Analyse · Märkte
MSCI Strategy: Drei Streichungen in der Mai-Simulation
So lautet das Ergebnis von MSCIs Test für nicht operative Firmen, darunter Strategy und Metaplanet. Laut Strategy halten MSCI-Fonds 3,1 Prozent der Aktien.
Phil5 Min. LesezeitAktualisiert 16.10.2026

Nach MSCIs Vorschlag für nicht operative Unternehmen wäre Strategy mit Stand Mai 2026 aus dem MSCI ACWI IMI geflogen, einem weltweiten Aktienindex, auf dem viele Fonds beruhen. Das zeigt die Simulation im MSCI-Konsultationsdokument zum Vorschlag vom 3. August 2026: drei Streichungen, darunter Strategy und Metaplanet. Laut einer Strategy-Angabe bei Cointelegraph hielten Fonds auf MSCI-Basis im August 2026 rund 13 Millionen Aktien: 3,1 Prozent der Basisaktien, weniger als das Volumen eines Handelstags. Für bestehende Mitglieder sieht der Vorschlag zwei Prüfjahre vor: Gestrichen wird erst, wer zwei Jahresprüfungen in Folge verfehlt.
Strategy fällt in MSCIs Simulation durch den Bilanztest
Den Ausschlag gibt die Bilanz. Investmentfonds und Business Development Companies (BDCs) sind schon heute wegen ihrer Rechtsform aus den Indizes ausgeschlossen. MSCI will diesen Ausschluss auf Firmen mit ähnlichen Merkmalen ausweiten. Als nicht operativ gelten Firmen, deren Vermögen überwiegend aus anderem als Betriebsvermögen besteht und die damit eher einem Fonds gleichen als einem Betrieb.

Der erste Filter ist der Core Screen, eine Grundprüfung der Bilanz. Liegt das Betriebsvermögen (Operating Assets) über 50 Prozent der Bilanzsumme (Total Assets), gilt die Firma als operativ und bleibt indexfähig. Alle anderen kommen in den zweiten Filter, den Exclusion Screen.
Dort prüft MSCI fünf Finanzkennzahlen, die für alle Branchen gleich gelten. Indexunfähig wird nach dem Vorschlag vom August 2026, wer den Core Screen verfehlt und bei mindestens vier der fünf Kennzahlen markiert wird. Die Regel misst also, wie eine Bilanz aufgebaut ist, gleich in welcher Branche.
In MSCIs Simulationstabelle mit Stand Mai 2026 steht Strategy als Large Cap mit einer FIF-Marktkapitalisierung von 23.931 Millionen US-Dollar. FIF meint den streubesitzbereinigten Börsenwert, also den frei handelbaren Teil der Aktien. Die beiden anderen Streichungen sind Metaplanet aus Japan und Yellow Cake plc aus Großbritannien. Cointelegraph nennt als dritten Namen Upexi, ohne Stichtag; in MSCIs Mai-Tabelle steht an dieser Stelle Yellow Cake.
Ein Rauswurf braucht zwei schlechte Prüfjahre
Für Firmen, die schon im Index sind, sieht MSCI eine Schonfrist vor. Wer die Screens erstmals verfehlt, kommt auf eine neue öffentliche Watchlist, eine Beobachtungsliste. Gestrichen wird ein Mitglied erst nach zwei aufeinanderfolgenden verfehlten Jahresprüfungen. Fällt es zweimal in Folge durch, fliegt es raus; besteht es die zweite Prüfung, bleibt es drin.
Für Mitglieder gelten teils mildere Schwellen, geprüft über die letzten zwei Jahresprüfungen. Bei der Operating asset intensity, dem Anteil des Betriebsvermögens an der Bilanzsumme, liegt die Grenze für Mitglieder bei unter 10 Prozent, für Nichtmitglieder bei unter 20 Prozent. Bei der Capital dependence nennt die Tabelle über 20 Prozent für Nichtmitglieder und über 30 Prozent für Mitglieder, eine Fußnote erklärt den Screen dagegen für beide gleich. Welche der beiden Angaben gilt, lässt das Konsultationsdokument offen.
Wer gestrichen ist, kann frühestens nach der nächsten jährlichen Prüfung der Finanzberichte zurückkehren. Auch unvollständige Daten können zur Indexunfähigkeit führen.
Auf der simulierten Watchlist mit Stand Mai 2026 stehen Center Laboratories aus Taiwan, Lydia Holding aus der Türkei und Sharplink aus den USA. Cointelegraph nennt für die Watchlist vier Namen: Sharplink, Ton Strategy, Solana Company und DeFi Development. Von diesen vier führt MSCIs Mai-Simulation nur Sharplink.
Strategy erwartet Verkaufsdruck, aber keinen großen Kurseffekt
Laut Strategy, wiedergegeben bei Cointelegraph, hielten die MSCI-Fonds im August 2026 rund 13 Millionen Aktien: 3,1 Prozent der Basisaktien und weniger als ein Tageshandelsvolumen. CEO Phong Le nennt in der Übersetzung von Blocktrainer 3 bis 4 Prozent aller ausstehenden Aktien. Bei einem Ausschluss erwartet er über einen gewissen Zeitraum Verkaufsdruck, hält ihn für den Kurs aber für unwesentlich. Die ältere Schätzung von JPMorgan-Analysten über rund 2,8 Milliarden US-Dollar an Verkäufen galt laut Cointelegraph MSCIs früherem Vorschlag zu Digital-Asset-Firmen, also einer anderen Regel.
Bitcoin reagierte laut Blocktrainer kaum auf die jüngste MSCI-Meldung. MSTR stieg im New Yorker Handel um 5,6 Prozent und lag nachbörslich in Bitcoin gemessen rund 1,5 Prozent im Minus. Auf Polymarket stieg die gehandelte Wahrscheinlichkeit für einen Strategy-Ausschluss noch in diesem Jahr von rund 80 auf über 90 Prozent.
Strategy hält sich für operativ, MSCI misst Bilanzen
Die Regel hat eine Vorgeschichte. In seiner Mitteilung vom 6. Januar 2026 entschied MSCI, Digital Asset Treasury Companies vorerst nicht mit dem Februar-Review 2026 auszuschließen. Gemeint sind DATCOs, also Firmen, die Kryptowerte als Reserve in der Bilanz halten. Stattdessen kündigte MSCI eine breitere Konsultation zu nicht operativen Unternehmen an.
Den neuen Vorschlag legte MSCI am 3. August 2026 in der MSCI-Ankündigung zur Konsultation vor. Rückmeldungen hatte MSCI bis 30. September 2026 erbeten, Ergebnisse kündigte es für spätestens 16. Oktober 2026 an. Änderungen an den Indizes stellte MSCI dabei ausdrücklich unter Vorbehalt.
Strategy widerspricht der Einordnung. Gründer Michael Saylor nannte Strategy in einem Bloomberg-Interview, das Blocktrainer übersetzt hat, ein operatives Unternehmen, vergleichbar mit Versicherungen und Banken. Er verweist auf Produkte wie STRC. MSCI stehe mit seiner Auffassung allein, sagte Saylor, die Entscheidung liege aber bei MSCI.
Kritik kommt auch von Conner Brown, Executive Director des Bitcoin Policy Institute. Ein Indexausschluss nehme ein Unternehmen aus den Standardportfolios vieler Anleger, die das nie gewählt hätten, sagte er im September 2026 laut Cointelegraph. Sein Punkt betrifft dich, wenn du einen breiten Indexfonds besparst.
Dagegen steht MSCIs Methodik, die branchenunabhängig formuliert ist. In der Mai-Simulation trifft sie neben Strategy und Metaplanet auch Yellow Cake, auf der Watchlist stehen Center Laboratories und Lydia Holding.
Woran du erkennst, ob Strategy wirklich gestrichen wird
Entscheidend ist MSCIs endgültige Streichungsliste, denn die drei Streichungen stammen aus der Simulation mit Stand Mai 2026. Steht Strategy auf der endgültigen Liste, ist die Aktie aus den Indizes raus. Landet Strategy nur auf der Watchlist, bleibt sie nach dem Vorschlag Mitglied bis zur nächsten Jahresprüfung.
Laut Blocktrainer hebt MSCI mit der Indexüberprüfung im November 2026 die Sonderbeschränkungen für Firmen mit hohen Kryptobeständen auf. Gemeint sind die aufgeschobenen Aufnahmen und die eingefrorene Aktienzahl. Diese Überprüfung ist der Termin, auf den du als MSTR-Halter achten solltest. Ob ein Ausschluss auch die Nachfrage nach Bitcoin trifft, ist offen.
Wie Strategy zuletzt Kapital einsetzt, zeigt Strategys jüngste Mitteilung zu Bitcoin-Käufen und STRC-Rückkäufen. Einen weiteren Treasury-Fall findest du im Bericht über den wachsenden Bitcoin-Bestand von Strive.
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Quellen
- MSCI Konsultationsdokument: Consultation on Eligibility of Non-Operating Companies for the MSCI Global Investable Market Indexes (PDF) · MSCI
- MSCI Index Announcement: Consultation on Eligibility of Non-Operating Companies in the MSCI Global Investable Market Indexes (3. August 2026) · MSCI
- MSCI Index Announcement: Results of the Consultation on the Treatment of Digital Asset Treasury Companies (6. Januar 2026) · MSCI
- Cointelegraph: MSCI adopts index exclusion rules that could oust Strategy · Cointelegraph
- Blocktrainer: Strategy und Metaplanet vor Index-Exklusion · Blocktrainer



