Zum Inhalt springen

Analyse · Regulierung

SEC digital commodity: Sechs Projekte wollen ADA und LINK im Regeltext

Hedera, Aptos Labs, Ava Labs, Stellar, Cardano und Chainlink verlangen vier Änderungen. Heute gilt die Einstufung als SEC-Auslegung vom 17. März 2026, nicht als Regel.

Phil7 Min. LesezeitAktualisiert 22.10.2026

Illustration: silberne Münzen mit den Zeichen von Cardano und Chainlink
Illustration: CryptoTuts, KI-generiert mit OpenAI GPT Image

Chainlink Labs, die Cardano Foundation und vier weitere Blockchain-Organisationen wollen die Einstufung von ADA, LINK und weiteren Token als digital commodity im Regeltext der SEC sehen. Gemeint ist ein Kryptowert, der wirtschaftlich wie ein handelbares Gut funktioniert und selbst kein Wertpapier ist. Ihr gemeinsames Schreiben ging laut Cointelegraph und BTC-ECHO am 20. Oktober 2026 an die US-Börsenaufsicht. Für dich als Halter zählt: Die Einstufung gilt schon heute, als Auslegung der SEC vom 17. März 2026, nach der SEC und CFTC handeln wollen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sechs Organisationen, darunter Chainlink Labs und die Cardano Foundation, wollen die Einstufung digital commodity im Regeltext der SEC verankern.
  • Die Einstufung gilt schon heute: In ihrer Auslegung vom 17. März 2026 führt die SEC ADA, LINK, APT und AVAX als digital commodities, die CFTC hat sich angeschlossen.
  • Die Kommentarfrist endete am 20. Oktober 2026; ob die Forderung in die finale Regel kommt, entscheidet die SEC.

Der Haken ist der Stichtag: Die SEC stützt die Einstufung auf die Merkmale der Token am 17. März 2026. Das Schreiben will sie aus der Auslegung in den Regeltext von Regulation Crypto Assets holen.

Unterzeichnet haben Rechts- und Policy-Verantwortliche von Hedera Hashgraph, Aptos Labs, Ava Labs, der Stellar Development Foundation, der Cardano Foundation und Chainlink Labs. Ihr gemeinsames Schreiben liegt in der Kommentarakte der SEC zum Regelvorschlag Regulation Crypto Assets (File No. S7-2026-27).

Zahlenkarte mit vier Angaben: 17. März 2026 als Stichtag der Einstufung, 20. Oktober 2026 als Ende der Kommentarfrist, 5 Millionen US-Dollar als Obergrenze der Startup-Ausnahme und 75 Millionen US-Dollar als Obergrenze in Tier 2.
Die Einstufung als digital commodity beruht auf dem Stand vom 17. März 2026, die Kommentarfrist endete am 20. Oktober 2026, und die Beträge des Regelvorschlags sind Obergrenzen (Quelle: SEC, Stand: 22. Oktober 2026).

Die Kommentarfrist ist die Zeit, in der jeder der SEC schriftlich zu einem Entwurf Stellung nehmen kann. Für Regulation Crypto Assets lief sie 60 Tage ab der Veröffentlichung im Federal Register am 21. August 2026. Sie endete am 20. Oktober 2026 (SEC-Regelseite).

Screenshot der Pressemitteilung von U.S. Securities and Exchange Commission mit gelb markierter Passage: „The Commodity Futures Trading Commission (CFTC) joined the interpretation to provide guidance that the CFTC and its staff will administer the Commodity …“
Screenshot: U.S. Securities and Exchange Commission, Pressemitteilung. Gelb markiert ist die Stelle, auf die sich der Artikel stützt. Zur Quelle

Ausgangspunkt der Forderung ist die Auslegung der SEC vom 17. März 2026. Darin nennt die SEC unter anderem Cardano (ADA), Chainlink (LINK), Aptos (APT) und Avalanche (AVAX) als Beispiele für digital commodities. Diese Einstufung soll in den operativen Regeltext von Regulation Crypto Assets wandern.

Aptos Labs schreibt auf X, die SEC habe im März festgestellt, dass APT eine digital commodity und kein Wertpapier sei. Die Auslegung vom 17. März 2026 führt APT tatsächlich in ihrer Beispielliste.

Ihre Forderung begründen die sechs Organisationen so: Eine Kodifizierung, also die Aufnahme in den Regeltext, würde aus der Auslegungsposition der SEC eine dauerhafte Regel machen. Das verringere regulatorische Unsicherheit.

Die Einstufung gilt schon heute als Auslegung, an die sich SEC und CFTC halten wollen

Naheliegend ist die Sorge, ein Token ohne Regeltext stehe ungeschützt da. Die Dokumente der SEC zeichnen ein festeres Bild. Ihre Interpretation, also die Auslegung, wie sie bestehende Gesetze anwendet, gilt seit dem 23. März 2026. Die SEC und ihre Mitarbeiter wollen die Wertpapiergesetze im Einklang mit ihr anwenden.

Auch die CFTC, die US-Aufsicht für Terminmärkte, hat sich der Auslegung angeschlossen. Sie will den Commodity Exchange Act, das US-Gesetz für Terminmärkte und Commodities, im Einklang mit ihr anwenden (Pressemitteilung der SEC vom 17. März 2026). Hintergrund zur Rolle der CFTC bei Krypto liefert der Gemini-Vergleich mit der CFTC.

Für Halter zählt ein Grundsatz der Auslegung besonders. Ein Investmentvertrag ist eine Vereinbarung, bei der Anleger Geld geben und für ihren Gewinn auf die Arbeit anderer setzen. Unterliegt ein Kryptowert, der selbst kein Wertpapier ist, einem solchen Vertrag, wird er dadurch nicht selbst zum Wertpapier.

Digital commodities sind eine von fünf Kategorien der Auslegung, neben digital collectibles, digital tools, Stablecoins und digital securities. Commodity meint dabei ein Gut im wirtschaftlichen Sinn. Ob ein Token zugleich eine Commodity im Sinne des Commodity Exchange Act ist, ist eine eigene Frage.

Die Einstufung hat allerdings einen Stichtag: Die SEC stützt sie auf Merkmale, Bedingungen und Funktionen der Token zum 17. März 2026. Als Auslegung hat sie zudem nicht den Rang eines Gesetzes und nennt keine Geltungsdauer. Genau hier setzen die sechs Organisationen an: Nach ihrer Darstellung steht der Begriff im aktuellen Regelvorschlag nur in der Präambel und fehlt im Regeltext. Die Cardano Foundation äußert sich auf X gleichlautend.

Vier Änderungen verlangt das Schreiben, vom Definitionstext bis zum Sekundärmarkt

Das Schreiben verlangt genau vier Änderungen und konzentriert sich auf digital commodities. Für digital collectibles und digital tools regt es lediglich eine Prüfung an, ob eine ähnliche Behandlung passt.

Erstens soll der Begriff selbst in die Regel. Die Unterzeichner schlagen eine Definition von digital commodity vor und einen neuen Satz, nach dem eine so definierte digital commodity kein Wertpapier ist (§ 228.100 und § 228.101(f)). Auch der Grundsatz der Auslegung zum Investmentvertrag soll dort stehen. Es sind Formulierungsvorschläge der sechs Organisationen.

Zweitens geht es um den Sekundärmarkt, also den Handel zwischen Anlegern, etwa an einer Börse. Verkauft dort jemand anderes als der Emittent eine digital commodity, soll vermutet werden, dass kein Investmentvertrag betroffen ist. Voraussetzung ist, dass der Emittent keine zugesagten wesentlichen Managementleistungen mehr schuldet. Für die in der Auslegung genannten Token verlangt das Schreiben zudem eine Ausnahme für die ganze Klasse, ohne eigene Einreichung je Projekt auf Form TR.

Drittens geht es um den Safe Harbor des Vorschlags, einen geschützten Bereich. Erfüllt ein Projekt seine Bedingungen, gilt sein Kryptowert für die Wertpapierdefinitionen als keinem Investmentvertrag unterliegend. Der Proposing Release der SEC beschreibt diesen Safe Harbor (Rule 400) als nicht exklusiv, also als einen Weg unter mehreren.

Das Schreiben will die Freiwilligkeit ausdrücklich im Regeltext festhalten. Wer den Safe Harbor nutzt, auch mit einer Einreichung auf Form TR, soll damit weder einen bestehenden oder früheren Investmentvertrag einräumen noch die Rolle als dessen Emittent. Wer verzichtet, soll dadurch keine Vermutung begründen, dass ein covered investment contract besteht oder fortbesteht.

Viertens soll die SEC bei der Verabschiedung schriftlich bestätigen, dass die Regel an die Auslegung anschließt. Deren Einstufungen und die Zuständigkeiten von SEC und CFTC sollen bleiben, wie sie sind. Diese Begründung zur finalen Regel heißt Adopting Release.

Laut Schreiben hatten Ava Labs am 15. September und am 12. Oktober 2026 sowie Hedera am 7. Oktober 2026 schon eigene Kommentare zum Vorschlag eingereicht.

Der Regelvorschlag vom August regelt Angebote, nicht welcher Token ein Wertpapier ist

Die SEC gab Regulation Crypto Assets am 18. August 2026 als Vorschlag heraus (Pressemitteilung der SEC). Der Entwurf würde ein eigenes Angebotsregime für bestimmte Investmentverträge mit Kryptowerten schaffen. Er enthält zwei Ausnahmen von der Registrierungspflicht und zusätzlich einen bedingten Safe Harbor.

Screenshot der Mitteilung von U.S. Securities and Exchange Commission mit gelb markierter Passage: „would create a tailored offering regime for certain investment contracts involving crypto assets.“
Screenshot: U.S. Securities and Exchange Commission, Mitteilung vom 20. Oktober 2026. Gelb markiert ist die Stelle, auf die sich der Artikel stützt. Zur Quelle

Die Einordnung der Token überlässt der Entwurf der Auslegung von 2026. Ein covered investment contract, der Vertragstyp, den die Regel erfasst, setzt unter anderem voraus, dass der betroffene Kryptowert selbst kein Wertpapier ist. Ob ein Investmentvertrag vorliegt, richtet sich nach der Auslegung.

Ein Beispiel: Ein Projekt will in zwölf Monaten 20 Millionen US-Dollar einsammeln. Die Startup-Ausnahme reicht dafür nicht, sie erlaubt einmalig höchstens 5 Millionen US-Dollar in vier Jahren. Tier 1 der Fundraising-Ausnahme deckt genau 20 Millionen je zwölf Monate, Tier 2 bis zu 75 Millionen, jeweils mit Pflichten zu Finanzberichten und laufender Berichterstattung. Alle Beträge sind Obergrenzen (Stand: Regelvorschlag vom 18. August 2026).

Was das für deine Token heißt und woran du erkennst, ob die SEC folgt

Für dich als Halter von ADA, LINK, APT oder AVAX heißt das: Die Einstufung als digital commodity steht in einer Auslegung, nach der SEC und CFTC seit März 2026 handeln wollen. Sie beruht auf den Merkmalen der Token zum 17. März 2026. Die Forderung der sechs Organisationen ist ein Vorschlag, über dessen Aufnahme die SEC selbst entscheidet.

Das Schreiben ist eine Stimme unter vielen: Laut Cointelegraph gingen in der 60-tägigen Frist rund 140 öffentliche Kommentare ein.

Woran du erkennst, ob die SEC folgt: an einer finalen Regel samt Adopting Release. Dann zählen zwei Stellen. Definiert der Begriffsteil der Regel digital commodity, und bestätigt die Begründung die Einstufungen der Auslegung?

Einen Termin für die finale Regel hat die SEC bisher nicht genannt. Ob andere Kommentatoren der Kodifizierung widersprechen, wird erst die Kommentarakte zeigen. Stand: 22. Oktober 2026.

* Werbehinweis: Dieser Artikel enthält eine Partnerbox. Wenn du darüber ein Angebot abschließt, erhält CryptoTuts eine Provision. Die Aussagen des Artikels ändert das nicht. Mehr erfahren

Quellen

  1. Gemeinsames Kommentarschreiben von Hedera, Aptos Labs, Ava Labs, Stellar Development Foundation, Cardano Foundation und Chainlink Labs zu S7-2026-27 · U.S. Securities and Exchange Commission (Kommentarakte S7-2026-27)
  2. Regulation Crypto Assets, Regelseite (File No. S7-2026-27) · U.S. Securities and Exchange Commission
  3. Regulation Crypto Assets, Proposing Release 33-11434 · U.S. Securities and Exchange Commission
  4. Pressemitteilung 2026-76: SEC Proposes New Regulation Crypto Assets · U.S. Securities and Exchange Commission
  5. Interpretive Release 33-11412: Application of the Federal Securities Laws to Certain Types of Crypto Assets · U.S. Securities and Exchange Commission
  6. Pressemitteilung 2026-30: SEC Clarifies the Application of Federal Securities Laws to Crypto Assets · U.S. Securities and Exchange Commission
  7. Chainlink, Cardano and other blockchain groups push SEC for clearer crypto rules · Cointelegraph
  8. Neue Regeln für Krypto: Sechs Blockchain-Größen erhöhen Druck auf die SEC · BTC-ECHO
  9. X-Post der Cardano Foundation zum gemeinsamen Schreiben · Cardano Foundation
  10. X-Post von Aptos Labs zur Einstufung von APT · Aptos Labs

Autor dieses Beitrags

Phil, Gründer & Chefredakteur bei CryptoTuts

Phil

Gründer & Chefredakteur · Krypto seit 2017

Verifiziert

Phil ist Gründer von CryptoTuts und beschäftigt sich seit 2017 mit Bitcoin, Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Er ordnet komplexe Themen verständlich, datenbasiert und ohne leere Versprechen ein.

  • XRP und XRPL
  • Bitcoin
  • Krypto-Steuern
  • Börsen-Vergleiche
  • On-Chain-Analyse

Weiterlesen