Robinhood, einer der größten US-Broker mit über 24 Millionen Nutzern, hat ein öffentliches Testnet für seine eigene Ethereum Layer-2-Blockchain gestartet. Das auf Arbitrum basierende Netzwerk soll primär tokenisierte Real-World-Assets (RWA) und On-Chain-Finanzdienstleistungen unterstützen – ein strategischer Schritt zur Verschmelzung von traditionellem Finanzwesen und DeFi.
Das Wichtigste in Kürze:
- Robinhood launcht öffentliches Testnet für eigene Arbitrum-basierte Layer-2-Blockchain
- Fokus auf tokenisierte Real-World-Assets (RWA) und On-Chain-Finanzdienstleistungen
- Testnet-Phase ermöglicht Entwicklern und Partnern erste Tests vor Mainnet-Launch
- Robinhood erweitert Krypto-Angebot über reinen Handel hinaus in Richtung Infrastruktur
Robinhood bringt eigene Layer-2-Blockchain ins Testnet
Robinhood hat den Start seines öffentlichen Testnets bekannt gegeben, das auf der Arbitrum-Technologie basiert. Die Layer-2-Lösung nutzt Ethereum als Basis-Layer für Sicherheit, während Transaktionen auf dem Arbitrum-Stack deutlich günstiger und schneller abgewickelt werden können.
Das Testnet steht ab sofort Entwicklern, Partnern und interessierten Nutzern offen. Laut der offiziellen Ankündigung soll die öffentliche Phase wichtige Erkenntnisse für den späteren Mainnet-Launch liefern.
Technische Grundlage: Arbitrum als Basis-Stack
Die Entscheidung für Arbitrum ist strategisch: Die Layer-2-Lösung gehört mit über 2,5 Milliarden US-Dollar Total Value Locked (TVL) zu den etabliertesten Ethereum-Skalierungslösungen. Arbitrum nutzt Optimistic Rollups, eine Technologie, die Transaktionen bündelt und außerhalb der Ethereum-Hauptkette verarbeitet.
Robinhood erhält damit Zugang zu einem bewährten Tech-Stack mit hoher Sicherheit und Interoperabilität. Das Netzwerk wird von Anfang an mit bestehenden Ethereum-Tools und Wallets kompatibel sein.
Für Entwickler: Das Testnet ermöglicht bereits jetzt das Deployen von Smart Contracts und das Testen von dApps. Testnetz-Token sind über offizielle Faucets verfügbar.
Zeitplan und Mainnet-Launch
Einen konkreten Termin für den Mainnet-Launch hat Robinhood bisher nicht genannt. Die Testnet-Phase dient primär der Identifikation technischer Schwachstellen und der Optimierung der Netzwerk-Performance.
Branchenüblich dauern öffentliche Testnets zwischen drei und sechs Monaten, bevor ein Mainnet produktiv geht. Robinhood dürfte aufgrund regulatorischer Anforderungen besonders gründlich vorgehen.
Fokus auf tokenisierte Real-World-Assets
Der zentrale Use Case für Robinhoods Layer-2-Blockchain ist die Tokenisierung von Real-World-Assets. Darunter fallen Finanzinstrumente wie Aktien, Anleihen, Fonds oder auch Rohstoffe, die als Token auf der Blockchain abgebildet werden.
Laut Robinhood soll das Netzwerk speziell für regulierte Finanzdienstleistungen optimiert sein. Das unterscheidet die Plattform von generalistischen Layer-2-Lösungen wie Arbitrum One oder Optimism.
"Das Netzwerk ist darauf ausgelegt, tokenisierte Real-World-Assets und andere On-Chain-Finanzdienstleistungen zu unterstützen, die eine Brücke zwischen traditionellem Finanzwesen und Blockchain-Technologie schlagen." – Robinhood, offizielle Ankündigung
RWA-Markt wächst exponentiell
Der Markt für tokenisierte Real-World-Assets verzeichnet massives Wachstum. Laut Daten von RWA.xyz liegt das Gesamtvolumen tokenisierter RWAs im April 2025 bei über 18 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 340 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders US-Staatsanleihen (Treasuries) werden zunehmend tokenisiert. Plattformen wie Ondo Finance, Backed Finance oder Franklin Templeton bieten bereits entsprechende Produkte an. Robinhood positioniert sich mit seiner eigenen Infrastruktur als direkter Wettbewerber.
RWA-Beispiele: Tokenisierte US-Staatsanleihen, Immobilien-Anteile, Gold-backed Token, Unternehmensanleihen oder Kreditforderungen – alles handelbar auf der Blockchain mit 24/7-Liquidität.
Regulatorischer Vorteil durch bestehende Lizenzen
Robinhood verfügt als regulierter US-Broker bereits über SEC- und FINRA-Lizenzen. Diese ermöglichen den legalen Handel mit Wertpapieren – ein entscheidender Vorteil gegenüber rein krypto-nativen Projekten.
Die Tokenisierung von Wertpapieren auf einer eigenen Blockchain erlaubt Robinhood theoretisch den 24/7-Handel mit Aktien und Anleihen. Aktuell sind US-Börsen nur wochentags von 9:30 bis 16:00 Uhr Eastern Time geöffnet – Blockchain-basierte Märkte kennen keine Öffnungszeiten.
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Robinhoods Vorstoß ist ein weiteres Signal für die zunehmende Konvergenz von traditionellem Finanzwesen (TradFi) und dezentralen Finanzen (DeFi). Große Finanzinstitute bauen eigene Blockchain-Infrastrukturen statt nur auf bestehende Netzwerke zu setzen.
PayPal hat mit PYUSD bereits einen eigenen Stablecoin gelauncht. JPMorgan nutzt seine Quorum-Blockchain (heute: Consensys) für Interbank-Zahlungen. Robinhood geht nun den nächsten Schritt und startet eine vollwertige Layer-2-Blockchain.
Wettbewerb für bestehende RWA-Plattformen
Etablierte RWA-Protokolle wie Ondo Finance, Centrifuge oder Maple Finance bekommen Konkurrenz durch eine Plattform mit 24 Millionen bestehenden Nutzern. Robinhoods größter Vorteil ist die Distribution: Millionen Nutzer können direkt auf tokenisierte Assets zugreifen.
Für den breiteren Krypto-Markt könnte das mittelfristig mehr institutionelles Kapital bedeuten. Wenn traditionelle Anleger über eine vertraute Plattform wie Robinhood Zugang zu Blockchain-basierten Finanzprodukten erhalten, sinkt die Einstiegshürde erheblich.
Zentralisierungsrisiko: Eine von Robinhood kontrollierte Layer-2-Blockchain widerspricht dem Dezentralisierungsgedanken von Ethereum. Nutzer sind auf die Integrität und Verfügbarkeit von Robinhood als Betreiber angewiesen.
Auswirkungen auf Ethereum und Layer-2-Ökosystem
Jede neue Layer-2-Blockchain erhöht die Nachfrage nach Ethereum als Settlement-Layer. Transaktionen werden auf der Layer-2 gebündelt und regelmäßig auf Ethereum finalisiert – das generiert Gebühren und erhöht die Netzwerkaktivität.
Gleichzeitig fragmentiert sich das Layer-2-Ökosystem weiter. Neben Arbitrum, Optimism, Base (Coinbase) und zkSync existieren nun über 50 aktive Layer-2-Lösungen. Liquidität und Nutzer verteilen sich auf immer mehr Netzwerke.
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Einordnung: TradFi baut eigene Blockchain-Infrastruktur
Robinhoods Layer-2-Launch ist symptomatisch für einen größeren Trend: Traditionelle Finanzinstitute migrieren nicht einfach auf bestehende Blockchains, sondern bauen eigene, kontrollierte Infrastrukturen. Das ermöglicht Compliance mit bestehenden Regulierungen und maximale Kontrolle über Nutzer und Assets.
Die Entscheidung für Arbitrum als technische Basis zeigt dabei einen pragmatischen Mittelweg: Robinhood nutzt bewährte Open-Source-Technologie, behält aber operative Kontrolle über das Netzwerk. Das Modell entspricht einer "Permissioned Blockchain" mit öffentlichem Zugang.
Vorteile
- Distribution: 24 Millionen Robinhood-Nutzer erhalten direkten Zugang zu tokenisierten Assets
- Regulatorische Klarheit: Robinhood verfügt über notwendige SEC- und FINRA-Lizenzen für Wertpapierhandel
- Bewährte Technologie: Arbitrum-Stack ist erprobt und mit Ethereum-Ökosystem kompatibel
- 24/7-Märkte: Tokenisierte Wertpapiere können theoretisch rund um die Uhr gehandelt werden
Risiken & Nachteile
- Zentralisierung: Robinhood kontrolliert die Infrastruktur vollständig – Single Point of Failure
- Regulatorische Unsicherheit: Rechtslage für tokenisierte Wertpapiere in den USA noch nicht final geklärt
- Liquiditätsfragmentierung: Weitere Layer-2-Chain verteilt Liquidität im Ethereum-Ökosystem
- Vendor Lock-in: Nutzer sind an Robinhoods Ökosystem gebunden
Vergleich mit anderen TradFi-Blockchain-Initiativen
Robinhood ist nicht das erste Finanzinstitut mit eigener Blockchain-Infrastruktur. Coinbase hat mit Base bereits eine erfolgreiche Layer-2-Chain gelauncht, die innerhalb weniger Monate über 3 Milliarden US-Dollar TVL erreichte.
PayPal fokussiert sich mit seinem PYUSD-Stablecoin auf Zahlungsabwicklung. JPMorgan nutzt seine Onyx-Plattform für Interbank-Settlements im dreistelligen Milliardenbereich. Robinhoods RWA-Fokus ist dagegen ein Alleinstellungsmerkmal.
Base vs. Robinhood Layer-2: Coinbases Base ist generalistisch und hostet DeFi-Protokolle, NFTs und Memecoins. Robinhoods Chain fokussiert sich auf regulierte Finanzprodukte – zwei unterschiedliche Strategien im selben Tech-Stack.
Langfristige Perspektive: Konvergenz von TradFi und DeFi
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich separate TradFi-Blockchains oder die Integration in bestehende DeFi-Protokolle durchsetzt. Aktuell bauen Banken und Broker lieber eigene, kontrollierte Infrastrukturen – Dezentralisierung ist zweitrangig.
Für Krypto-Nutzer bedeutet das mehr Auswahl und potenziell bessere regulatorische Klarheit. Gleichzeitig besteht die Gefahr einer Zwei-Klassen-Blockchain-Welt: Permissionless DeFi für Krypto-Natives, permissioned Chains für institutionelle Akteure.
Worauf du jetzt achten solltest
Wenn du Robinhoods Layer-2-Blockchain und deren Auswirkungen auf den Markt verfolgen möchtest, sind folgende Entwicklungen relevant:
- Mainnet-Launch-Termin: Robinhood wird voraussichtlich in den nächsten Monaten einen konkreten Zeitplan für den produktiven Start kommunizieren. Die Testnet-Phase gibt erste Hinweise auf Stabilität und Performance.
- Partner-Ankündigungen: Welche Finanzinstitute, Asset-Manager oder DeFi-Protokolle auf Robinhoods Chain launchen, zeigt die tatsächliche Marktakzeptanz. Erste Partnerschaften dürften vor dem Mainnet-Start bekannt gegeben werden.
- Regulatorische Entwicklungen: Die SEC-Haltung zu tokenisierten Wertpapieren ist entscheidend. Robinhood wird eng mit Regulatoren zusammenarbeiten müssen, um Compliance sicherzustellen.
- TVL und Transaktionsvolumen: Nach Mainnet-Launch sind Total Value Locked und tägliches Transaktionsvolumen die wichtigsten Metriken für Adaption und Nutzung.
- Konkurrenzreaktionen: Wie reagieren andere Broker und Trading-Plattformen? Weitere TradFi-Unternehmen könnten ähnliche Initiativen starten und den Wettbewerb verschärfen.
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Häufige Fragen zu Robinhoods Layer-2-Blockchain
Was ist eine Layer-2-Blockchain und warum nutzt Robinhood diese Technologie?
Layer-2-Blockchains sind Skalierungslösungen, die auf einer Haupt-Blockchain (Layer-1) wie Ethereum aufbauen. Sie verarbeiten Transaktionen deutlich günstiger und schneller, indem sie diese außerhalb der Hauptkette bündeln und nur das finale Ergebnis auf Ethereum absichern. Robinhood nutzt diese Technologie, um kostengünstige Transaktionen für tokenisierte Assets zu ermöglichen, während die Sicherheit von Ethereum erhalten bleibt.
Was sind tokenisierte Real-World-Assets (RWA)?
Tokenisierte Real-World-Assets sind traditionelle Finanzinstrumente oder physische Vermögenswerte, die als Token auf einer Blockchain abgebildet werden. Beispiele sind Aktien, Anleihen, Immobilienanteile oder Rohstoffe. Die Tokenisierung ermöglicht 24/7-Handel, Teilbarkeit und automatisierte Abwicklung über Smart Contracts – Vorteile, die traditionelle Märkte nicht bieten können.
Wann geht Robinhoods Layer-2-Blockchain ins Mainnet?
Robinhood hat bisher keinen konkreten Termin für den Mainnet-Launch genannt. Das öffentliche Testnet dient der Identifikation technischer Schwachstellen und Performance-Optimierung. Basierend auf ähnlichen Projekten ist mit einer Testnet-Phase von drei bis sechs Monaten zu rechnen, bevor das produktive Netzwerk startet.
Ist Robinhoods Layer-2-Blockchain dezentral?
Nein, Robinhoods Layer-2-Blockchain ist nicht vollständig dezentral. Als Betreiber hat Robinhood operative Kontrolle über das Netzwerk, auch wenn es technisch auf dem öffentlichen Arbitrum-Stack basiert. Das Modell ähnelt einer "Permissioned Blockchain" mit öffentlichem Zugang – Nutzer sind auf die Integrität und Verfügbarkeit von Robinhood als zentralem Akteur angewiesen.
Welche Vorteile hat Robinhoods Layer-2 gegenüber anderen Blockchains?
Robinhoods größter Vorteil ist die bestehende Nutzerbasis von über 24 Millionen Nutzern und vorhandene Lizenzen für regulierte Finanzdienstleistungen. Die Plattform kann tokenisierte Wertpapiere legal anbieten und hat direkten Zugang zu Millionen potenzieller Nutzer. Technisch nutzt Robinhood bewährte Arbitrum-Technologie, fokussiert sich aber speziell auf RWA-Use-Cases statt generalistischer DeFi-Anwendungen.





