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Ledger Wallet in Deutschland gekauft: Was Ledger bisher geprüft hat

Ledger will in deutschen Geschäften gekaufte Geräte geöffnet haben, alle seien unauffällig gewesen. Eine Kundenmeldung bei MediaMarkt Saturn ist laut Bitquery nicht bestätigt.

Phil6 Min. LesezeitAktualisiert 17.10.2026

Ledger Nano S, per USB-Kabel angeschlossen, auf einem Holztisch. Auf dem OLED-Display steht „Bitcoin“, die Metallkappe ist aufgeklappt.
Foto: Motokoka, CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0), via Wikimedia Commons

Bitquery zählt für den 9. Oktober 2026 Abflüsse von 102,0 Millionen US-Dollar aus 335 geleerten Wallets auf sechs Chains (Datenstand 16. Oktober 2026, 14:40 UTC). Für dich als Ledger-Besitzer zählt vor allem, woher dein Gerät stammt: Laut Bitquery sagt Ledger, alle bestätigten Verluste beträfen Geräte aus dem Verkauf des Händlers CryptoBilis. Meldungen zu anderswo gekauften Geräten prüft der Hersteller noch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bitquery zählt für den 9. Oktober 2026 Abflüsse von 102,0 Millionen US-Dollar aus 335 Wallets.
  • Bestätigte Verluste betreffen laut Bitquery nach Angaben von Ledger über CryptoBilis verkaufte Geräte; Meldungen über Implantate in anderswo gekauften Geräten prüft der Hersteller.
  • Bei Stichproben in Geschäften, auch in Deutschland, fand Ledger nach eigenen Angaben nur unauffällige Geräte.

102 Millionen Dollar in einer Stunde: was am 9. Oktober abfloss

Der Drain, also das gebündelte Leerräumen der Wallets, traf TRON, Bitcoin, Ethereum, BNB Chain, Polygon und Solana. Bitquery hat die Abflüsse in den öffentlichen Transaktionsdaten gezählt und zu Kursen vom Morgen des 9. Oktober bewertet, Stablecoins zu 1 US-Dollar. Die 70.000 USDT vom 10. Oktober stehen außerhalb der Summe.

Zahlenkarte mit vier Werten zum Ledger-Drain: 102,0 Millionen US-Dollar aus 335 Wallets, 203,8 BTC aus 122 Bitcoin-Wallets, mehr als 60 BTC Verlust eines Betrügers laut Chainalysis und 10,0 Millionen USDT gesperrt.
Laut Bitquery flossen am 9. Oktober 102,0 Millionen US-Dollar aus 335 Wallets ab, bestätigt hat Ledger keine Summe (Stand: 17. Oktober 2026).

Eine Opfer-Wallet ist eine geleerte Adresse, keine Person. Am 16. Oktober hob Bitquery ihre Zahl von 324 auf 335 an, die Dollarsumme blieb gleich.

Screenshot der Blogbeitrag von Ledger mit gelb markierter Passage: „We followed every lead, including sending teams to local markets, including Germany, to spot buy and open a number of devices from stores, and we also …“
Screenshot: Ledger, Blogbeitrag vom 15. Oktober 2026. Gelb markiert ist die Stelle, auf die sich der Artikel stützt. Zur Quelle

Auf Bitcoin zählt Bitquery 203,8 BTC aus 122 Opfer-Wallets, zum Kurs vom Morgen des 9. Oktober etwa 16,8 Millionen US-Dollar.

Frühere Zahlen beschreiben andere Stände oder Abgrenzungen. Bitquery selbst meldete am 9. Oktober um 18:41 UTC auf X einen ersten Stand von 92,9 Millionen US-Dollar aus 311 Wallets. Anders abgegrenzt sind 85,4 Millionen US-Dollar: So viel erhielten nach Bitquerys Zählung die zehn öffentlich genannten Drain-Adressen auf Bitcoin, Ethereum und TRON. Das liegt nahe an der frühen Schätzung von Specter über 86 Millionen US-Dollar, die Bitquery zitiert.

Der Betrüger unter den Opfern

Eines der größten Opfer war selbst ein Betrüger, schrieb Chainalysis auf X am 15. Oktober um 15:05 UTC. Die Gelder stammten demnach aus einem Task-Scam. Die Person bleibt ungenannt.

Chainalysis beziffert den Verlust auf mehr als 60 BTC und etwa 4,8 Millionen US-Dollar, zu einem nicht genannten Kurs. Bitquery kommt für 60 BTC zum Kurs von 82.300 US-Dollar vom Morgen des 9. Oktober auf etwa 4,9 Millionen US-Dollar. CoinDesk nennt mehr als 4,9 Millionen US-Dollar.

Bitquery ordnet dem Fall drei Bitcoin-Adressen zu. Jede erhielt am Abend des 22. September zwei gleich hohe Zahlungen aus derselben Wallet, alle drei wurden im großen Bitcoin-Block des Drains geleert. Zusammen sind das 60 BTC, gemessen an den 203,8 BTC aus allen Bitcoin-Opfer-Wallets rund 29 Prozent (60 geteilt durch 203,8). Fast drei von zehn abgezogenen Bitcoin entfallen nach Bitquerys Zuordnung damit auf diesen einen Fall.

Ledger sieht eine organisierte Gruppe und keinen Fehler im Gerät

Ledger führt den Angriff in seinem Blog vom 15. Oktober auf eine hochorganisierte kriminelle Gruppe zurück. Sie habe über viele Monate echte Ledger-Geräte gekauft, geöffnet und mit versteckten Bauteilen versehen. Diese greifen beim Einrichten die Recovery Phrase ab, also die 24 Wörter, mit denen sich eine Wallet auf jedem Gerät wiederherstellen lässt. Über Händler in Südostasien seien die Geräte zurück in den Verkauf gelangt.

Die Täter hätten dafür eigene Logistik und Technik aufgebaut, darunter Server zum Sammeln der Seeds und Infrastruktur zum Abziehen und Waschen der Gelder. Ledger schreibt, sie hätten Millionen ausgegeben und dann koordiniert zugeschlagen.

Den Fehler verortet Ledger außerhalb der eigenen Technik. Chip, Betriebssystem und Server seien ohne Schwachstelle, die eigenen Systeme unversehrt. Der Hersteller wertet den Fall als lokalisierten Angriff auf den Vertrieb, nachdem die Geräte seine Kontrolle verlassen hatten, und ausdrücklich nicht als systemischen Lieferkettenangriff.

Bestätigt ist bisher ein Implantat in einem Opfergerät: Ledger meldete es laut Bitquery am 10. Oktober, das ist die erste bestätigte Ursache. Ledger Donjon, das Sicherheitslabor des Herstellers, beschrieb es am 13. Oktober, wie Bitquery wiedergibt. Es liest beim Einrichten die 24 Wörter vom Bildschirm und sendet sie über eine eingebaute SIM ins Mobilfunknetz; Secure Chip und Software bleiben unberührt. Mehr zur Technik steht im Artikel zur Bestätigung des Implantats vom 12. Oktober.

Bitquery liest aus den Transaktionen einen einzigen Akteur, der die Schlüssel aller geleerten Wallets hielt. Eine Phishing-Seite, die signierte Anfragen sammelt und auf einen Schlag abschickt, hält das Analysehaus für unwahrscheinlich. Als Gründe nennt es eine bereits übernommene Wallet, die ohne vorab signierte Anfrage ihren Bestand verlor, und 335 Wallets auf sechs Chains, die binnen einer Stunde betroffen waren.

Wie die Schlüssel abflossen, lässt die Chain nach Bitquerys Einschätzung offen. Belegt ist das Implantat damit für ein Gerät, die Zuschreibung an eine Gruppe stammt bislang allein von Ledger.

Ledgers Stichproben in Deutschland unauffällig, Meldung bei MediaMarkt Saturn unbestätigt

Ledger schreibt, Teams hätten in lokalen Märkten, darunter Deutschland, Geräte in Geschäften gekauft und geöffnet und Proben aus Lagern untersucht; jedes Gerät sei unauffällig gewesen. Auch den eigenen Bestand habe der Hersteller vorsorglich mit einer großen, unbezifferten Zahl von Stichproben geprüft und dabei nur unauffällige Geräte gefunden.

Bitquery berichtet daneben von einem Fall bei MediaMarkt Saturn: Die Kette stoppte am 13. Oktober 2026 den Verkauf von Ledger-Geräten, nachdem ein Kunde in Deutschland ein Implantat gemeldet hatte. Ledger erklärte demnach, in diesem Fall sei kein Geldverlust gemeldet worden; das Implantat selbst ist unbestätigt. Beide Angaben stehen nebeneinander, bis Ledger die Meldungen zu anderswo gekauften Geräten geprüft hat.

Wann betroffene Geräte in Gebrauch kamen, hat Bitquery an den ersten Einzahlungen ausgewertet. Etwa 6 von 10 Opfer-Wallets auf TRON, Bitcoin und Ethereum erhielten ihre erste Einzahlung innerhalb des 90-Tage-Fensters aus Ledgers Empfehlung, mehr als 8 von 10 ab Juni. Die erste Einzahlung markiert den Nutzungsbeginn; gekauft worden sein kann das Gerät früher.

Ledger verlangt seit dem 15. Oktober von autorisierten Händlern und Distributoren, Geräte aus Regalen und Auslagen zu nehmen und erst beim Kauf aus dem Lager auszugeben. Meldungen von Kunden über auffällige Produkte sollen sie umgehend weitergeben.

Was du an deinem eigenen Gerät prüfen kannst, steht in der Anleitung für Käufer manipulierter Geräte. Welche Händler den Verkauf ausgesetzt haben, zeigt der Überblick zum Verkaufsstopp vom 14. Oktober 2026. Grundlagen zur sicheren Verwahrung findest du auf der Seite zur XRP-Wallet.

10,0 Millionen USDT sind gesperrt, der weitere Weg hängt an zwei Signalen

Ein Teil des Geldes ist festgesetzt. Bitquery zählt 37 mit dem Diebstahl verbundene Adressen, die Tether am 9. Oktober sperrte; 20 davon halten zusammen 10,0 Millionen USDT. Eine Sperre hält die Coins fest, eine Rückgabe an die Opfer ist sie noch nicht.

Ledger schreibt, es arbeite mit Strafverfolgung und Sicherheitsgemeinschaft daran, den Geldern zu folgen und die Infrastruktur der Angreifer zu zerschlagen. Weitere Details hat der Hersteller ohne Termin angekündigt, eine ausführlichere technische Offenlegung für die Branche, sobald das möglich sei.

Die Gesamtsummen stammen von Bitquery, für den Fall des Betrügers nennt Chainalysis etwa 4,8 Millionen US-Dollar. Ledgers Blog vom 15. Oktober kommt ohne eigene Summe und ohne benannte Behörde aus. Laut Bitquery steht eine Prüfung der Bitquery-Zählung durch den Hersteller noch aus.

Den weiteren Verlauf erkennst du an zwei Signalen. Die 203,8 BTC lagen in Bitquerys Daten bis zum 16. Oktober, 14:40 UTC, unbewegt in zwei Drain-Adressen; verlassen sie diese, wird ihr Weg in den öffentlichen Transaktionsdaten sichtbar. Das zweite Signal ist Ledgers Ergebnis zu den Implantatmeldungen außerhalb von CryptoBilis.

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Quellen

  1. Ledger: Ledger's Response to the Hardware Implant Attack (Blog, 15.10.2026) · Ledger
  2. Bitquery: Ledger CryptoBilis Hack: $102.0M Drained, Where It Went · Bitquery
  3. X-Post von Chainalysis vom 15.10.2026 · Chainalysis
  4. X-Post von Bitquery vom 09.10.2026 · Bitquery
  5. CoinDesk: Scammer gets scammed in Ledger spy-chip exploit · CoinDesk

Autor dieses Beitrags

Phil, Gründer & Chefredakteur bei CryptoTuts

Phil

Gründer & Chefredakteur · Krypto seit 2017

Verifiziert

Phil ist Gründer von CryptoTuts und beschäftigt sich seit 2017 mit Bitcoin, Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Er ordnet komplexe Themen verständlich, datenbasiert und ohne leere Versprechen ein.

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