:
- Cango verkaufte Bitcoin im Wert von 305 Millionen USD
- Das Kapital soll Schulden abbauen und den Einstieg ins KI-Computing finanzieren
- Der Verkauf zeigt die verschlechterte Wirtschaftlichkeit von Bitcoin-Mining nach dem Halving 2024
- Immer mehr Miner diversifizieren ihre Geschäftsmodelle in Richtung KI und High-Performance-Computing
Cango verkauft Bitcoin für 305 Millionen Dollar – und steigt in KI ein
Cango, ein an der New York Stock Exchange gelistetes Unternehmen, hat einen erheblichen Teil seiner Bitcoin-Bestände liquidiert. Der Verkauf brachte 305 Millionen USD ein – Geld, das das Unternehmen dringend benötigt, um seine finanzielle Situation zu stabilisieren.
Laut offizieller Mitteilung will Cango mit dem Erlös vor allem seine Verschuldung reduzieren. Gleichzeitig soll das Kapital den strategischen Umbau des Unternehmens finanzieren: weg vom reinen Bitcoin-Mining, hin zu KI-Rechenzentren und High-Performance-Computing (HPC).
Von Bitcoin-Mining zu KI-Infrastruktur
Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Cango ist nur einer von mehreren großen Minern, die ihr Geschäftsmodell überdenken. Das Unternehmen plant, bestehende Mining-Infrastruktur für KI-Training und Inferenz-Workloads umzurüsten.
Konkret bedeutet das: Statt mit ASIC-Minern Bitcoin zu schürfen, sollen GPU-basierte Rechenzentren aufgebaut werden, die KI-Modelle trainieren oder Cloud-Computing-Dienste anbieten. Diese Märkte wachsen deutlich schneller als Bitcoin-Mining – und versprechen stabilere Einnahmen.
„Die Wirtschaftlichkeit von Bitcoin-Mining hat sich fundamental verschlechtert. Wir müssen unser Geschäft diversifizieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben." – Cango-Pressemitteilung
Wie viel Bitcoin hält Cango noch?
Das Unternehmen hat nicht offengelegt, wie viel Bitcoin es vor dem Verkauf insgesamt hielt. Branchenbeobachter schätzen, dass Cango einen erheblichen Teil – möglicherweise 50–70 % – seiner BTC-Reserven liquidiert hat.
Der Verkauf erfolgte über mehrere Wochen verteilt, um den Markt nicht zu stark zu beeinflussen. Trotzdem ist die Summe von 305 Millionen USD signifikant – das entspricht rund 4.000 BTC zum aktuellen Kurs von etwa 76.000 USD.
Achtung: Wenn große Miner ihre Bitcoin-Bestände verkaufen, kann das kurzfristig den Kurs belasten. Die Summe von 305 Mio. USD ist zwar erheblich, aber angesichts des täglichen Bitcoin-Handelsvolumens von über 30 Mrd. USD kein kritischer Faktor.
Warum Bitcoin-Mining immer weniger rentabel wird
Cangos Entscheidung ist kein Einzelfall. Die gesamte Mining-Branche steht unter massivem Druck – aus mehreren Gründen.
1. Das Bitcoin-Halving 2024
Im April 2024 fand das vierte Bitcoin-Halving statt. Die Block-Belohnung wurde von 6,25 auf 3,125 BTC halbiert. Das bedeutet: Miner erhalten bei gleichem Energieaufwand nur noch die Hälfte der Bitcoin – ihre Einnahmen sind über Nacht um 50 % eingebrochen.
Zwar ist der Bitcoin-Kurs seit dem Halving gestiegen, doch der Anstieg reicht bei weitem nicht aus, um die Halbierung der Belohnung zu kompensieren. Für viele Miner mit ineffizienter Hardware oder hohen Stromkosten ist Mining nicht mehr profitabel.
2. Steigende Stromkosten und Mining-Difficulty
Die Mining-Difficulty – ein Maß dafür, wie schwer es ist, einen neuen Block zu finden – liegt auf einem Allzeithoch. Das bedeutet: Es braucht mehr Rechenleistung und damit mehr Strom, um dieselbe Menge Bitcoin zu schürfen wie vor einem Jahr.
Gleichzeitig sind die Strompreise in vielen Regionen gestiegen. In Europa und Teilen der USA zahlen Miner teilweise über 10 Cent pro kWh – zu viel, um profitabel zu arbeiten. Nur Betreiber mit Zugang zu sehr günstiger Energie (unter 4 Cent/kWh) können noch rentabel minen.
3. Konkurrenzdruck durch effizientere Hardware
Große Mining-Unternehmen wie Marathon Digital und Riot Platforms investieren hunderte Millionen in die neueste Generation von ASIC-Minern. Diese Geräte sind 20–30 % effizienter als ältere Modelle – und verdrängen kleinere Betreiber aus dem Markt.
Wer nicht ständig in neue Hardware investiert, verliert Marktanteile und rutscht früher oder später in die Verlustzone. Für Unternehmen wie Cango, die nicht zu den Top-3-Minern gehören, ist das ein existenzielles Problem.
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Jetzt bei Bitvavo startenWas der Verkauf über die Zukunft der Mining-Industrie verrät
Cangos Pivot zu KI ist Teil eines größeren Trends. Mehrere große Miner haben in den letzten Monaten ähnliche Schritte angekündigt oder bereits umgesetzt.
Beispiele aus der Branche
Core Scientific, einer der größten US-Miner, hat im Januar 2025 einen Vertrag mit einem KI-Startup über 200 Millionen USD abgeschlossen. Das Unternehmen vermietet Rechenzentrumskapazität für KI-Training – ein Geschäft, das deutlich stabiler läuft als Bitcoin-Mining.
Auch Hut 8 Mining und Hive Digital haben angekündigt, Teile ihrer Infrastruktur für KI-Workloads umzurüsten. Der Grund: GPU-basiertes Computing für KI bringt oft höhere Margen als ASIC-Mining – und ist weniger volatil.
Was bedeutet das für die Bitcoin-Netzwerksicherheit?
Wenn immer mehr Miner ihre Kapazitäten aus dem Bitcoin-Netzwerk abziehen, sinkt die Hash-Rate – und damit theoretisch die Sicherheit des Netzwerks. Bisher ist dieser Effekt noch nicht spürbar: Die globale Hash-Rate liegt weiterhin auf hohem Niveau.
Doch langfristig könnte eine Konsolidierung der Mining-Branche problematisch werden. Wenn nur noch eine Handvoll großer Unternehmen das Mining dominieren, steigt das Risiko von Zentralisierung – ein Widerspruch zu Bitcoins dezentralem Grundgedanken.
Gut zu wissen: Die Bitcoin-Hash-Rate hat sich nach jedem Halving wieder erholt – auch wenn kurzfristig Miner aussteigen. Effizientere Hardware und steigende Kurse sorgen mittelfristig dafür, dass neue Kapazitäten ins Netzwerk kommen.
Einordnung: Wenn Miner zu Verkäufern werden – Risiko für den BTC-Kurs?
Der Verkauf von 305 Millionen USD durch Cango wirft eine wichtige Frage auf: Was passiert, wenn noch mehr Miner ihre Bitcoin-Bestände liquidieren müssen?
Verkaufsdruck durch notleidende Miner
Miner sind traditionell langfristige Holder – sie verkaufen nur so viel Bitcoin wie nötig, um laufende Kosten zu decken. Doch wenn die Wirtschaftlichkeit kippt, werden sie zu Zwangsverkäufern.
Branchenanalysten schätzen, dass Miner weltweit noch rund 1,8 Millionen BTC halten. Sollten davon in den kommenden Monaten größere Mengen auf den Markt kommen, könnte das den Kurs kurzfristig belasten – besonders wenn die Käuferseite (ETFs, institutionelle Investoren) nicht mithalten kann.
Langfristig: Gesündere Marktstruktur?
Aus einer anderen Perspektive könnte die Konsolidierung der Mining-Branche langfristig positiv sein. Ineffiziente Betreiber scheiden aus, nur die professionellsten und effizientesten Unternehmen bleiben übrig.
Das bedeutet: Das Bitcoin-Netzwerk wird von weniger, aber stabileren Akteuren gesichert. Gleichzeitig sinkt der Verkaufsdruck durch Miner, da die verbleibenden Betreiber profitabler arbeiten und weniger Bitcoin verkaufen müssen.
Chancen der Konsolidierung
- Professionalisierung: Nur gut geführte, effiziente Unternehmen überleben – das stärkt die Branche
- Weniger Verkaufsdruck: Profitable Miner müssen weniger BTC verkaufen, um Kosten zu decken
- Innovation: Der Umbau zu KI-Infrastruktur zeigt die Anpassungsfähigkeit der Branche
Risiken der Konsolidierung
- Zentralisierung: Wenn nur noch wenige große Miner dominieren, steigt das Zentralisierungsrisiko
- Kurzfristiger Verkaufsdruck: Notleidende Miner liquidieren Bestände – das belastet den Kurs
- Abhängigkeit von Strompreisen: Ohne günstige Energie ist Mining kaum noch rentabel
Worauf du jetzt achten solltest
Wenn du in Bitcoin investiert bist oder Mining-Aktien hältst, solltest du folgende Punkte im Blick behalten:
1. Beobachte die Hash-Rate
Die globale Hash-Rate ist ein Indikator für die Gesundheit des Mining-Sektors. Sinkt sie über mehrere Wochen deutlich, ist das ein Zeichen dafür, dass viele Miner aufgeben. Aktuell liegt die Hash-Rate aber noch auf hohem Niveau.
2. Achte auf Miner-Verkäufe
On-Chain-Analysten tracken, wie viel Bitcoin von Miner-Wallets auf Börsen transferiert wird. Steigt dieser Flow signifikant, kann das kurzfristig Verkaufsdruck erzeugen. Tools wie Glassnode oder CryptoQuant bieten entsprechende Metriken.
3. Selbstverwahrung statt Spekulation auf Miner
Wenn du langfristig an Bitcoin glaubst, verwahre deine Coins selbst – etwa auf einer BitBox02 Hardware-Wallet. Mehr Infos in unserem Wallet-Vergleich. Mining-Aktien sind deutlich volatiler und riskanter als direkter Bitcoin-Besitz.
4. Keine Panik bei kurzfristigem Verkaufsdruck
Auch wenn Miner wie Cango größere Mengen verkaufen: Langfristig ist das nicht unbedingt negativ. Solche Verkäufe schaffen Angebot für neue Käufer – und stabilisieren mittelfristig die Marktstruktur.
Tipp: Wenn du selbst regelmäßig Bitcoin kaufen willst, lies unseren Einsteiger-Guide. Dort erklären wir, wie du eine eigene Akkumulationsstrategie aufbaust – unabhängig von Minern und Marktschwankungen.
Häufige Fragen zu Cangos Bitcoin-Verkauf
Warum verkauft Cango seine Bitcoin-Bestände?
Cango verkauft Bitcoin im Wert von 305 Millionen USD, um Schulden abzubauen und den strategischen Umbau des Unternehmens zu finanzieren. Das Unternehmen steigt aus dem klassischen Bitcoin-Mining aus und investiert stattdessen in KI-Rechenzentren und High-Performance-Computing.
Ist Bitcoin-Mining nach dem Halving 2024 noch profitabel?
Nur für Miner mit sehr niedrigen Stromkosten (unter 4 Cent/kWh) und hocheffizienter Hardware. Das Halving im April 2024 hat die Block-Belohnung auf 3,125 BTC halbiert, während gleichzeitig die Mining-Difficulty gestiegen ist. Viele kleinere Betreiber arbeiten nicht mehr profitabel.
Gefährdet der Verkauf durch Miner den Bitcoin-Kurs?
Kurzfristig können größere Miner-Verkäufe den Kurs belasten. Langfristig ist der Effekt neutral: Das verkaufte Bitcoin findet neue Käufer, und die Marktstruktur wird durch die Konsolidierung der Mining-Branche stabiler. Miner-Verkäufe sind bei jedem Halving normal.




