FIFO steht für "First In, First Out" und beschreibt eine Bewertungsmethode, die besonders bei der steuerlichen Behandlung von Kryptowährungen eine zentrale Rolle spielt. Das Prinzip ist einfach: Die Coins oder Token, die du zuerst gekauft hast, gelten auch als die ersten, die du wieder verkaufst – unabhängig davon, welche du tatsächlich technisch veräußerst.
In Deutschland ist die FIFO-Methode das vom Finanzamt vorgeschriebene Standardverfahren für private Veräußerungsgeschäfte mit Kryptowährungen. Das bedeutet: Wenn du zu verschiedenen Zeitpunkten Bitcoin gekauft hast und später einen Teil davon verkaufst, musst du für die Steuerberechnung annehmen, dass du die ältesten Bitcoin aus deinem Bestand verkauft hast – selbst wenn du technisch gesehen andere Bitcoin transferiert hast.
Info: Die FIFO-Methode ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben und kann nicht frei gewählt werden. Eine Ausnahme bildet nur der Nachweis, dass konkret zuordenbare Coins verkauft wurden, was in der Praxis jedoch schwer umzusetzen ist.
Die Funktionsweise lässt sich am besten an einem praktischen Beispiel verdeutlichen: Stell dir vor, du kaufst im Januar 1 Bitcoin für 20.000 Euro, im März weitere 0,5 Bitcoin für 12.000 Euro und im Juni nochmals 0,5 Bitcoin für 15.000 Euro. Im September verkaufst du dann 1 Bitcoin für 25.000 Euro. Nach der FIFO-Methode gilt dieser verkaufte Bitcoin als der im Januar gekaufte – auch wenn du vielleicht die später gekauften Bitcoin verkaufen wolltest. Dein steuerpflichtiger Gewinn beträgt somit 5.000 Euro (25.000 Euro Verkaufspreis minus 20.000 Euro Anschaffungskosten).
Für Krypto-Nutzer hat die FIFO-Methode erhebliche steuerliche Auswirkungen. In einem steigenden Markt bedeutet FIFO oft höhere Gewinne und damit höhere Steuern, da die älteren Coins in der Regel günstiger eingekauft wurden. Gleichzeitig kann FIFO aber auch Vorteile bieten: Wenn du Coins länger als ein Jahr hältst, sind sie in Deutschland steuerfrei. Durch FIFO werden automatisch die ältesten Coins zuerst "verbraucht", was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die verbliebenen Coins die einjährige Haltefrist erreichen.
Die korrekte Anwendung der FIFO-Methode erfordert eine lückenlose Dokumentation aller Käufe und Verkäfe. Jede Transaktion muss mit Datum, Menge, Kurs und Gebühren erfasst werden. Gerade bei häufigem Handel über verschiedene Plattformen wie Bitvavo oder andere Krypto-Börsen wird dies schnell unübersichtlich. Hier können spezialisierte Krypto Steuer-Tools wie CoinTracking helfen, die FIFO-Berechnungen automatisch durchführen und steuerrelevante Reports erstellen.
Wichtig: Fehlerhafte FIFO-Berechnungen können zu falschen Steuererklärungen führen. Bei Nachprüfungen durch das Finanzamt musst du deine Berechnungen nachweisen können – eine saubere Dokumentation von Anfang an ist daher unverzichtbar.
Ein besonderer Aspekt der FIFO-Methode zeigt sich bei komplexen Krypto-Portfolios: Wenn du verschiedene Kryptowährungen hältst, wird FIFO für jede Währung separat angewendet. Deine Bitcoin-Käufe haben also keinen Einfluss auf die Reihenfolge deiner Ethereum-Verkäufe. Auch Staking-Rewards, Airdrops oder Mining-Erträge müssen in die FIFO-Reihenfolge eingeordnet werden, wobei sie zum Zeitpunkt des Zuflusses als "Kauf" zu ihrem damaligen Marktwert gelten.
Für strategische Überlegungen ist FIFO ebenfalls relevant: Anders als bei professionellen Tradern oder Unternehmen, die teilweise andere Bewertungsmethoden wählen können, sind Privatpersonen an FIFO gebunden. Dies solltest du bei deiner Kauf- und Verkaufsstrategie berücksichtigen. Wenn du beispielsweise planst, einen Teil deines Bestands steuerfrei nach einem Jahr zu verkaufen, musst du sicherstellen, dass die ältesten Coins bereits die Haltefrist überschritten haben.
Auch im Kontext von institutionellen Investments wie einem Bitcoin ETF spielt die Bewertungsmethode eine Rolle, wobei ETFs oft andere steuerliche Regelungen unterliegen als direkte Krypto-Investments. Die FIFO-Methode bleibt jedoch der Standard für private Krypto-Transaktionen und bildet die Grundlage für eine rechtssichere Steuerberechnung in Deutschland.