Analyse · Regulierung
Kraken Bank Deutschland: Payward plant Zinsen erst nach dem Kauf
Payward, laut CoinDesk die Mutter von Kraken, hat den Kauf der litauischen Saldo Bank vereinbart. Den Abschluss erwartet das Unternehmen 2027, nur mit Genehmigung der Behörden.
Phil5 Min. LesezeitAktualisiert 16.10.2026

Zinsen auf Einlagen und Kredite plant Payward erst nach dem für 2027 erwarteten Abschluss seines Kaufs der litauischen Saldo Bank und nur mit Genehmigung der Behörden, wie das Unternehmen am 14. Oktober 2026 in einer Pressemitteilung schrieb; 2027 ist dabei das erwartete Jahr des Kaufs, kein Starttermin für Kundenangebote. Die verbindliche Kaufvereinbarung hat Payward nach eigenen Angaben unterzeichnet. CoinDesk beschreibt Payward als Mutter der Kryptobörse Kraken. Kraken selbst und die Länder für die neuen Angebote nennt Payward in seiner Mitteilung nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Zinsen, Kredite und SEPA-Zugang für Partner plant Payward erst nach dem für 2027 erwarteten Abschluss und mit Genehmigung.
- Die Saldo Bank hat seit dem 26. Oktober 2021 eine litauische Lizenz. Im Register ist eine Zweigstelle in Finnland eingetragen.
- Die Frist der Aufsicht beträgt 60 Arbeitstage ab Eingang eines vollständigen Antrags, verlängerbar auf 90. Bei einem gleichzeitigen Finanzholding-Verfahren kann sie zusätzlich ruhen.
Zinsen und Kredite plant Payward erst für die Zeit nach dem Kauf
Mit Saldo würde Payward eine Bank übernehmen, die in Litauen schon Einlagen annehmen darf. Ob daraus ein Angebot für dich wird, hängt an zwei Schritten: der Zustimmung der Aufsicht und einer Produktankündigung mit Ländern und Kunden.

Gekauft wird die finnische Holding Saldo Finance Oy. Ihre Tochter Saldo Bank UAB ist eine in Litauen zugelassene Spezialbank, also eine Bank mit eingeschränktem Geschäftsfeld. Wirksam wird der Kauf mit dem Vollzug (Closing), dem Tag, an dem das Eigentum übergeht.

Diesen Tag erwartet Payward 2027. Vorher müssen die üblichen Vollzugsbedingungen erfüllt sein und die Behörden zustimmen.
Für die Zeit danach plant Payward drei Angebote über Payward Banking, jeweils unter Vorbehalt der Genehmigungen:
- Zinsen auf Einlagen: Guthaben sollen Ertrag bringen.
- Kreditprodukte: Payward Banking soll selbst Kredite vergeben.
- Banking-as-a-Service für Partner: Andere Firmen bauen eigene Angebote auf der Banklizenz auf und erhalten Zugang zum Euro-Überweisungsraum SEPA.
Einen Bezug zu Deutschland hat Saldo schon heute. Payward nennt Festgeld für Privatkunden in Litauen, Finnland, Schweden und Deutschland als bestehendes Angebot der Bank. Bei Festgeld legst du Geld für eine feste Laufzeit zu einem festen Zins an. Anbieter ist hier die Saldo Bank selbst.
Die Saldo Bank ist eine echte Bank mit Erlaubnis für Einlagen
Lietuvos bankas, die litauische Zentralbank und Aufsicht, führt Saldo Bank UAB in ihrem Register der Finanzmarktteilnehmer als Spezialbank (Kennung LB002115, Stand: Abruf am 16. Oktober 2026). Die Lizenz gilt seit dem 26. Oktober 2021. Seit demselben Tag darf die Bank Einlagen und andere rückzahlbare Gelder von Kunden annehmen, die keine Finanzprofis sind.
Für Kunden in anderen Ländern zählt der EU-Pass, wie ihn die EZB-Bankenaufsicht beschreibt. Für gegenseitig anerkannte Tätigkeiten braucht eine Bank im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) nur die Zulassung ihres Herkunftsstaats. Nach dem Meldeverfahren bei ihrer Heimataufsicht kann sie damit auch in anderen EWR-Staaten tätig werden, grenzüberschreitend oder über eine Zweigstelle. Im litauischen Register ist für Saldo eine Zweigstelle in Finnland eingetragen.
Für die übrigen Länder gehen die Darstellungen auseinander. Payward spricht von fünf europäischen Märkten, an einer Stelle der Mitteilung von vier operativen Märkten plus einem Pass für die Niederlande. Das Register führt eine litauische Lizenz und die Zweigstelle in Finnland.
Das Geschäft reicht über Festgeld hinaus. Payward nennt Partnerschaften für eingebettete Kredite in Finnland und Deutschland: Fintechs nutzen dabei die Kreditinfrastruktur der Bank für ihre eigenen Kunden. Die Saldo-Kreditkarte gibt es in Finnland, in Schweden wird ihr Start für 2027 erwartet.
Zur Größe gibt es Zahlen aus zweiter Hand. CoinDesk nennt unter Berufung auf The Banks eine Bilanzsumme von 163,9 Millionen Euro zum Ende 2025, 22,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Bilanzsumme ist der Wert aller Vermögenswerte einer Bank. Im Vorspann desselben Berichts stehen dagegen 190 Millionen US-Dollar.
Vor dem Abschluss prüft die Bankenaufsicht den Käufer
Wer eine qualifizierte Beteiligung an einer bestehenden Bank erwirbt, braucht in der europäischen Bankenaufsicht die Zustimmung der EZB. Qualifiziert ist ein Anteil ab 10 Prozent der Kapital- oder Stimmrechte oder eine Beteiligung mit maßgeblichem Einfluss.
Die meisten Anträge gehen zuerst bei der nationalen Aufsicht ein. Sie arbeitet bei der Prüfung eng mit der EZB zusammen.
Geprüft werden fünf Punkte:
- der Ruf des Käufers
- die Eignung der Leitungspersonen, die der Käufer bestellen will
- die finanzielle Solidität des Käufers
- die Fähigkeit der Bank, die Aufsichtsregeln auch nach dem Kauf einzuhalten
- die Risiken von Geldwäsche und Terrorfinanzierung
Für die Entscheidung gilt eine Frist von 60 Arbeitstagen ab Eingang des vollständigen Antrags. Sie lässt sich um bis zu 30 auf höchstens 90 Arbeitstage verlängern. Läuft zugleich ein Verfahren für eine Finanzholding, also eine Dachgesellschaft über Finanzunternehmen, kann sich die Frist weiter verschieben.
Für dich heißt das: Sobald eine Behörde den Eingang eines vollständigen Antrags bestätigt, kannst du mitrechnen. 60 Arbeitstage plus höchstens 30 ergeben eine Obergrenze von 90 Arbeitstagen ab diesem Tag, während Paywards einzige Zeitangabe das ganze Jahr 2027 umfasst. Kommt ein Holding-Verfahren hinzu, kann es länger dauern.
Payward erklärt, Integration und Genehmigungsverfahren seien angelaufen, nennt aber weder Behörde noch Eingangstag, Kaufpreis oder Beteiligungshöhe. Zum Betrag hat CoinDesk bei Payward nachgefragt und zunächst keine Antwort bekommen.
Payward will eine Bank, die schon Einlagen annehmen darf
Der Plan hat eine Vorgeschichte: Im Juli 2026 hatte CoinDesk berichtet, Kraken strebe eine Banklizenz in Litauen an. Mit Saldo will Payward nun eine Bank kaufen, die dort seit 2021 zugelassen ist.
Payward gibt an, eine E-Geld-Lizenz der Central Bank of Ireland zu halten. Saldo darf laut Register von Lietuvos bankas seit 2021 Einlagen annehmen.
Woran du erkennst, ob der Kauf vorankommt
Drei Stellen zeigen, ob aus der Vereinbarung ein Angebot für dich wird:
- Eine Entscheidung oder Mitteilung der EZB oder von Lietuvos bankas zur Übernahme. Mit dem vollständigen Antrag beginnt eine Frist von 60 Arbeitstagen, verlängerbar auf 90. Bei einem gleichzeitigen Finanzholding-Verfahren kann sie zusätzlich ruhen.
- Der Eintrag der Saldo Bank im Register von Lietuvos bankas, etwa neue Lizenzen oder Zweigstellen.
- Eine Produktankündigung von Payward oder Kraken für Kunden in der EU, mit Ländern und Startdatum.
Erst eine solche Ankündigung beantwortet, ob Kraken-Kunden in Deutschland Zinsen oder Kredite über Payward Banking bekommen.
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Quellen
- Payward to acquire Saldo Bank: Building the EU Layer of Payward Banking (14.10.2026) · Payward
- Bericht über Paywards Kauf der Saldo Bank (14.10.2026) · CoinDesk
- Saldo Bank UAB im Register der Finanzmarktteilnehmer · Lietuvos bankas
- Zulassung und Erwerb qualifizierter Beteiligungen · EZB-Bankenaufsicht
- X-Post von @Payward zum Kauf der Saldo Bank (14.10.2026) · Payward



